Glaxo/SmithKline Fusion setzt Branche unter Zugzwang

Die beiden britischen Pharmakonzerne haben am Montag ihren Zusammenschluss zum größten Arzneimittelhersteller der Welt bestätigt.

London - Die beiden britischen Konzerne Glaxo Wellcome und SmithKline Beecham fusionieren. Das neue Unternehmen wird vor dem Hoechst-Rhône-Poulenc-Zusammenschluss Aventis Weltmarktführer im Pharmabereich sein. Der Merger kombiniert die Marktführerschaft von Glaxo im Bereich der Aids- und Asthma-Therapie mit der guten Marktposition von SmithKline bei Impfstoffen und Antibiotika.

Die beiden Konzerne sprachen in einer Mitteilung vom Montagmorgen in London von einem "Zusammenschluss der Gleichen". Die neue Gruppe namens Glaxo SmithKline wird einen Marktwert Wert von 114 Milliarden Pfund (rund 360 Milliarden Mark) haben und eine der größten Aktiengesellschaften Europas sein.

Nach den Angaben werden die Glaxo-Aktionäre 58,75 Prozent der Anteile der neuen Gesellschaft halten. Das neue Unternehmen wird seine Zentrale in London haben, die operationelle Basis soll jedoch in den USA liegen. Glaxo SmithKline wird einen Umsatz von etwa 15 Milliarden Pfund haben und jährlich 2,4 Milliarden Pfund für Forschung und Entwicklung ausgeben. Der Weltmarktanteil von Glaxo SmithKline im Pharmabereich werde bei 7,3 Prozent liegen. Der bisherige Chef von SmithKline Beecham, Jean-Pierre Garnier, wird Chef der neuen Gesellschaft.

Glaxo SmithKline beschäftigt derzeit 107.000 Menschen. Das Unternehmen bezeichnete am Montag den Verlust von Arbeitsplätzen als "unvermeidbar", wollte jedoch keine Angaben über mögliche Zahlen machen.

Beide Unternehmen hatten vor zwei Jahren schon einmal über eine Fusion verhandelt, die Gespräche jedoch nach Streitigkeiten über Führungspositionen abgebrochen. Der Druck eines Zusammenschlusses wurde in den vergangenen Monaten grösser, nachdem die wichtigen Konkurrenten American Home Products (AHP), Pfizer und Warner-Lambert ebenfalls über Fusionen verhandeln. Die britischen Pharmariesen könnten nun nach einer Fusion Kosten sparen und Marketingbudgets zusammenlegen.

Analysten erwarten, dass die Glaxo SmithKline-Fusion den Konzentrationsprozess in der Pharmabranche weiter beschleunigen wird. In den Blickpunkt rückt dabei auch der Bayer-Konzern, dessen Aktien am Montagmorgen die Gewinnerliste im Dax anführten. Händler führten den rund fünfprozentigen Gewinn der Bayer-Aktien auf die Fusionsnachricht aus Großbritannien zurück. Je länger Bayer nicht bekannt gebe, ob das Unternehmen Zukäufe plant, desto mehr gerate es selbst ins "Fadenkreuz" anderer übernahmewilliger Firmen, sagte ein Händler in Frankfurt. "Irgend etwas muss da jetzt passieren, es kann nicht sein, dass man wartet, bis Honig vom Himmel fließt", erklärte ein Börsianer.

Bayer habe durch den Börsengang seiner Tochter Agfa im vergangenen Jahr mehr als sechs Milliarden Mark eingenommen und zögere trotzdem. Da die Auswahl der übernahmereifen Unternehmen in der Pharmabranche immer kleiner werde, werde Bayer automatisch immer attraktiver als Fusionsziel, hieß es.