Hannover Rück "Finanzkrise ist für uns ausgestanden"

Die Hannover Rück will nach einem "verlorenen" Jahr schon 2009 zur alten Ertragsstärke zurückkehren. Erstversicherer hätten viel Kapital verloren und müssten jetzt verstärkt Versicherungsschutz einkaufen. Die Eigenkapitalrendite soll zwischen 15 und 20 Prozent liegen. An den Märkten kommt der sebstbewusste Auftritt gut an.

Hannover - Der vor der Pensionierung stehende Konzernchef Wilhelm Zeller erwartet merkliche Impulse durch einen verstärkten Rückversicherungsbedarf infolge der instabilen Lage an den Finanzmärkten. 2008 hatten massive Verluste aus Aktienverkäufen den Konzern belastet, nachdem er sich im Herbst von fast allen als Kapitalanlage gehaltenen Titeln getrennt hatte.

"Die Finanzkrise ist für uns ausgestanden", sagte Zeller. Für das laufende Jahr rechnet er mit einer Eigenkapitalrendite von 15 bis 20 Prozent, was einem Gewinn knapp 700 Millionen Euro entspräche. Dabei ist der vor wenigen Tagen angekündigte Zukauf im Lebensversicherungsgeschäft bereits eingerechnet.

Hannover Rück  sieht die Krise nun als Chance. Erstversicherer hätten viel Kapital verloren und müssten, um gesetzlichen Vorschriften zu genügen, nun stärker Rückversicherungsschutz einkaufen, erläuterte Zeller am Montag vor Journalisten. Zugleich zögen sich Hedgefonds, die in den vergangenen drei Jahren stark ins Rückversicherungsgeschäft gedrängt hatten, immer mehr zurück. "Unterm Strich ist die Nachfrage gestiegen und sie trifft auf ein verringertes Angebot", sagte Zeller.

Das machte sich bereits in der Erneuerungsrunde zum 1. Januar bemerkbar, in der Hannover Rück zwei Drittel der Verträge mit Erstversicherern wie HUK Coburg und Aachen-Münchener neu aushandelte. Das Unternehmen habe deutliche - oft prozentual zweistellige - Aufschläge durchsetzen können, sagte Vorstandsmitglied Michael Pickel. "Und in den Erneuerungsrunden im April und Juli sind weitere Erhöhungen zu erwarten."

Hohe Aufschläge sind offenbar durchzusetzen

Besonders hoch fiel das Plus zuletzt in der US-Schadensrückversicherung - dazu gehören etwa Kfz-Kaskoversicherungen und Feuerversicherungen - mit bis zu 20 Prozent aus und in der Rückversicherung von Ölplattformen im Golf von Mexiko mit bis zu 35 Prozent. Bei der Rückversicherung von Warenkrediten betrugen die Aufschläge sogar bis zu 40 Prozent, ein Ausbau des Geschäftsbereichs ist geplant. Die Preiserhöhungen um durchschnittlich 10 Prozent bei der Rückversicherung von Naturkatastrophen-Schäden seien hingegen nicht ausreichend, weshalb Hannover Rück davon weniger Geschäft zeichnete.

Das für 2009 prognostizierte Wachstum der Beitragseinnahmen (Nettoprämie) von 17 Prozent basiert auf der Annahme, dass der durch den Zukauf eines Portefeuilles von ING-Versicherungsverträgen gestärkte Bereich Lebensversicherungen um 35 Prozent wächst. In der dominierenden Sparte Schaden/Unfall-Rückversicherung rechnet Hannover Rück mit einem Plus von 5 Prozent. In diesem Bereich erwartet der Konzern 2009 insgesamt 3,9 Milliarden Euro an Bruttoprämie. Im Vorjahr war das Prämienvolumen um zwei Prozent geschrumpft.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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