Fondsmanager-Kolumne Nachhaltigkeit als Schlüssel zum Erfolg

Nach dem starken Kursverfall sind wieder Schnäppchenjäger unterwegs. Doch stark gefallene Kurse allein sind kein Kaufargument, meint Fondsmanager Andre Köttner von Union Investment. Wichtiger als die Bewertung sind Bilanzstruktur und Verschuldung: Es gilt Unternehmen zu finden, die sich auch in der Krise bewähren.
Von Andre Köttner

Die aktuelle Börsenlage ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Die Konjunkturindikatoren deuten auf eine ungebremste Talfahrt der weltweiten Wirtschaft hin und noch vermag niemand genau zu sagen, wann die Rezession ein Ende finden wird.

Als Fondsmanager besteht die Herausforderung für mich darin, auch in solch einer Situation Aktien von Unternehmen zu finden, die durch stabile Erträge überzeugen. Die Bewertung spielt dabei nicht die entscheidende Rolle.

Viele Aktien erscheinen auf Grundlage der bestehenden Schätzungen zwar günstig, doch die Gewinnprognosen für die kommenden Jahre halte ich immer noch für zu hoch. Viele Anleger blicken daher mit Sorge auf die Berichtssaison, die jetzt in den USA begonnen hat: Viele Unternehmen dürften nicht nur mit ihren Ergebnissen für das vierte Quartal, sondern auch mit ihren Ausblicken für das laufende Jahr enttäuschen. Hier besteht also weiterer Korrekturbedarf, so dass Bewertungsargumente alleine nicht ausschlaggebend sind.

Geschäftsmodelle wichtiger als Bewertung

Entscheidend ist vielmehr die Frage: Welche Geschäftsmodelle bewähren sich auch in der Krise? Ich schaue mir genau an, wie die Unternehmen aufgestellt sind. Ein ganz wichtiger Punkt ist dabei die Kundenstruktur, denn Firmen mit einem breiten Kundenstamm sind derzeit eindeutig im Vorteil gegenüber solchen, die von wenigen Abnehmern abhängig sind.

Große Bedeutung messe ich auch der Bilanzstruktur bei. Die Kreditvergabe ist bereits deutlich eingeschränkt worden, so dass die Verschuldung eines Unternehmens eine entscheidende Rolle spielt. Steht eine umfangreiche Refinanzierung bestehender Schulden an, können höhere Zinsen oder sogar die Verweigerung neuer Kredite ein Unternehmen in ernsthafte Schwierigkeiten bringen.

Niedrige Verschuldung ist daher eine wichtige Voraussetzung, die Krise zu meistern. Von Bedeutung sind in diesem Zusammenhang auch die Pensionsverpflichtungen. Gerade in fallenden Märkten schauen die Marktteilnehmer verstärkt hierauf, denn sind sie zu hoch, drohen Unterdeckungen. Zu welchen Problemen das führen kann, zeigt der Fall General Motors.

Der ehemals größte Autohersteller der Welt erstickt unter einer gewaltigen Schuldenlast und immensen Pensionsverpflichtungen. Nur das Eingreifen der US-Regierung konnte General Motors vorerst vor der Insolvenz retten, doch bleibt das Schicksal ungewiss, denn der Autobauer verbrennt mehr als 15 Milliarden Dollar pro Quartal.

Welche Branchen jetzt interessant sind

Warum Pharmazie und Medizintechnik interessant sind

Eine weitere Messlatte ist für mich die Gewinnmarge. Eine hohe Marge bietet einen Puffer gegen Verluste und schafft so eine starke Ausgangsposition in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Sinkende Preise können besser abgefedert werden, was einen Wettbewerbsvorteil bedeutet.

Unternehmen mit einer hohen Marge haben darüber hinaus auch bei der Refinanzierung bessere Karten. Konzerne wie General Motors , die unter hohem Wettbewerbsdruck und starkem Margenverfall leiden, leiden dagegen unter erheblichen Schwierigkeiten.

Die Krise der US-Banken und der US-Autohersteller verdeckt derzeit im medialen Rummel etwas die Tatsache, dass es gerade dort viele Unternehmen gibt, die hervorragende Investitionschancen bieten.

Im aktuellen Umfeld setze ich auf die Bereiche Pharmazie und Medizintechnik. Branchen also, die kaum konjunkturabhängig sind und stabile Erträge liefern. Viele Unternehmen dieses Sektors erfüllen das Kriterium hohe Marge und sind nicht von wenigen Kunden abhängig.

Mir gefallen zudem Werte aus dem Bereich der Informationstechnologie. Die Branche ist zwar den Konjunkturzyklen unterworfen, dank hoher Margen und geringer Verschuldung sind viele IT-Unternehmen aber gut gegen die Krise gewappnet. Der Branchenprimus Microsoft  etwa ist dank seiner soliden finanziellen Lage im Stande, von den Schwierigkeiten der Konkurrenten zu profitieren.

Umfangreiche Rücklagen geben dem Softwarehersteller die Möglichkeit, seine Marktstellung gerade jetzt weiter auszubauen. Während sich Konkurrenten auf ihre Refinanzierung konzentrieren müssen, kann Microsoft expandieren und so seine Führungsrolle festigen.

Somit gilt für mich in schwierigen Börsenzeiten noch mehr, was auch in besseren Phasen der Schlüssel zum Erfolg ist: Sorgfältige Analyse der Einzelwerte und konsequentes Stock-Picking. Wenn man an diesen Maximen der Aktienauswahl festhält, bieten sich in der derzeitigen Lage trotz aller Risiken auch hervorragende Chancen.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.