Samstag, 30. Mai 2020

Jahresbilanz Nikkei bricht um 42 Prozent ein

Es war das bitterste Jahr, das Tokios Börsianer je erlebt haben: Im Sog der Weltwirtschaftskrise und des drastisch gestiegenen Yen stürzte der Nikkei-Index an Asiens Leitbörse um 42 Prozent ab - so stark wie noch nie.

Tokio - "Das ist ein beispielloses Jahr, in dem wir von scharfen Gegenwinden erfasst wurden", sagte Tokios Börsenchef Atsushi Saito am Dienstag bei der Jahresendzeremonie. Immerhin schlug sich Japan von allen der zehn größten Märkte der Welt noch am besten. Und ab der zweiten Hälfte des kommenden Jahres sehen manche Börsianer in Tokio auch wieder Licht am Ende des Tunnels.

"Beispielloses Jahr": Ende Oktober fiel der Nikkei-Index erstmals seit 26 Jahren unter die Marke von 7000 Punkten
Der Zusammenbruch des amerikanischen Marktes mit dem katastrophalen Schiffbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers ließ Japan, das zuvor die längste Wachstumsphase der Nachkriegszeit erlebt hatte, ebenso in eine Rezession abgleiten wie die USA und Europa. An Tokios Börse kam es in Folge des Lehman-Schocks zu Panikverkäufen.

Der Nikkei-Index stürzte am 28. Oktober erstmals seit 26 Jahren unter die Marke von 7000 Punkten, nachdem er das Handelsjahr noch oberhalb der Marke von 14.000 Punkten begonnen hatte. In Folge der Krise drosselten die Banken ihre Kreditvergabe, was in Japan vor allem im Immobiliensektor zu der größten Pleitenwelle der Nachkriegszeit führte; 33 börsennotierte Unternehmen gingen in diesem Jahr unter.

Selbst Japans Vorzeigeunternehmen Toyota Börsen-Chart zeigen, der erfolgsverwöhnte größte Autobauer der Welt, wurde von der Krise kalt erwischt und rechnet für das noch bis zum 31. März 2009 laufende Geschäftsjahr nun erstmals in der 70-jährigen Unternehmensgeschichte mit einem operativen Verlust. Die von ihrem Exportmotor abhängige zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt leidet zudem unter dem starken Yen, der zum Dollar auf ein 13-Jahres-Hoch schnellte. Japans Exporte verzeichneten im November einen Rekordrückgang, die Ausfuhren nach Asien sanken so stark wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Die Industrieproduktion verringerte sich um 8,1 Prozent und damit so stark wie noch nie.

Vor diesem Hintergrund bauen viele japanische Unternehmen massiv Arbeitsplätze ab, was wiederum den privaten Konsum dämpft.

Gleichzeitig halbierte sich die Kern-Inflationsrate im November auf nur noch 1,0 Prozent. Schon wird befürchtet, dass Japan im kommenden Jahr wieder in eine Deflation zurückfallen könnte, also in eine Phase anhaltend fallender Preise. Und doch schöpfen viele Börsianer für 2009 Hoffnung. "Die Realwirtschaft ist weiter im Abwärtstrend, aber die Aktien werden sich wahrscheinlich standfest erweisen", sagte Yukio Takahashi von Shinko Securities der japanischen Agentur Kyodo.

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