Börsenausblick 2009 "Jahr der Extreme"

Es dürfte ein schwieriges Jahr werden, das der deutsche Aktienmarkt vor sich hat. Vor allem der Start könnte nach Einschätzung von Experten alles andere als geschmeidig ausfallen. Doch es gibt auch leise Hoffnung.

Frankfurt am Main - Dem deutschen Aktienmarkt steht 2009 ein schwieriges Börsenjahr bevor. Experten rechnen damit, dass die Auswirkungen der Finanzmarktkrise in der ersten Jahreshälfte voll durchschlagen werden und der Deutsche Aktienindex Dax  im Januar und Februar neue Rekordverluste verzeichnen könnte. Nach Aufräumarbeiten in den Bilanzen könnte dann frühestens in der Jahresmitte ein schwaches Leuchten am Ende des Tunnels erkennbar werden.

Das zarte Licht könnte die Hoffnung und Investitionsfreude der Börsianer entfachen und den Dax nach Meinung von Experten in der zweiten Jahreshälfte über die Hürde von 5000 Punkten tragen.

Ende des Jahres 2009 könnte das Börsenbarometer dann - günstige Rahmenbedingungen vorausgesetzt - bei 5500 oder 6000 Punkten liegen.

Die elf von der Nachrichtenagentur dpa-afx befragten Experten rechnen mit einem mehr oder weniger deutlichen Anstieg des Dax über 5000 Punkte zum Ende des kommenden Jahres.

Während die Postbank binnen Jahresfrist einen recht bescheidenen Anstieg auf 5150 bis 5350 Punkte erwartet, setzt die Helaba darauf, dass der Dax Ende 2009 die 6000 Punkte ins Visier nimmt. Die Bremer Landesbank rechnet gar schon innerhalb des zweiten Halbjahres mit einem Anstieg auf 6000 Punkte, der damit den Höhepunkt des Börsenjahres markieren könnte.

Einige Experten wollen angesichts der bestehenden Schwierigkeiten gar keine Dax-Prognose beziffern, andere wollen sich nur vage äußern. Einen Anstieg von bis zu 15 Prozent erwartet beispielsweise Fortis . Allerdings könne es im schlimmsten Fall auch noch einmal 10 Prozent abwärts gehen.

Deutliche Worte findet Fidel Helmer von Hauck & Aufhäuser Privatbankiers: "Diese Prognosen können Sie in den Schornstein werfen. So etwas wie das vergangene Jahr habe ich in den 38 Jahren, in denen ich mich nun mit Börse befasse, noch nicht erlebt."

Holpriger Start

Mitte Dezember 2008 stand der Dax bei etwa 4700 Punkten. Den letzten Handelstag beendet er bei 4810 Punkten. Verglichen mit dem Vorjahresschlussstand von 8067 Punkten büßte er damit mehr als 40 Prozent ein und verfehlt die Prognosen der Experten damit eklatant. Sie hatten für Ende 2008 im Durchschnitt einen Dax-Stand von 8390 Punkten prognostiziert.

Die enorme Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung und den Fortgang der Finanzkrise wird zu Jahresbeginn die Nervosität der Anleger steigern und für einen holprigen Start in das neue Börsenjahr sorgen. "Ich denke, dass wir im Januar und Februar kommenden Jahres die Tiefstkurse sehen werden.

Ab Ende des zweiten Quartals dürften sich die Märkte dann langsam wieder erholen", sagte Marktstratege Helmer und entspricht damit der Mehrheit der befragten Experten. "Es wird schlechter, ehe es besser wird", fasst die WestLB zusammen. 2009 werde ein schwieriges Jahr, das aber im späteren Verlauf einen zumindest langsamen Aufstieg aus der globalen Rezession bringen könne.

Die Landesbank Berlin sieht aus charttechnischer Perspektive erst bei einem Dax-Stand oberhalb von 5300 Punkten eine nennenswerte Verbesserung der Lage. "Ein Unterschreiten der im Herbst markierten Tiefstände halten wir jedoch aus fundamentaler und technischer Sicht eher für möglich und raten Anlegern daher, weiter vorsichtig positioniert zu bleiben", warnen die Experten aus der Hauptstadt.

Auch viele Aktienhändler sehen in der aktuellen Schwächephase - aber anders als häufig üblich - für den Privatanleger nicht unbedingt verlockende Einstiegschancen. "Für einen Einstieg ist es noch zu früh", sagte ein Aktienhändler.

Auch bei HSBC  sieht man in niedrigen Bewertungen nicht per se eine Garantie für steigende Notierungen. Vielmehr können die Bewertungen in Zeiten unsicherer Gewinn- und Konjunkturprognosen längere Zeit auf niedrigem Niveau verharren, warnt Christian Heger, Verantwortlich für Anlagestrategien bei HSBC Global Asset Management.

"Für einen Einstieg noch zu früh"

"Während die Voraussetzungen für eine kurzfristige Rallye an den Aktienmärkten im Zeitraum Dezember bis Februar günstig wie selten erscheinen, ist es aus unserer Sicht für einen nachhaltigen Aufschwung noch zu früh". Der Tiefpunkt dürfte vielmehr erst Mitte 2009 mit dem von HSBC erwarteten Tiefpunkt der Gewinnrevisionen zusammenfallen.

Bei der Privatbank Sal. Oppenheim hoffen die Experten ebenfalls ab dem zweiten Quartal 2009 auf eine allmähliche Stabilisierung der weltweiten Konjunktur. Motiviert durch eine sehr aggressive Fiskal- und Geldpolitik könne der Aktienmarkt Ende des ersten Halbjahres deutlichen Auftrieb spüren. "Zur Jahresmitte könnte der Dax bei 6000 Punkten stehen", sagt Matthias Jörss, leitender Aktienstratege bei Sal. Oppenheim. Allerdings dürften Zweifel an der Nachhaltigkeit der Erholung den Elan der Börsianer bremsen und in einen neuerlichen Abschwung münden. Am Jahresende könnte der Dax dann wieder auf einen Stand von 4800 bis 5400 Punkten fallen.

Für Privatanleger sei der Einstieg in den Aktienmarkt in erster Linie wegen der Abgeltungsteuer anzuraten. Dabei sollten die Anleger vor allem auf Titel mit einer hohen Dividende setzen, die durch einen hohen Mittelzufluss gestützt werde. Weiteres Auswahlkriterium sollte eine niedrige Verschuldung und ein konjunkturstabiles Geschäftsmodell sein.

Optimistisch blickt indes der belgisch-niederländische Vermögensverwalter Fortis auf das Börsenjahr: 2009 werde "das Jahr der Extreme", sagte Fortis-Chefanlagestratege William de Vijlder. "Auch 2009 werden die Finanzmärkte außergewöhnlich volatil bleiben.

Die Aktienkurse werden trotz anhaltender Unsicherheiten steigen, weil das derzeitige Kursniveau bereits eine Rezession berücksichtigt." In der zweiten Jahreshälfte 2009 dürfte sich dann eine allmähliche Konjunkturerholung abzeichnen. De Vijlder hält einen Anstieg der Aktienkurse "von 15 Prozent oder mehr für wahrscheinlich". Es sei "an der Zeit, nicht nur die Risiken sondern auch die Chancen zu sehen."

Sonja Funke, dpa-afx

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