Freitag, 15. November 2019

IWF-Prognose Wirtschaft schrumpft um 2,5 Prozent

Deutschland steht nach Schätzung des Internationalen Währungsfonds vor einem lang anhaltenden Abschwung. Für dieses Jahr sagen die Washingtoner Experten ein Minus von 2,5 Prozent voraus und sind damit etwas pessimistischer als die Bundesregierung.

Berlin - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Konjunkturprognose für Deutschland abermals gesenkt und ist noch pessimistischer als die Bundesregierung. Die Wirtschaftsleistung werde 2009 um 2,5 Prozent schrumpfen, teilte der IWF am Donnerstag in seinem aktuellen Länderbericht zu Deutschland mit. Im kommenden Jahr dürfte es dann wieder ein minimales Wachstum von 0,1 Prozent geben.

"Wegen des scharfen Einbruchs im Welthandel und der anhaltend schwachen Binnennachfrage steht Deutschland vor einem beträchtlichen Wirtschaftsabschwung." Es bestehe das Risiko, dass die Probleme bei Unternehmen und im Finanzsektor stärker ineinandergriffen. Der Währungsfonds rechnet mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 8,5 Prozent in diesem und 9,1 Prozent im kommenden Jahr als Folge der Krise.

"Eine rapide Erholung wird es nicht geben", sagte der Deutschland-Experte des IWF, Ashoka Mody. Es werde nur schrittweise wieder bergauf gehen, da die globale Nachfrage nach Investitionsgütern voraussichtlich erst allmählich zurückkehre. Auch sei zu erwarten, dass das Wachstum des deutschen Konsums vorerst verhalten ausfalle. "Die deutschen Verbraucher werde einige Zeit benötigen, um einen solchen Schock zu verarbeiten", sagte Mody.

Der IWF begrüßte die Konjunkturpakete der Regierung und bezeichnete die fundamentale Lage der Wirtschaft als robust. Nach den Worten von IWF-Experte Mody hätten die deutschen Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur auch umfangreicher ausfallen können. "Etwas größeres wäre zu rechtfertigen und wünschenswert gewesen", sagte er. Mit dem angepeilten zweiten Konjunkturpaket unternehme Deutschland jedoch Schritte, die vergleichbar seien mit dem, was andere Länder in die Wege geleitet hätten.

Die Fonds-Experten plädierten dafür, Deutschland solle eine Führungsrolle spielen im internationalen Kampf gegen die Rezession. Die Finanzkrise habe die Verwundbarkeit des deutschen Finanzsystems offenbart. Deshalb sei der Bankenrettungsschirm zu begrüßen. Der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) solle zudem seinen Einfluss stärker nutzen. Im Bericht hieß es weiter, die IWF-Spitze plädiere für eine "proaktive Restrukturierung" und Verringerung der Landesbanken. Die Institute seien eine "Bedrohung für die Finanzstabilität".

Die Bundesregierung erwartet einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von rund 2,25 Prozent, setzt aber in der zweiten Jahreshälfte auf ein Anziehen der Konjunktur. Im April 2008 hatte der Fonds für Deutschland noch ein Wachstum von 1 Prozent in diesem Jahr veranschlagt. Im Zuge der sich verschärfenden Finanzkrise kappte der IWF seine Prognose aber mehrmals.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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