Autobauer Honda und Toyota bricht das Geschäft weg

Die Absatzkrise trifft die japanischen Autohersteller noch härter als bislang erwartet. Honda meldet einen Gewinneinbruch von 90 Prozent. Toyotas Verlust für das ablaufende Geschäftsjahr fällt laut einem Medienbericht drastisch aus. In Japan geht zunehmend die Angst vor einem Totalabsturz der Wirtschaft um.

Tokio - Das japanische Automobilunternehmen Honda  hat für das vierte Quartal 2008 einen Gewinnrückgang um 90 Prozent gemeldet. Daraufhin wurde die Gewinnerwartung für das gesamte Geschäftsjahr, das noch bis Ende März läuft, mehr als halbiert.

Statt mit 180 Milliarden Yen (1,5 Milliarden Euro) sei nur noch mit 80 Milliarden Yen (680 Millionen Euro) zu rechnen, teilte die Nummer zwei unter den japanischen Autobauern nach Toyota  am Freitag mit. Dies entspricht einem Rückgang um 57 Prozent.

Im abgelaufenen Quartal wurde demnach nur noch ein Gewinn von 20,24 Milliarden Yen erzielt - gegenüber 200 Milliarden Yen im Vergleichszeitraum 2007. Honda hat angesichts des starken Nachfragerückgands infolge der Wirtschaftskrise bereits Stellen abgebaut und die Produktion zurückgefahren.

In Japan bricht angesichts katastrophaler Unternehmenszahlen zunehmend die Angst vor einem Totalabsturz der Wirtschaft aus. Nach jahrelangem Aufschwung stürzt die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt in die schwerste Rezession der Nachkriegszeit. "Japans Wirtschaft fällt über die Klippe", meinte ein Analyst in Tokio.

In Folge der wegbrechenden Auslandsnachfrage drosselten die Industriekonzerne im Dezember nicht nur die Produktion im Vergleich zum Vormonat um 9,6 Prozent - gar um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr - und damit so heftig wie noch nie. Was verheerend hinzukommt, ist, dass die Unternehmen des Landes in noch nie dagewesenem Maße Stellen streichen. Volkswirte in Tokio sprechen von einer völlig "neuen Dimension" der Krise.

Auch Toyota , das japanische Vorzeigeunternehmen schlechthin, kommt immer schwerer in den Strudel. Der Verlust des Honda-Konkurrenzen im laufenden Geschäftsjahr dürfte einem Pressebericht zufolge fast dreimal so hoch ausfallen als von diesem bisher erwartet. Im Ende März zu Ende gehenden Jahr werde das operative Minus wohl 400 Milliarden Yen (3 Milliarden Euro) betragen, berichtete die japanische Tageszeitung "Nikkei" (Freitagausgabe) ohne Quellenangabe.

Ökonomen und Bevölkerung sind schockiert und verängstigt

Toyota selbst hatte zuletzt im Dezember einen Verlust von 150 Milliarden Yen angekündigt, das erste Minus in der Geschichte des Unternehmens. Auch der Umsatzrückgang werde deutlicher ausfallen als die von Toyota angekündigten 18 Prozent auf 21,5 Billionen Yen. Toyota war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Japans Aufschwung der vergangenen Jahre war fast ausschließlich vom Export und Investitionen im Ausland getragen. Doch jetzt bricht die Nachfrage weg, zuerst aus den USA, dann aus China und dem übrigen Asien, für Japan inzwischen der größte Markt. Als Folge sank der Export im Dezember um 35 Prozent - und es dürfte noch schlimmer kommen.

Selbst Unternehmen wie die Autohersteller und Elektronikkonzerne wie Sony  müssen ihre Ertragsprognosen zusammenstreichen und die Produktion drastisch drosseln. Und nun die Massenentlassungen. Die Arbeitslosenquote schoss innerhalb eines Monats von 3,9 Prozent auf 4,4 Prozent hoch und damit so schnell wie seit 42 Jahren nicht mehr.

"Dies drückt die Stimmung unter den Menschen auf beispiellose Weise", erläutert Martin Schulz, Ökonom beim Fujitsu Research Institute in Tokio. Die Ausgaben der privaten Haushalte schrumpften im Dezember um 4,6 Prozent.

All diese Konjunkturdaten sorgten unter den Ökonomen des Landes für Schockreaktionen, denn nun werde die Rezession nicht mehr nur von der sinkenden globalen Nachfrage getrieben, sondern auch von der Arbeitslosigkeit, dem sinkenden Binnenkonsum und dem Rückfall in die Deflation mit dauerhaft sinkenden Preisen. "Es gibt wirklich nichts da draußen, was zu Wachstum führt", sagte Junko Nishioka von RBS Securities der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg in Tokio.

Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht. Dabei liegen gerade im heimischen Markt Japans eigentliche Ressourcen. Das Land verfügt über enormes Kapital, das jedoch verborgen unter Kopfkissen oder auf Bankkonten schlummert. Um diese zu aktivieren, müsste das Land nach Auffassung von Volkswirten umfangreiche Reformen anpacken, was in den vergangenen Jahren verpasst worden ist. Kritiker bemängeln außerdem, dass Japan das Schwergewicht seiner Innovationen und seiner Forschungen noch immer auf die verarbeitende Industrie und die Weltmärkte legt.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa-afx

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