Nach Verlustquartal Boeing streicht 10.000 Stellen

Der US-Flugzeugbauer Boeing reagiert mit dem Abbau von 10.000 Stellen auf das Ende des Booms in der Luftfahrtbranche. Die Streichungen beträfen sechs Prozent der Belegschaft, kündigte Firmenchef Jim McNerney an. Der Verlust im vierten Quartal trifft den Konzern ebenso wie die Pannen beim Hoffnungsträger Dreamliner.

Chicago - In den Kürzungen ist der Abbau von 4500 Arbeitsplätzen in der Verkehrsflugzeugsparte enthalten, den Boeing Anfang des Monats angekündigt hatte. Boeings europäischer Rivale Airbus verzichtet bisher trotz Wirtschaftskrise und eines deutlichen Auftragsrückgangs auf Stellenstreichungen.

Boeing rutschte im vierten Quartal wegen eines zweimonatigen Streiks der Mechaniker und Rückschlägen bei der Entwicklung neuer Modelle außerdem in die roten Zahlen.

Wegen des Tarifstreits lieferte die Firma zwischen Oktober und Dezember etwa 70 Flugzeuge weniger aus als geplant und nahm daher deutlich weniger ein.

Der Umsatz des Unternehmens sank um 27 Prozent auf 12,7 Milliarden Dollar. In diesem Jahr sollen Verkaufszahlen und Gewinn jedoch wieder deutlich anziehen.

56 Millionen Dollar Verlust im vierten Quartal 2008

Im vierten Quartal belief sich der Nettoverlust auf 56 Millionen Dollar nach einem Gewinn von gut einer Milliarde Dollar im Vorjahr. Damit blieb Boeing deutlich hinter den Markterwartungen zurück.

"Die Prognose hätte viel niedriger ausfallen können, wenn sie die Auslieferungszahl deutlich konservativer beurteilt hätten", sagte Analyst Rob Stallard von Macquarie.

Neben dem Tarifkonflikt, der auch schon im dritten Quartal eine tiefe Kerbe in der Bilanz hinterlassen hat, machte Boeing die Verzögerungen seiner neuen Modelle 787 und 747 zu schaffen.

Falsche Nieten und Teile-Puzzle beim Dreamliner

Falsche Nieten beim Hoffnungsträger 787

Falsche Nieten und nicht zusammenpassende Teile von Zulieferern für die 787 nahmen die Ingenieure derart in Beschlag, dass keine Kapazitäten mehr für die Weiterentwicklung des neuen Jumbojets zur Verfügung standen. Auch die Auslieferung der neuen 747 verschob Boeing um einige Monate.

An dem im Dezember zum vierten Mal verschobenen Zeitplan für die 787 hielt Boeing fest. Der auch Dreamliner genannte Jet soll im zweiten Quartal zum ersten Mal abheben und ab Anfang 2010 ausgeliefert werden.

Stornierungen und Strafzahlungen möglich

Je weiter sich das Programm verzögert, desto wahrscheinlicher und größer werden mögliche Strafzahlungen an Kunden. Boeing räumte ein, dass ein Kunde kürzlich seine 787-Order annulliert hat. Wegen der Finanzkrise fürchten sowohl Boeing als auch Airbus die Stornierung von Aufträgen. Zudem wird es für Fluggesellschaften zunehmend schwierig, die neuen Flugzeuge zu finanzieren. Boeing geht daher davon aus, seinen Kunden zu Beginn des Jahres helfen zu müssen.

Dieses Jahr will Boeing 480 bis 485 Flugzeuge ausliefern nach 375 im vergangenen Jahr. Dabei erwartet der Konzern einen Umsatz zwischen 68 und 69 Milliarden Dollar und einen Gewinn je Aktie zwischen 5,05 bis 5,35 Dollar. Auch damit liegt der US-Konzern unter den Schätzungen von Analysten.

2008 ging der Umsatz um acht Prozent auf 60,9 Milliarden Dollar zurück, das Nettoergebnis fiel binnen Jahresfrist mit 2,7 Milliarden Dollar um 34 Prozent geringer aus.

Bei den Auslieferungen fiel Boeing zuletzt merklich hinter seinen Rivalen Airbus aus dem EADS-Konzern zurück. Auch bei den Neubestellungen schnitten die Amerikaner (662) deutlich schlechter ab als Airbus (777).

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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