Thilenius-Kolumne In der Rezession

Zur Jahreswende 1974/75 sah es an den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft ähnlich düster aus wie heute. Damals, vor 33 Jahren, sammelten Investoren wie Warren Buffett eifrig Aktien ein. Denn die Börse eilt den Geschehnissen um Monate voraus - die Erholung könnte bereits im Rezessionsjahr 2009 einsetzen.

Im Herbst des Vorjahres hatte ein unvorhersehbares Ereignis an der Börse eingeschlagen. Ungefähr 12 Monate lang waren weltweit die Aktienkurse an den großen Märkten im Durchschnitt um knapp 50 Prozent gefallen. Die schlechte Nachrichten häuften sich, die wichtigsten Volkswirtschaften rings um die Erde gerieten in die Rezession.

Ein amerikanischer Anleger, der gut rechnen konnte, hatte einige Jahre zuvor eine Textilfirma erworben. Aus den Gewinnen der Textilfirma begann er in den schwarzen Zeiten das bisher kleine Aktienportfolio weiter auszubauen. Die Bewertungen an den Aktienmärkten waren günstig und so wie regelmäßig Tag auf Nacht folgt, würde sich die Weltwirtschaft und damit auch die Aktienkurse in überschaubarer Zeit wieder erholen.

Hier beschreiben wir allerdings nicht den Jahreswechsel von 2008 auf 2009, sondern eine frühere Periode. Im Herbst 1974 hatten die Aktienmärkte, ähnlich wie heute, vom Höhepunkt an etwa 50 Prozent verloren. In beiden Fällen, damals wie heute, erstreckte sich der Rückgang auf etwa 50 Prozent über ebenso etwa 13 Monate.

Um die Jahreswende 1974/1975 sah der damals weitgehend unbekannte Investor Warren Buffett die Möglichkeiten des günstigen Einkaufs auf Grund der niedrigen Bewertung an den Märkten. Heute ist Buffett einer der reichsten Männer der Welt und die Gesellschaft Berkshire ist heute kein Textilbetrieb mehr sondern ist eine sehr große Beteiligungsgesellschaft.

Von Ende 1974 bis Ende 1976 hat sich dann der Dow Jones Index in ungefähr verdoppelt. Etwa drei Jahre nach dem Beginn der Abwärtsbewegung war der frühere Höhepunkt wieder erreicht.

Börse eilt der Realwirtschaft voraus - auch in der Erholung

In diesen wirtschaftlich und börsenmäßig finsteren Zeiten, wie wir sie gerade erleben, lohnt es sich, frühere Phasen ähnlicher wirtschaftlicher Probleme genau anzusehen. Die Rezession war in den 70er Jahren noch lange nicht vorbei, da drehte der Markt Ende 1974. Die schlechten Nachrichten häuften sich noch etwa bis März 1975. Der Markt drehte damals einige Monate vorher, nach dem er offensichtlich ein Licht am Ende des Tunnels ausgemacht hatte. Ob die Lage diesmal ähnlich wie in den 70er Jahren, und damit nicht ganz so schwarz ist, wie sie allgemein gemalt wird, werden wir natürlich erst im Nachhinein sehen.

Ein Anleger, der mit den jetzigen Unsicherheiten erstklassige, defensive europäische Qualitätswerte mit einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnissen und historisch hohen Dividendenrenditen von ungefähr 5 Prozent kauft, sollte diese Investition auf Sicht von etwa 12 Monaten nach unserer Meinung jedenfalls nicht bereuen.

Gute Namen, die auch in vielen Jahren noch existieren dürften, sind zum Beispiel Eon, RWE und Total. Auch wenn die Märkte im Zuge neuer schlechter Nachrichten noch weiter nachgeben sollten, sind hier die Bewertungen heute ähnlich niedrig und die Dividendenrenditen ähnlich hoch wie bei vergleichbaren Werten an der Jahreswende 1974/1975.

Der Autor ist geschäftsführender Gesellschafter der Stuttgarter Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH. Das Unternehmen unterliegt der BaFin.

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