Genentech Roche plant feindliche Übernahme

Dem Schweizer Pharmakonzern geht bei der Komplettübernahme von Genentech die Geduld aus. Das Unternehmen unterbreitet den Minderheitsaktionären ein Angebot und umgeht den Vorstand. Auf diese Weise könnte Roche billiger davonkommen als ursprünglich geplant.

Basel - Der Schweizer Pharmakonzern Roche plant eine feindliche Übernahme der restlichen Anteile seiner US-Tochter Genentech. Nachdem das Genentech-Management den Kauf der noch ausstehenden rund 44 Prozent im vergangenen Jahr abgelehnt hatte, will Roche den Minderheitsaktionären jetzt ein - allerdings niedrigeres - Direktangebot unterbreiten. Das kündigte das Pharmaunternehmen am Freitag in Basel an.

Ursprünglich wollte Roche 89 US-Dollar je Aktie zahlen. Künftig sollen es nur noch 86,50 Dollar je Titel sein - nach Ansicht des Unternehmens "ein fairer Preis im derzeit schwierigen wirtschaftlichen Umfeld".

Analysten zeigten sich überrascht über die Kappung der Offerte und befürchteten weitere Verzögerungen der Übernahme. Der Pharmariese besitzt seit 1990 eine Mehrheit an Genentech und verfügt gegenwärtig über 55,8 Prozent. Roche hatte im Juli 2008 angekündigt, die Genentech-Anteile für insgesamt 44 Milliarden US-Dollar (rund 28 Milliarden Euro) übernehmen zu wollen. Dem neuen Angebot zufolge müsste Roche etwa 42 Milliarden Dollar zahlen.

Roche-Verwaltungsratspräsident Franz Humer äußerte sich enttäuscht, dass mit der Genentech-Führungsspitze keine Einigung erzielt worden sei. "Wir sind daher der Ansicht, dass es jetzt angebracht ist, Genentech-Aktionäre direkt darüber entscheiden zu lassen, ob sie unser Angebot annehmen", sagte er einer Unternehmensmitteilung zufolge.

Die Finanzierung der Übernahme steht nach seinen Angaben ungeachtet der Wirtschaftskrise nicht infrage. "Wir sind zuversichtlich, dass die Finanzierung stehen wird, sobald wir sie benötigen", sagte Humer. Dafür sollen eigene Mittel, Geldmarktanleihen, Obligationen und Bankkredite verwendet werden.

manager-magazin.de mit Material von dpa