Microsoft Gates erwartet keine Teilung des Unternehmens

In einem ersten Interview nach seinem Rücktritt äußert sich Bill Gates zuversichtlich, dass Microsoft nicht aufgeteilt wird. Auch sein Rücktritt stehe in keinem Zusammenhang mit solchen Gerüchten.

Seattle - "Eine Aufteilung von Microsoft würde keinen Sinn machen", sagte Gates in einem Interview mit dem amerikanischen Sender NBC, das nur wenige Stunden nach seinem Rücktritt aufgezeichnet wurde. "Wir erwarten nicht, dass das wirklich geschieht, und wir sind der Ansicht, dass es fahrlässig ist, dass diese Möglichkeit jetzt von der Regierung diskutiert wird."

Weiter unterstrich er, dass sein Rücktritt in keinem Zusammenhang mit der laufenden Diskussion um eine Zerschlagung des Softwareunternehmens stehe. "Es finden Vermittlungsgespräche statt, und wir würden außerordentlich gern zu einer Einigung kommen."

Gates äußerte sich zuversichtlich, dass es "entweder über eine außergerichtliche Einigung oder im Laufe des Prozesses" zu einer Lösung kommen werde, die gewährleiste, dass "wir unseren Kunden weiterhin so behilflich sein können, wie wir es immer waren

Auf die Fusion zwischen AOL und Time Warner angesprochen, antwortete er: "Nun, ich habe das nicht vorausgesehen. Ich verstehe, warum die das getan haben. Das wird ein absolut gigantisches Unernehmen, ein knallharter Konkurrent für Microsoft in vielen, vielen Geschäftsfeldern."

Dieses Statement bewegt sich entlang der Verteidigungsstrategie, auf die Microsoft am Donnerstag in Folge der Medienberichte über eine drohende Zerschlagung einschwenkte.

Gates' Rückzug ist deshalb auch nach Ansicht von Computerexperten eine Abwehr-Reaktion auf das erwartete Urteil des US-Justizministeriums im Kartellrechtsprozess gegen das Softwarehaus.

"Der neue Chef Steve Ballmer ist eher dazu geeignet, Microsoft durch das schwierige Fahrwasser zu bringen", sagte Wolfgang Stieler, Redakteur der Computerzeitschrift "c't" am Freitag. Ballmer gelte als kämpferischer Charismatiker. Der Rückzug von Gates sei als ein "drastisches Signal" an die Anteilseigner und Mitarbeiter zu sehen, sagte Stieler weiter.

"Es sieht für mich schon so aus, dass Bill Gates jetzt aus der Schusslinie genommen werden soll." Gates werde bei Microsoft aber auch weiterhin die Rolle des technischen Visionärs einnehmen und kehre jetzt zu seinen Wurzeln, der Softwareentwicklung, zurück.