Rote Zahlen Staat hilft ING Bank mit Milliarden

Hohe Abschreibungen auf toxische Wertpapiere haben den niederländischen Finanzkonzern ING tief in die roten Zahlen gerissen. Der Chef tritt zurück, die Bank streicht 7000 Stellen. Der Staat weitet seine Hilfe aus. Investoren fürchten, dass weitere europäische Banken hohe Verluste melden.

Amsterdam - Der niederländische Finanzkonzern ING  ist wegen der anhaltenden Finanzkrise im vergangenen Jahr in die roten Zahlen gerutscht und erhält nun staatliche Hilfe. Nach einem Verlust von 3,3 Milliarden Euro im vierten Quartal habe für das Gesamtjahr unter dem Strich ein Minus von 400 Millionen Euro gestanden, teilte der Konzern am Montag in Amsterdam nach vorläufigen Berechnungen mit. Sowohl die Banksparte als auch der Versicherungsbereich verbuchten im Schlussquartal wegen hoher Abschreibungen auf toxische Wertpapiere Milliardenverluste.

ING reagiert auf die Milliardenverluste mit einem drastischen Sparprogramm und der Inanspruchnahme staatlicher Hilfe. Insgesamt sollen die laufenden Kosten in diesem Jahr um eine Milliarde Euro gekürzt werden, ab 2010 sollen jährlich 1,1 Milliarden Euro gespart werden. Gut ein Drittel der Sparmaßnahmen solle über einen Stellenabbau erfolgen: In diesem Jahr würden insgesamt 7000 Vollzeitstellen gestrichen.

Um die künftigen Risiken zu reduzieren, seien mit dem niederländischen Staat Bürgschaften für 80 Prozent der nicht mehr handelbaren Wertpapiere vereinbart worden. Die Regierung übernehme für diesen Teil des 27,7 Milliarden Euro schweren Portfolios das volle Risiko. Damit werde der Staat auch zu 80 Prozent an den Ergebnissen des Portfolios beteiligt. Von der Bürgschaft verspricht sich ING einen deutlichen Schub für ihre Kapitaldecke, zudem würden die Risikopapiere deutlich reduziert.

Investoren befürchten nun, dass weitere Banken tiefrote Zahlen aus dem vierten Quartal melden. Die britische Großbank Barclays  kündigte an, ihrer Zahlenvorlage vorzuziehen. Insgesamt sei das Unternehmen gut finanziert und profitabel, hieß es am Montag in einem offenen Brief an die Aktionäre. Das Unternehmen habe Kapitalreserven von 36 Milliarden Pfund (rund 37,9 Milliarden Euro). Da die Aktionäre aber so schnell wie möglich detaillierte Zahlen sehen wollten, würden diese nun am 9. Februar veröffentlicht. Bislang war die Veröffentlichung für den 17. Februar vorgesehen.

Bereits vor einer Woche hatte die Bank angekündigt, der Gewinn vor Steuern werde deutlich über den Konsensschätzungen von 5,3 Milliarden Pfund liegen. In dem Brief an die Aktionäre war von einem 'erheblichen' Vorsteuergewinn die Rede. Abschreibungen in Höhe von acht Milliarden Pfund würden durch Rekordeinnahmen ausgeglichen, hieß es nun. Die Kernkapitalquote soll bei etwa 9,5 Prozent liegen. Insgesamt habe die Bank einen guten Start in das Jahr 2009 gehabt.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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