Weyrauch Der Steuerberater und seine Anderkonten

Ohne das Wissen und die finanztechnischen Finessen eines Steuerexperten wie Horst Weyrauch hätte Kohl sein Geldsystem der Schwarzen Kassen nicht organisieren können.

Der langjährige CDU-Steuerberater und Kohl-Vertraute wurde in der jetzigen Parteispendenaffäre zunächst quasi als Kofferträger bekannt: Er nahm am 26. August 1991 in der Schweiz im Beisein des damaligen CDU-Bundesschatzmeisters Walther Leisler Kiep vom Waffenhändler Karlheinz Schreiber den inzwischen legendären Aktenkoffer mit einer Million Mark in bar entgegen.

Für die CDU Hessen ist Weyrauch mehrfach in die Schweiz gereist. Ein Grund sind die sieben bis neun Millionen Mark, die die Landes-CDU 1983 dorthin transferierte. In Absprache mit dem früheren hessischen Schatzmeister Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein legte Weyrauch das Geld bei der Schweizer Bankgesellschaft an.

Die Hessen-CDU kündigte am 29. November an, die Zusammenarbeit mit dem 67-Jährigen Anfang 2000 zu beenden. Die Bundes-CDU beschloss am 22. November, sich zu Beginn des Jahres von der Kanzlei Weyrauch und Kapp GmbH zu trennen, die über 28 Jahre die Finanzen der CDU geprüft hat. Führende CDU- Mitarbeiter erhielten ihr Gehalt auch von der Kanzlei überwiesen. Ob diese auch andere CDU-Landesverbände betreut hat, ist nicht bekannt.

Weyrauch ist ein alter Bekannter von Kohl und Kiep: Laut "Süddeutscher Zeitung" lernten sich Weyrauch und Kiep bereits Mitte der 60er Jahre kennen. Als Kiep 1971 Bundesschatzmeister der CDU wurde, habe er Weyrauch als Berater angeheuert. Dem "Spiegel" zufolge ist Weyrauch ein Duz-Freund Kohls aus Studientagen.

Weyrauch habe sich 1977 selbstständig gemacht und in Frankfurt/Main seine Kanzlei gegründet, die er 1982 in die Weyrauch und Kapp GmbH einbrachte. Er habe auch parteinahe Firmen gegründet und liquidiert sowie Kohl vor Gegnern und Abtrünnigen gewarnt, hieß es.

Der Hüter des Kohlschen Anderkontensystems, das neben dem offiziellen Finanzwesen der Partei lief, hat Erfahrung mit CDU- Spendenaffären. Als die erste Parteispendenaffäre anlief, forderte Weyrauch nach Kenntnis der "Süddeutschen Zeitung" das Düsseldorfer Finanzministerium schriftlich auf, die Behörden sollten die aufgedeckten Steuerhinterziehungen vorläufig nicht verfolgen.

Zunächst sollten die Firmen, die Steuern am Fiskus vorbeigeschleust haben, unter seiner "Mitwirkung und Kontrolle" benachrichtigt werden, hieß es. Anklagebehörde in dem Parteispendenprozess gegen Kiep und seinen Generalbevollmächtigten Uwe Lüthje 1990/91 war die Staatsanwaltschaft Düsseldorf.

Die von Weyrauch verwalteten Anderkonten bildeten nach CDU-Angaben ein geschlossenes System. Es gab ein so genanntes Poolkonto, aus dem die übrigen Anderkonten gespeist wurden. Die Einzahlungen erfolgten bar.

Im Zuge einer Aufklärung der Schwarzen Kassen wurden Unterlagen der Kanzlei an die neue CDU-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young übergeben. Darin fehlen Belege zu dem Poolkonto für die Zeit von 1994 bis 1996. Hierzu erklärte die Kanzlei Weyrauch laut CDU, die Unterlagen seien bei einem Umzug des Büros verloren gegangen. Der Name Weyrauch steht auch auf der Liste der Zeugen, die SPD und Grüne im Untersuchungsausschuss des Bundestages hören wollen.