Finanzkrise Briten erwägen Bankenversicherung

Neue Nothilfe für die angeschlagenen Banken in Großbritannien: Die Regierung will die taumelnden Bankenriesen offenbar gegen die Risiken fauler Kredite versichern und den Steuerzahler dafür bürgen lassen. Die staatliche Versicherung solle den Banken als Sicherheitsnetz dienen und das blockierte Kreditgeschäft wieder ankurbeln.

London - Eine Versicherung auf Staatskosten sei weniger kompliziert als die Schaffung einer staatlichen "Bad Bank", in der vergifteten Anlagen gebündelt würden, berichteten britische Zeitungen unter Berufung auf Regierungskreise. Die Pläne würden die Banken zwingen, reinen Tisch zu machen und sämtliche noch geheimen Belastungen offenzulegen.

Demnach sollen die Banken ihre faulen Kredite und Ramschpapiere jetzt aufdecken und gegen eine Gebühr gegen Zahlungsausfälle und Verluste absichern. Das Projekt solle schon in den nächsten Tagen verkündet werden Möglich sei auch, dass die Regierung die bereits verstaatlichte Bank Northern Rock  zu einer "Good Bank" machen werde, die der Wirtschaft oder Hausbesitzern, die ihre Hypotheken nicht mehr zahlen können, Kredite gewähren könnte.

Premierminister Gordon Brown forderte die Banken auf, reinen Wein über das Ausmaß ihrer faulen Kredite einzuschenken. Zugleich warnte er in der "Financial Times" vor einer finanzpolitischen Isolation, bei der sich die Banken auf ihre Heimatmärkte zurückziehen.

Das Volumen "toxischer Kredite" in den Büchern der britischen Banken wird auf 200 Milliarden Pfund geschätzt, das sind umgerechnet 220 Milliarden Euro. Diese Lasten gelten als Grund dafür, dass die Banken nur noch zögerlich Kredite vergeben, wodurch Unternehmen das Geld ausgeht und ein weiterer Stellenabbau droht. Als Grund für das neue Hilfsprojekt gilt auch die Sorge, dass die Banken in den kommenden Wochen bei der Präsentation ihrer Geschäftszahlen hohe Verluste offenbaren müssen.

Mit einem ungewöhnlichen Schritt versuchte die Großbank Barclays  ihre verunsicherten Anleger zu beruhigen. Nach einem drastischen Kurseinbruch gewährte die Bank einen vorgezogenen Einblick in ihre Bilanzen und stufte ihren Gewinn vor Steuern für 2008 über den von Analysten vorhergesagten Wert von 5,3 Milliarden Pfund ein. Für den Einbruch der Papiere auf dem Londoner Börsenparkett gebe es keine Rechtfertigung, hieß es in der Stellungnahme des Bankenvorstands. Mit der Kredit-Versicherung will die Regierung den Berichten zufolge wieder Vertrauen herstellen, indem eine Grenze für die Verluste der Banken gezogen wird.

Unklarheiten gebe es noch über die Bewertung der faulen Kredite und die Auswirkungen des Projekts auf die internationale Bankenwelt.

Im Oktober hatte die Regierung ein erstes großes Hilfspaket im Volumen von 500 Milliarden Pfund für die Banken aufgelegt. Neben Garantien für Leihgeschäfte und frischem Geld der Notenbank für den Finanzkreislauf konnten sich die Banken im Tausch gegen Aktien auch mit direkten Finanzspritzen vom Steuerzahler versorgen. Bisher nahmen die Royal Bank of Scotland (RBS) , die Halifax Bank of Scotland und Lloyds TSB  davon insgesamt 37 Milliarden Pfund in Anspruch. Die beiden anderen Großbanken HSBC  und Barclays  verzichteten bislang auf direkte staatliche Finanzspritzen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx