Kaufverhalten Hohe Ausgaben, große Sorgen

Trotz Finanz- und Konjunkturkrise hat die Anschaffungsneigung der Deutschen im Januar deutlich zugelegt. Sinkende Preise für Sprit und Strom machen es möglich. Dennoch kocht die Kaufneigung der Bundesbürger nicht über: Zu viele Deutsche haben Angst um ihren Arbeitsplatz in der Wirtschaftskrise.

Nürnberg - Die Deutschen machen sich wegen der Wirtschaftskrise zunehmend finanzielle Sorgen. Im Januar schätzten sie ihre Einkommensaussichten so negativ ein wie seit fast sechs Jahren nicht mehr, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Mittwoch zu ihrer Umfrage unter 2000 Verbrauchern mitteilte. "Durch die anhaltend schlechten Nachrichten aus der Wirtschaft sehen sich die Konsumenten zunehmend persönlich betroffen", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl.

Meldungen über Kurzarbeit, Zwangsurlaub und drohende Entlassungen verstärkten bei den Beschäftigten die Angst vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes. Trotz der düsteren Einkommensaussichten blieb das Konsumklima aber stabil. Für Februar berechnete die GfK einen unveränderten Wert ihres Konsumbarometers von 2,2 Punkten. Zwar bewerteten die Befragten die wirtschaftlichen Aussichten - trotz des 50 Milliarden Euro schweren Konjunkturpakets der Bundesregierung so negativ wie noch nie. Gleichzeitig wollen sie aber wieder mehr Geld für größere Anschaffungen locker machen.

"Der wesentliche Grund für die spürbare Besserung der Konsumneigung liegt im nachlassenden Preisdruck der vergangenen Monate", sagte Bürkl. Dadurch kletterte das Barometer für die Konsumneigung um 22 auf 15,5 Punkte und liegt damit erstmals seit August 2007 wieder im positiven Bereich. Spielraum für höhere Ausgaben schafft vor allem der kräftige Preisrutsch bei Benzin, Diesel und Heizöl.

"Deutlich geringere Energiekosten schonen zum einen die Budgets der privaten Haushalte und sorgen zudem generell für eine bessere Stimmung", sagte Bürkl. "Sie wirken somit wie ein Konjunkturprogramm, das ohne zusätzliche Neuverschuldung auskommt." Zugleich dürfte auf viele Arbeitnehmer ein zusätzlicher Geldsegen aus der Erstattung der Pendlerpauschale warten.

"Die Konsumenten sind hin- und hergerissen: Entlastungen durch Steuer- und Abgabensenkungen steht die Angst vor steigender Arbeitslosigkeit gegenüber", sagte Unicredit-Experte Andreas Rees zum neuen deutschen Kauftrend.

"Die privaten Haushalte bleiben wegen der düsteren Aussichten für den Arbeitsmarkt prinzipiell skeptisch. Die Steuer- und Abgabensenkungen der Bundesregierung und sinkende Energiepreise stimulieren aber gleichzeitig die Kaufbereitschaft. Der private Konsum dürfte vergleichsweise stabil bleiben. Das ist in diesem schlechten Umfeld positiv zu werten", kommentierte SEB-Volkswirt Klaus Schrüfer die neuesten Konsumdaten des Marktforschers GfK für die Bundesrepublik.

manager-magazin.de mit Material von ap, ddp und reuters

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.