Dax-Ausblick Kraftlos und haltlos

Deutschlands Anleger müssen sich auf Verluste ihre Aktieninvestments gefasst machen. Die Geschäftsaussichten vieler Dax-Unternehmen sinken, die Gewinne ebenso - denn die Milliardengeschenke der Steuerzahler kommen bei den Gesellschaften noch nicht an. Unter dem Strich zahlen Investoren in der kommenden Woche doppelt, orakeln Experten.

Frankfurt am Main - Was mag da nur auf uns zukommen? Selten, so hat man den Eindruck, fürchteten sich Unternehmensexperten so vor den neuesten Geschäftszahlen großer internationaler Konzerne wie derzeit. Und davon wird es in der kommenden Woche eine ganze Reihe geben: "Es wird jeden Tag Neuigkeiten und damit jeden Tag Bewegung geben", sagt Herbert Perus, Leiter des Aktienteams bei Raiffeisen Capital Management in Wien - doch nicht unbedingt in der erhofften Richtung.

"Revisionen und schwache Ergebnisse werden auf der Tagesordnung stehen", warnt Raiffeisen-Capital-Analyst Johannes Mattner. Und damit steigt die Gefahr sinkender Aktienkurse. Nicht wenige Händler an der Frankfurter Wertpapierbörse rechnen damit, dass der deutsche Aktienleitindex in der kommenden Woche bis auf 4000 Indexpunkte zurückfallen könnte. Derzeit weist das Börsenbarometer einen Stand von rund 4365 Zählern auf.

"Die kurzfristige Erholung an den Aktienmärkten um den Jahreswechsel herum hat sich erwartungsgemäß als Strohfeuer erwiesen", sagt WestLB-Analyst Martin Gilles. "Der Druck auf die Unternehmen ist zu groß. Wir rechnen deshalb damit, dass die Gewinnerwartungen der europäischen sinken: für Zykliker mindestens um 30 Prozent, bei Titeln defensiv aufgestellter Unternehmen erwarten wir gut 8 Prozent schlechtere Vorhersagen als zuletzt."

Grund für die schwache Wirtschaftsentwicklung vieler Unternehmen ist jene Krise, die einst in Amerika begann und nun praktisch die gesamte Welt in einen Abwärtssog gezogen hat. "Doch jetzt fallen auch Staaten wie etwa Deutschland deutlich zurück, die stark exportgetrieben sind. Es hat sich eine Abwärtsspirale gebildet", sagt Deutsche-Bank-Experte Greg Poole. Weder die rasant gesenkten Leitzinsen noch die Milliardengeschenke der Steuerzahler zugunsten vieler Unternehmen würden die Gesellschaften vor der zweiten Jahreshälfte wieder nach vorne bringen.

Erste Wirkungen auf die Aktienkurse erwarten Anlageexperten von den neuesten Geschäftszahlen, die Amerikas Topunternehmen schon Anfang kommender Woche veröffentlichen werden. Am Dienstag wird in Übersee nicht nur Barack Obama als neuer Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt, im Tagesverlauf öffnet auch Johnson & Johnson  seine Bücher. Und am Abend nach Handelsschluss soll IBM  folgen.

Für Mittwoch steht die Zwischenbilanz von General Motors  auf der Agenda; Apple  und United Technologies folgen nach Handelsschluss. Advanced Micro Devices (AMD) , Google , Microsoft  und Texas Instruments  berichten dann am kommenden Donnerstag über ihre Geschäftsentwicklung - und es wird auch erste Neuigkeiten von europäischen Schwergewichten geben: Nokia  und Fiat  werden sich mit ihren jüngsten Zwischenbilanzen an die Aktienmärkte wenden.

"Und dann dürfte selbst ein Hauch von Ausblick genau unter die Lupe genommen werden", sagt UBS-Analyst Gareth Jenkins.

Konjunkturpaket II: Wie wir entlastet werden

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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