Sonntag, 20. Oktober 2019

Staatsschulden Zerreißt die Finanzkrise Europa?

Die Folgen der Finanzkrise belasten die Etats vieler Länder in Europa enorm. Gleichzeitig verlangen Investoren immer höhere Risikoaufschläge, wenn sie Staaten wie Spanien oder Irland Geld leihen. Letztes Mittel gegen den Staatsbankrott könnte die Rückkehr zur eigenen Währung sein. Experten bevorzugen aber andere Lösungen.

Hamburg - Schert demnächst ein Land aus der Euro-Zone aus? Wann beschließt erstmals eine Regierung, dass die Rückkehr zur alten, eigenen Währung mehr Möglichkeiten bietet im Kampf gegen die Notlage der Staatsfinanzen, als der Verbleib im Währungsverbund? Solche Fragen werden am Kapitalmarkt zurzeit ernsthaft diskutiert.

Der Hintergrund ist, dass die Staatsfinanzen einiger Länder nicht zuletzt aufgrund der Finanzkrise zunehmend aus dem Ruder laufen. Viele EU-Länder stemmen sich mit milliardenschweren Konjunkturprogrammen gegen die Krise. Allein Deutschland mobilisiert rund 80 Milliarden Euro für Steuererleichterungen und öffentliche Investitionen. Gemeinsam wollen die EU-Länder die Wirtschaft bisher mit 200 Milliarden Euro stützen.

Aber woher soll das Geld kommen? Die Antwort ist klar: Der Kampf gegen die Finanzkrise und die Rezession führt zu einem enormen Anstieg der Staatsverschuldung. Für die Euro-Zone rechnet die EU-Kommission in diesem Jahr mit einer Verdoppelung der Defizitquote auf rund 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Deutschland wird die Verschuldungsgrenze des Maastrichter Stabilitätspakts von 3 Prozent des BIP mit einer Neuverschuldung von 2,9 Prozent 2009 zwar noch einhalten. 2010 liegt die Prognose aber schon bei 4,2 Prozent.

Noch drastischer ist die Lage im Ausland: Unter den großen Euro-Ländern haben Frankreich und Spanien bereits 2008 die Drei-Prozent-Grenze gerissen. In diesem und im nächsten Jahr werden 5 und 6 Prozent erwartet. Unter den Euro-Ländern am düstersten sieht es in Irland aus. Dort wird bei einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um 5 Prozent dieses Jahr mit einem Defizit von 11 Prozent gerechnet.

Das Problem: Parallel zur steigenden Verschuldung fällt es vielen Ländern zunehmend schwer, sich am Anleihemarkt zu refinanzieren. Denn die Spreads, die Risikoaufschläge also, die die Staaten ihren Investoren zahlen müssen, steigen schon seit einiger Zeit.

Beispiel Frankreich: Für eine zehnjährige Staatsanleihe muss Finanzministerin Christine Lagarde ihren Investoren derzeit einen Zins von mehr als 3,5 Prozent pro Jahr bieten. Peer Steinbrück, Chef des deutschen Finanzressorts, der als europaweit solidester Schuldner die Benchmark setzt, zahlt für dieses Papier derzeit lediglich rund 3 Prozent. Innerhalb von nur einem Jahr ist der Spread der französischen Papiere gegenüber den deutschen damit nach Angaben der Commerzbank Börsen-Chart zeigen von etwa 0,1 Prozentpunkten auf mehr als 0,5 Prozentpunkte gestiegen.

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