BHW Konzernbilanz aufpoliert

Der Baufinanzierer hat 1999 deutlich mehr Kunden gewinnen können. Der Konzerngewinn stieg im Vergleich zum Vorjahr jedoch nicht. Für 2000 erwartet der Konzern weiteres Wachstum, allerdings nicht im Bauspargeschäft.

Hameln - Der Reingewinn für 1999 werde nicht wachsen. Der Spitzenwert des Vorjahres von 330 Millionen Mark werde lediglich wieder erreicht, so der Baufinanzierer. Gründe seien niedrige Zinsen, hohe Provisionsaufwendungen für das Neugeschäft und Investitionen für den Ausbau des Vertriebes sowie neuer Geschäftsfelder wie die Vorsorge per Aktienfonds.

Konzernbilanz kletterte um 26 Prozent

Im vergangenen Geschäftsjahr stieg die Konzernbilanzsumme damit auf 168 Milliarden Mark. Die BHW-Verkäufer warben vor allem beim Bausparen erfolgreich: Sie konnten 15,3 Prozent (560.000) neue Bausparverträge mehr als 1998 abschliessen. Diese Neuverträge hatten einen Wert von 23,4 Milliarden Mark. Das beantragte Volumen betrug knapp 27 Milliarden Mark, was laut Wagner in 2000 auf etwa 25 Milliarden Mark zurückgehen dürfte.

Der Konzern sieht sich bestätigt, zügelt aber zu hohe Erwartungen. Der Erfolg der Strategie "Wachstum aus eigener Kraft" habe sich 1999 erneut gezeigt, sagte Wagner. BHW wuchs stärker als die Konkurrenz und gewann zum dritten Mal in Folge Marktanteile. Auch für 2000 erwartet BHW weiteres Wachstum, allerdings nicht im Bauspargeschäft. Hier sei 1999 mit der Einführung eines neuen BHW-Produktes ein "Ausnahme-Jahr" gewesen, sagte Wagner.

Ein Rekordergebnis erzielte BHW auch bei Lebensversicherungen: Beim Neugeschäft brachten die BHW-Verkäufer zwölf Prozent mehr Verträge zur Unterzeichnung als im Vorjahr. Die Summe stieg auf 5,8 Milliarden Mark.

Alleine voran, aber für Kooperationen weiterhin offen

Der Baufinanzierer hat seine Pläne für eine Übernahme aufgegeben. Er will nach einem überaus erfolgreichen Jahr 1999 sich auch künftig aus eigener Kraft am Markt behaupten. Das teilte Vorstandschef Reinhard Wagner am Mittwoch mit. Auf Grund der erfolgreichen Investitionen in den Vertrieb und den Aktienrückkauf gebe es jetzt "keine weiteren Überlegungen zum Thema Akquisitionen." Der Anteil der zurückgekauften Aktien bezifferte Wagner auf "unter fünf Prozent." Für Kooperationen oder Partnerschaften, vor allem mit Versicherungen im Vertrieb von Bausparverträgen, bleibe BHW offen.

Auslandsgeschäft durchwachsen

Im Ausland legte BHW vor allem in Tschechien zu mit inzwischen 142.000 Verträgen und einer Bausparsumme von 1,2 Milliarden Mark. Dagegen wird BHW sich aus Polen - wie andere Bausparkassen auch - vorerst ganz zurückziehen. Grund ist die nach wie vor unklare Gesetzeslage.

Vertrieb soll ins Internet verlagert werden

Trotz eines Personalabbaus in Folge der Automatisierung von Abrechnungen wuchs die Beschäftigtenzahl mit der Einrichtung eines Call-Centers um rund 120 Stellen auf gut 5 200 ohne den Vertrieb. Dessen Ausbau auf inzwischen 3 500 hauptberufliche Verkäufer wird kontinuierlich auf 4 000 bis 2002 fortgeführt. Daneben baut BHW den Vertrieb von Bausparverträgen und anderen Leistungen per Internet auf. Mittelfristig sei zu erwarten, dass zehn bis 20 Prozent der Geschäfte über das Internet abgewickelt werden, sagte Wagner. "Deshalb wollen wir von Anfang an dabei sein."