Schwarzbuch Börse 2008 Ignoranz, Gier und Lügengebilde

Krasse Fehlentscheidungen, undurchsichtige Machenschaften und Skurrilitäten der Banker verursachten die Finanzkrise. Doch viele Vorstände anderer Branchen stehen ihnen in nichts nach, verdeutlicht das Schwarzbuch Börse 2008. manager-magazin.de präsentiert einige Fälle im Überblick.
Von Grit Beecken und Lilli Schrauzer

Hamburg - Im vergangenen Jahr brach der Dax  um 40 Prozent ein. Aktionäre beschrieben das Börsendebakel mehrheitlich mit den Worten "verheerend" und "katastrophal", berichtet Klaus Schneider, Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), bei der Vorstellung des Schwarzbuchs Börse 2008.

Der deutsche Leitindex erlebte das zweitschlechteste Jahr seiner Geschichte. "Die Buhmänner waren 2008 natürlich in erster Linie die Banker", sagt Schneider. Das Fehlverhalten einiger und unreflektiertes Handeln der gesamten Branche hätten die Auswirkungen der Krise in der realen Wirtschaft weiter verschärft.

Problemfälle gab es in allen Marktsegmenten: "Im Dax sind die Aktien von Infineon  durch jahrelanges Missmanagement und Überkapazitäten bei der inzwischen insolventen Tochter Qimonda  zum Pennystock degradiert", beklagt der Anlegerschützer. Eine Hiobsbotschaft nach der anderen mussten auch die Aktionäre des Bezahlsenders Premiere  verkraften. Die Schwarzseherproblematik und frisierte Kundenzahlen führten zu einem Kurssturz von zwischenzeitlich mehr als 90 Prozent.

"Ungemütlich wurde es auch für die Anleger von Continental , das auf besonders perfide Weise von dem fränkischen Familienunternehmen Schaeffler übernommen wurde, ohne dass die Conti-Führung die Möglichkeit gehabt hätte, ein Gegenangebot einzuholen", sagt Schneider weiter. Im TecDax  wurden neben Qimonda auch Conergy  zum Pennystock degradiert.

Skandale gab es ebenfalls bei den kleineren Unternehmen. Erhebliche Zweifel am operativen Geschäft bestehen für die SdK beispielsweise bei dem Telekomanbieter Amitelo. Dort sei es 2008 zu auf dem deutschen Kapitalmarkt bislang einmaligen Turbulenzen durch einen von dem Unternehmen durchgeführten Reverse Split gekommen, berichtet Schneider.

Im Folgenden präsentiert manager-magazin.de einen Überblick darüber, was die SdK im Einzelnen kritisiert.

Arcandor hängt am seidenen Faden

Zu Beginn des vergangenen Jahres gab der scheidende Chef von Arcandor , Thomas Middelhoff, eine äußerst optimistische Prognose ab: "Wir haben die besten Zahlen seit dem Bestehen von Karstadt und sind von Nettofinanzverbindlichkeiten frei."

Seine Strategie, das Unternehmen durch den Verkauf von Vermögenswerten zu sanieren, anstatt sich auf die Sanierung des operativen Geschäfts zu konzentrieren, schlug jedoch fehl. Nun dümpelt der Börsenkurs des Unternehmens bei 1,85 Euro statt der von Middelhoff versprochenen 40 Euro plus X.

Der neue Großaktionär Sal. Oppenheim wird auf dem aktuell niedrigeren Kursniveau eine Kapitalerhöhung durchführen, sodass jedenfalls diejenigen Aktionäre, die daran nicht teilnehmen, schlechter gestellt werden.

Vom 1. März 2009 an wird der frühere Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick die Geschicke des Mischkonzerns leiten.

Quelle: Schwarzbuch Börse 2008

Premiere-Aktionäre sehen schwarz

Zuerst kam der Wechsel im Vorstand von Premiere . Der bisherige Vorstandsvorsitzende Michael Börnicke wurde durch Mark Williams ersetzt, ein Vertrauter des neuen Großaktionärs Rupert Murdoch. Dann korrigierte das Unternehmen seine Abonnentenzahlen um über eine Million von 4,16 Millionen auf 3,12 Millionen zahlender Zuschauer nach unten. Als Folge fiel der Kurs der Aktie zeitweilig auf unter zwei Euro. Auch für die Vergangenheit wurden die Kundenzahlen heruntergesetzt, ohne jedoch Umsätze und Ergebnisse an die veränderten Zahlen anzupassen.

Durch zwei Kapitalerhöhungen wollte Premiere neues Geld von den Banken bekommen, die erste ist bereits erfolgt. Das Unternehmen gab 10,2 Millionen Aktien zu einem Wert von 3,76 Euro heraus. Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung am 26. Februar soll eine weitere Kapitalerhöhung um bis zu 411,5 Millionen Aktien beschlossen werden. Damit könnte Rupert Murdochs News Corp. mit über 75 Prozent an Premiere beteiligt sein. Wirft der Bezahlsender dann längerfristig Gewinne ab, profitieren jedoch nicht einzelne Aktionäre, sondern zu einem Großteil Rupert Murdoch.

Quelle: Schwarzbuch Börse 2008

Balda: Visionen gescheitert

Bei dem Bad Oeynhausener Unternehmen Balda  ging 2008 so ziemlich alles schief. Die Aktie stürzte innerhalb des vergangenen Jahres um fast 95 Prozent auf rund 50 Cent. Der bisherige Vorstandschef Joachim Gut räumte seinen Posten zum Jahresende. Der frühere Finanzchef Dirk Eichelberger wurde sein Nachfolger und Alleinvorstand von Balda.

Die Technologie, mit der Balda zukünftig wachsen wollte, die Touch Screens, brachte nicht den gewünschten Erfolg. Um diese zu produzieren und zu vermarkten, gründete das Unternehmen ein Joint Venture in China. 2007 traten dann Probleme mit einem Großauftrag auf. Ohne wirtschaftlichen Ausgleich musste Balda für seinen Auftraggeber nachträglich Produktspezifikationen hinnehmen. Diese führten zu zeitlichen Verzögerungen und erheblichen Mehrkosten.

Nach der Insolvenz von BenQ geriet auch das konventionelle Geschäft mit Handyschalen in eine Schieflage und Balda versuchte, die Unternehmenssparte an den Private Equity Investor Aurelius zu veräußern. Offenbar wies das Vertragswerk aber erhebliche Mängel auf. Denn im ersten Quartal 2008 kam es über die Verlustbeiträge der veräußerten Gesellschaften zu Existenz bedrohenden Auseinandersetzungen.

Balda machte den Verkauf rückgängig. Während des gesamten Jahres 2008 verweigerten die Banken dem Unternehmen neue Finanzierungsvereinbarungen. Im Oktober 2008 musste Balda Anteile seines chinesischen Joint Ventures verkaufen. Damit schrumpfte das eigentliche Kerngeschäft noch einmal. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen bewahrt, was Anlass zu der Spekulation gibt, er wäre deutlich zu niedrig gewesen. Erst im Dezember 2008 meldete die Gesellschaft, sie werde bis Ende 2009 ihre Finanzierungsstruktur neu ordnen.

Quelle: Schwarzbuch Börse 2008

CAT Oil stürzt ab

Was 2006 noch als fragwürdigster Börsengang des Jahres bezeichnet wurde, sieht auch jetzt noch nicht besonders anlegerfreundlich aus. Die Gewinne der CAT Oil halbierten sich in ersten neun Monaten von 2008 fast und die Aktie der Gesellschaft reagierte darauf mit Kurseinbrüchen auf unter zwei Euro - seit der Emission ist das ein Minus von fast 90 Prozent.

Vor dem Börsengang waren die Großaktionäre des Unternehmens der Öffentlichkeit nicht bekannt. Erst nach Klagen der Erben des Firmengründers Heinrich Schmidt gab CAT Oil die Identität preis. Es handelte sich um den Steuerberater des Firmengründers. Auch eine andere Großaktionärin weckt nicht das Vertrauen der Anleger. Gegen die Lettin Anna Brinkmann wurde nach dem Tod Heinrich Schmidts wegen Untreue ermittelt. Das Verfahren wurde nur gegen Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 100.000 Euro eingestellt. Derzeit nutzt sie den niedrigen Ölpreis und kauft massiv Anteile des eigenen Unternehmens.

Quelle: Schwarzbuch Börse 2008

CRE wird zum Bestandshalter

Was theoretisch eine gute Idee war, scheiterte an der Umsetzung. Die Colonia Real Estate (CRE)  wollte notleidende Immobilien weit unter Verkehrswert aufkaufen, aufpäppeln und später mit hohem Profit wieder veräußern. Nach dem Börsengang erwirtschaftete die CRE 2006 einen Gewinn von 31 Millionen Euro und im Jahr 2007 sogar von 67 Millionen Euro. Mit diesen guten Unternehmenszahlen kletterte auch der Aktienkurs zeitweise bis auf fast 50 Euro.

Die nahezu gigantischen Gewinne konnte CRE realisieren, weil es alle günstig erworbenen Immobilien auf den geschätzten Verkehrswert aufwertete. Zusätzlich bekam das Unternehmen 2007 Steuern zurück gezahlt. Spätestens mit dem Beginn der Wirtschaftskrise zeigte sich dann, dass das Konzept von CRE nicht tragfähig war. Billige Immobilien gab es nun wie Sand am Meer, das Unternehmen bekam jedoch keine neue Kredite mehr, um weitere Zukäufe zu tätigen. Dadurch fehlte das Material für weitere Neubewertungsgewinne.

Zudem erwiesen sich die Bewertungen der Vergangenheit als viel zu hoch. Die CRE korrigierte den Wert ihrer Objekte im dritten Quartal um 44 Millionen Euro nach unten. Das führte zu einem Konzernfehlbetrag von 50 Millionen Euro für die ersten neun Monate. Die Aktie stürzte auf 1,26 Euro. Zukünftig will die CRE sich als Bestandshalter profilieren und mit Mieteinnahmen Gewinne machen. Doch auch dieses Ziel ist ehrgeizig. Die Eigenkapitalquote liegt bei 28 Prozent, der Jahresabschluss steht noch aus.

Quelle: Schwarzbuch Börse 2008

Conergy: Harte Landung in der Realität

Nachdem das Unternehmen bereits im vergangenen Jahr einen Eintrag im Schwarzbuch Börse erhalten hat, schickt die SdK die gute Nachricht in diesem Jahr voraus: Nach den Querelen der letzten Jahre soll Conergy  ab 2009 nur noch aus zwei Geschäftssegmenten bestehen - aus Conergy PV (Fotovoltaik inklusive Projektgeschäft) und Epuron (sonstiges Projektgeschäft ohne Fotovoltaik). Nach einem Beschluss der letzten Hauptversammlung soll das Unternehmen als so genanntes fokussiertes Downstream-Unternehmen im angestammten Bereich der Fotovoltaik wieder Fuß am Markt fassen.

Unabdingbar für den Neuanfang und die Vermeidung der Insolvenz war die inzwischen abgeschlossene Barkapitalerhöhung, bei der die Aktionäre für eine alte zehn neue Aktien zu einem Preis von 1,10 Euro je Aktie beziehen konnten. Insgesamt wurde das Grundkapital von 35 Millionen Aktien zu 1,00 Euro je Aktie um 363 Millionen Aktien erhöht. Bei Emissionskosten von 30 Millionen Euro und einem Nettoemissionserlös von etwa 369 Millionen Euro war das Interesse des Streubesitzes als auch der bisherigen Großaktionäre eher gering; angesichts einer Aktienkursentwicklung von im Sommer 2007 etwa 60,00 Euro je Aktie zum aktuellen "Pennystock" auch wenig verwunderlich.

Die Kapitalerhöhung war zwar ein zunächst existenzsichernder Zwischenschritt, die Sanierung in einem rezessiven Umfeld ist damit aber noch nicht beendet.

Quelle: Schwarzbuch Börse 2008

Freenet: König Spoerr gegen alle

Der ausgeschiedene Chef von Freenet , Eckhard Spoerr, erhielt 2007 mehr als vier Millionen Euro als Vergütung für seinen Posten. Das ist mehr, als René Obermann im gleichen Jahr bei der Deutschen Telekom verdiente. Gemessen an diesem Verdienst, hätte Spoerr viel für seine Aktionäre tun sollen. Stattdessen zog Spoerrs Strategie Kursverluste von bis zu 80 Prozent und Unstimmigkeiten mit seinen Großaktionären United Internet und Drillisch über eine Aufspaltung des Telekommunikationskonzerns nach sich. Schließlich war sogar Spoerrs Chefposten bedroht und er musste dafür sorgen, dass United Internet und Drillisch auf der nächsten Hauptversammlung keine Mehrheit bekommen würden. Der Gefahr wollte Spoerr mit einer Übernahme des Konkurrenten Debitel begegnen, der sich in der Hand von Finanzinvestor Permira befand.

Kurz vor Abschluss der Debitel-Übernahme kam von United Internet  ein Übernahmeangebot für Freenet, mit Aussicht auf 16 Euro je Freenet-Aktie. Die Aktionäre wurden nicht über dieses Angebot informiert und auf der Hauptversammlung wurde Spoerr nicht zuletzt dank des neuen Großaktionärs Permira entlastet.

Der Versuch, die DSL-Sparte zu verkaufen, Personalrangeleien mit Investor Permira und die Finanzkrise sorgten auch in der zweiten Jahreshälfte für fallende Kurse. Für Freenet endete das Jahr 2008 mit der Rücktrittsankündigung Spoerrs, der dann am 23. Januar seinen Hut nahm.

Quelle: Schwarzbuch Börse 2008

HVB: Italienische Nacht- und Nebelaktion

Aus der Sicht von Alessandro Profumo wurde im November 2008 ein leidiges Kapitel geschlossen. Nach jahrelangem Rechtsstreit mit Altaktionären der im Jahr 2005 erworbenen HypoVereinsbank  und zähen Hauptversammlungen regiert seine Unicredit  bei der deutschen Tochter jetzt durch. Die italienische Großbank, ohnehin nach der zwangsweisen Abfindung der verbliebenen Kleinaktionäre im Besitz von 100 Prozent der HVB-Aktien, berief in einer kurzfristig anberaumten Hauptversammlung den "besonderen Vertreter" der Aktionärsinteressen, Thomas Heidel, ab.

Eine "Nacht-und-Nebel-Aktion auf italienisch", schimpft die SdK. Damit würden die von ehemaligen Anteilseignern angestrengten Spruchverfahren auf eine höhere Abfindung torpediert. Hintergrund sind "Merkwürdigkeiten", so die Aktionärsschützer, bei der Neuordnung des Konzerns. Die HVB verkaufte ihre österreichische Tochter Bank Austria an die neue Mutter - zu billig nach Ansicht Heidels und der SdK - und bekam im Gegenzug das Investmentbanking der Unicredit - wofür sie demnach einen zu hohen Preis zahlen musste. Heidel klagte deshalb auf Rückabwicklung des Deals oder knapp 14 Milliarden Euro Schadenersatz. Kein Wunder, dass die Unicredit sich des unbequemen Interessenvertreters entledigte.

Doch ganz geschlossen ist das Kapitel noch nicht. Heidel und die Templer Beteiligungs GmbH klagen nun gegen die Hauptversammlung vom November. Die Italiener hätten ihr Stimmrecht nicht ausüben dürfen, weil ihnen der Griff in die Kasse der HVB vorgeworfen wird. So schwinge sich die Unicredit zum "Richter in eigener Sache" auf. Profumo muss in die nächste Runde.

Quelle: Schwarzbuch Börse 2008

Infineon: Negativrekord

Den beispiellosen Fall der Papiere von Infineon  würdigen die Autoren des Schwarzbuchs ironisch als "historische Leistung der besonderen Art". Allein im Jahr 2008 verlor die Aktie 90 Prozent ihres Werts und notiert derzeit bei gerade einmal 67 Cent. Zum Börsenstart im Jahr 2000 lag der erste festgesetzte Kurs bei über 70 Euro.

Verantwortlich aus Sicht der SdK: Missmanagement durch den Vorstand des Unternehmens, der nicht "nachhaltig" agiert habe. Außer dem langen Festhalten an der Tochter Qimonda  zeigt das Schwarzbuch konkrete Fehlleistungen jedoch kaum auf. Vielmehr stellen die Autoren wie das Unternehmen selbst das schwierige wirtschaftliche Umfeld im Speicherchipmarkt in den Vordergrund sowie die Pleite des Großkunden BenQ  Deutschland.

Die Autoren geißeln jedoch Schamlosigkeit der Vorstände bei der eigenen Bezahlung, was sich in den Ruhegehältern, Übergangsgeldern und Boni bei einem Ausscheiden widerspiegelt. Die Anreize für gute Arbeit seien deshalb viel zu niedrig. Hinzu kommt eine Vereinbarung für einen "goldenen Handschlag", nach der die Vorstände eine üppige Abfindung erhalten, wenn ein Investor mit 30 Prozent bei Infineon einsteigt. Die Vereinbarung sei geeignet, Investoren von einem Einstieg abzuhalten und schade daher dem Unternehmen.

Quelle: Schwarzbuch Börse 2008

Paul Hartmann: Mehrheitsübernahme

Die Paul Hartmann AG, einer der führenden europäischen Anbieter von Systemlösungen für professionelle Kunden in Medizin und Pflege in den Segmenten Wund-, Inkontinenz- und OP-Management, sorgte im vergangenen Jahr bereits Wochen vor dem anberaumten HV-Termin für Schlagzeilen.

Ausgangspunkt war ein mit dem Vermerk "Vertraulich" adressierter Brief des Geschäftsführers des Finanzinvestors Apax Partners in München vom 19. September 2007 an den Vorsitzenden des Aufsichtsrats von Paul Hartmann, Fritz-Jürgen Heckmann, über ein Übernahmeangebot von "mindestens 50 Prozent und einer Aktie und bis zu 100 Prozent des Aktienkapitals" zum Preis von 190 Euro je Aktie - dies bei einem aktuellen Börsenkurs von knapp 160 Euro.

Kopien dieses Schreibens gingen an drei Hauptaktionäre. Den weiteren Großaktionären wurde dieses Angebot aber nicht unterbreitet. Vermutlich deswegen, weil sie im Gegensatz zu den drei anderen nicht Mitglieder des Aufsichtsrats bei Hartmann waren und deren Engagement beim Hartmann-Konzern langfristiger eingeschätzt wurde.

Aber dann kommt es doch ganz anders. Apax kommt nicht zum Zuge. Ende Januar gehört Paul Hartmann dem bisherigen Großaktionär Eduard Schleicher, der auch nicht von Apax informiert worden war. Zwei der drei Bevorzugten haben ihre Anteile still und leise an ihn verkauft.

Quelle: Schwarzbuch Börse 2008

ProSiebenSat.1: Von den Großaktionären gemolken

ProSiebenSat1  hatte 2008 massiv unter ihren Großaktionären Permira und KKR zu leiden, die das Unternehmen nach allen Regeln der Kunst ausnahmen: Zuerst zwangen sie ProSiebenSat.1, ihnen die Senderkette SBS für 3,3 Milliarden Euro abzukaufen. Dann setzten sie eine Dividendenausschüttung von 270 Millionen Euro durch - trotz extrem angestiegener Verschuldung.

Weil der Konzern wegen der erhöhten Schulden fast das Vierfache an Zinsen zahlen musste, brach der bereinigte Konzernüberschuss ein. Nach mehreren Gewinnwarnungen im Jahresverlauf wurde jegliche Gesamtjahresprognose gestrichen.

Stattdessen hat die Firma unlängst ein radikales Sanierungsprogramm vorgelegt, das den Umzug von Sat.1 von Berlin zu ProSieben nach Unterföhring vorsieht und Randbeteiligungen wie den skandinavischen Pay-TV-Sender C More und die holländische Fernsehzeitschrift Veronica zur Disposition stellt. Auch die Führungsebene wird rigoros umgekrempelt.

Quelle: Schwarzbuch Börse 2008

Thielert: Luftnummer über den Wolken

Frank Thielerts Geschäftsidee - Von Daimler  gelieferte Pkw-Motoren für Kleinflugzeuge umzutrimmen und dabei sowohl einen höheren Wirkungsgrad als auch die wahlweise Nutzung von Kerosin und Diesel zu ermöglichen - klingt gut. Als Vorstandschef war er weniger erfolgreich. Das ist spätestens seit seiner fristlosen Abberufung und der darauf folgenden Insolvenz Ende April 2008 klar. Zwar spricht der Insolvenzverwalter aktuell von guten Angeboten für ein im Kern profitables Unternehmen, die er ohne Zeitdruck prüfen wolle. Der Aktienkurs bleibt dennoch unter einem halben Euro.

Ende 2006 war der SdK eine Strafanzeige zugegangen, in der von Scheinforderungen der Thielert AG  die Rede war. Nachdem der Versuch, die Angelegenheit sachlich mit Thielert selbst zu klären, fehlgeschlagen war, ging die SdK an die Öffentlichkeit. Anfang März 2008 hat das Landgericht Hamburg die Jahresabschlüsse der Thielert AG für fehlerhaft und nichtig erklärt.

Aber erst eine Konfrontation des Unternehmensgründers mit Informationen des Landeskriminalamtes Hamburg zwang dann Ende April wenige Tage vor dem Insolvenzantrag den Aufsichtsrat zu einer fristlosen Kündigung - am Tag zuvor war angeblich "ohne Nachrichten im Markt" der Kurs um 40 Prozent gefallen.

Quelle: Schwarzbuch Börse 2008