Mannesmann Börsenpläne fürs Internet-Geschäft

Mit einem möglichen Börsengang des Internet-Geschäfts will Mannesmann den Unternehmenswert steigern und die Aktionäre für sich gewinnen.

Düsseldorf - "Eine Verführung der Aktionäre durch Vodafone darf es nicht geben", sagte Vorstandschef Klaus Esser am Freitag in Düsseldorf bei der Vorstellung der Abwehrmaßnahmen gegen die feindliche Übernahme durch den britischen Mobilfunkbetreiber. "Tun Sie gar nichts, behalten Sie Ihre Mannesmann-Aktie", empfahl er den Aktionären. Zugleich versprach er ihnen in den kommenden 18 Monaten einen weiteren Anstieg des Aktienkurses auf 350 Euro.

Im Gegenzug hielt Vodafone-Chef Chris Gent am selben Tag in London die Mannesmann-Argumente gegen eine feindliche Übernahme als wenig überzeugend. Vor allem habe das Unternehmen nicht klarmachen können, was es allein besser machen könne als zusammen mit Vodafone. "Es gibt nichts Neues in dem Mannesmann-Papier", sagte Vodafone-Chef Chris Gent. "Ich rufe die Aktionäre dringend auf, unser Angebot zügig zu akzeptieren." Mit der Übernahme seien starke Synergie-Effekte verbunden; die Wachstumschancen würden erheblich zunehmen.

"Dies ist die Zeit der Entscheidung der Aktionäre", sagte Esser weiter. Mannesmann werde den Willen der Anteilseigner akzeptieren. Vodafone bietet im bislang größten Übernahmekampf in der Industriegeschichte 53,7 Aktien des eigenen Unternehmens für eine Mannesmann-Aktie. Dies entspricht einem Wert von mehr als 260 Milliarden Mark. Eine Barabfindung wird es nicht geben. Die Angebotsfrist endet am 7. Februar. Esser zeigte sich zuversichtlich, dass die Übernahme scheitert.

Der Vorstandschef kündigte an, dass Mannesmann im lukrativen Internet-Geschäft einen Börsengang erwäge. Dabei zeigte er sich offen für Partner, mit denen dieses Geschäft gemeinsam betrieben werden könnte. Hilfe von Vodafone beim Aufbau des Internet-Geschäfts wies Esser indes zurück. "Wir waren gerührt, dass Vodafone uns beim Internet helfen will", meinte Esser. Er verwies seinen Herausforderer Gent auf die 2,6 Millionen Online-Kunden. Hinter T-Online und AOL sei Mannesmann in Europa der drittgrößte Internetprovider.

Die globale Strategie von Vodafone bezeichnete der 51-jährige Manager als "leere Worthülse". Europa sei eine riesengroße Marktchance; wenn diese Region zu klein sei, wie Vodafone behaupte, würden die besten Chancen verpasst. In 19 von 24 Ländern, die Vodafone anführt, hätten die Briten im letzten Quartal 1999 weniger Neukunden erhalten als die Mobilfunktochter Orange alleine. Mannesmann hatte das britische Unternehmen Mitte Oktober für mehr als 60 Milliarden Mark erworben.

Esser: Mannesmann sucht keinen "Weissen Ritter"

Auf den größten europäischen Märkten Italien, Großbritannien und in Deutschland halte Mannesmann Mehrheitsbeteiligungen im Mobilfunk. Nur in Frankreich sei das Unternehmen bei Cegetel in einer Minderheit. Fragen nach einem möglichen Zusammenschluss mit der französischen Vivendi, um einem "weißen Ritter" den Angriff von Vodafone abzuwehren, wies Esser zurück. Mannesmann suche nicht danach. Vivendi sei ein außerordentlich wichtiger Parter bei Cegetel (40 Prozent). Die Bedeutung des französischen Marktes lege es nahe, dass "wir gut zusammenarbeiten".

Mit dem Aufbau des Online-Geschäftes, das derzeit bei den Tochtergesellschaften Arcor, germany.net und o.tel.o betrieben wird, sei Mannesmann vor zwei Jahren gestartet. Dabei war das Unternehmen laut Esser als erster mit integrierten Diensten (Mobilfunk und Festnetz) auf dem Markt. Für das Jahr 2000 sprach Esser von Megatrends in der Telekommunikation. Hierzu gehörten unter anderem die zunehmende mobile Datenkommunikation und die Frage, wie die Unternehmen darauf vorbereitet sind. Hinzu kämen die Online-Dienste, die integrierte Dienste sein würden.