Kommentar Aufputsch-Mittel

Nach der Ehe zwischen Glaxo Wellcome und Smith Kline Beecham steigt das Fusionsfieber in der Pharma-Branche. Wann folgt Bayer? fragt Winfried Wilhelm, stellvertretender Chefredakteur von manager magazin.

Hamburg - Ende gut - alles gut? Nun finden Glaxo Wellcome und SmithKline Beecham doch noch zueinander. Schon einmal, Anfang 1998, hatten die beiden britischen Pharma-Konzerne das Aufgebot bestellt. Doch in letzter Minute war die Verlobungsfeier geplatzt. Gescheitert an der starren Haltung zweier eigenwilliger Chefs.

Smith-Kline-Primus Jan Leshly, ein ehemaliger dänischer Tennisprofi, und Sir Richard Sykes, Chief Executive Officer von Glaxo Wellcome, konnten sich über die Besetzung des Vorstandes nicht einigen.

Erst als fest stand, daß Exzentriker Leshly in Pension geht und auch Sykes sich aus dem operativen Geschäft zurückzieht, war der Weg für die Traumhochzeit frei.

Doch die Briten hatten auch sachliche Gründe, wieder anzubandeln. Vor allem Glaxo, lange Zeit die Perle der englischen Industrie, erlitt im vergangenen Jahr einen Schwächeanfall. Erstmals in der Firmengeschichte mußte Sykes eine Gewinnwarnung herausgeben. Hinzu kam die sintflutartige Fusionswelle in der Branche: Seit Anfang 1998 gab rund die Hälfe der 25 führenden Pharmakonzerne Fusionen bekannt. Selbst Pfizer, das beste Unternehmen seiner Zunft und bisher ein überzeugter Einzelgänger, steuert mit Werner Lambert die Ehe an. In dieser Phalanx internationaler Pillengiganten wären Glaxo und Smith Kline weiter zurückgefallen.

Nun sind sie die Größten, gemessen am Börsenwert, an den Forschungskosten, am Umsatz und Weltmarktanteil. Daß die meisten Megafusionen floppen, daß die Marktanteile vieler kombinierter Unternehmen wie Novartis oder Pharmacia & Upjohn allesamt gesunken sind, verschweigen Analysten und Investmentbanker.

Im Gegenteil, sie jubeln und haben bereits den nächsten Kandidaten im Visier: die Bayer AG. Für die Finanzmärkte ist es offenbar nur noch eine Frage der Zeit, wann sich Bayer mit der Fusionitis infiziert.

Winfried Wilhelm