Parteispenden Thyssen korrigiert: Schreiber bekam 34 Millionen

Der Konzern rechnete noch mal nach: Waffenhändler Schreiber kassierte 6,5 Millionen kanadische Dollar Provision für Lieferungen nach Kanada sowie Berichten zufolge weitere 26 Millionen Mark beim Fuchs-Geschäft.

Düsseldorf - Die Thyssen Krupp AG hat ihre bisherigen Angaben über Zahlungen an den Waffenhändler Karlheinz Schreiber für den Aufbau einer Panzerfabrik in Kanada korrigiert. Ein Konzernsprecher sagte der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe), Schreiber habe für seine Bemühungen beim Projekt Bearhead zur Lieferung von 250 Schützenpanzern des Typs TH 495 an die kanadische Armee zwischen 1987 und 1995 rund 6,5 Millionen kanadischen Dollar erhalten.

Zuvor hatte der Sprecher die Summe von knapp fünf Millionen Mark genannt. Er sprach von einem Missverständnis bei Thyssen Krupp, weil Mark- und Dollar-Beträge verwechselt worden seien. Ein Betrag von 1,5 Millionen kanadische Dollar, den Schreiber 1988 für die Erschließung des nordamerikanischen Marktes bekommen habe, sei zunächst nicht berücksichtigt worden.

Unter Berufung auf die Augsburger Staatsanwaltschaft berichtete die Zeitung weiter, dass Thyssen 1991 zusätzlich 26 Millionen Mark an Schreiber und ihm nahe stehende Firmen gezahlt habe, als 36 Fuchs-Panzer nach Saudi-Arabien geliefert wurden.

Am Mittwoch hatte Schreiber erklärt, bei seiner 100.000-Mark-Spende an CDU-Chef Schäuble sei es um den Aufbau einer Produktionsanlage für leichte Panzerfahrzeuge für Friedenseinsätze in Kanada gegangen.

Auf Anweisung gezahlt

"Auf Anweisung" Schreibers habe Thyssen das Geld auf ein Konto der dem Waffenhändler zugeordneten Firma International Aircraft Leasing (IAL) in Liechtenstein überwiesen. Die kanadischen Justizbehörden haben den Verdacht, dass über die IAL Schmiergeldzahlungen an den früheren kanadischen Ministerpräsidenten Brian Mulroney abgewickelt wurden, um diesen für den Kauf von Airbus-Flugzeugen, MBB-Hubschraubern und für das Panzer-Projekt zu gewinnen. Zudem räumte Thyssen-Sprecher Peter Blau ein, dass Schreiber 1995 ein Darlehen im Zusammenhang mit dem Panzer-Projekt von einer Million Mark nicht an Thyssen zurückzahlen habe müssen.

Schreiber, gegen den in Kanada wegen eines deutschen Haftbefehls ein Auslieferungsverfahren läuft, sagte der Tageszeitung "Die Welt", bei seiner Spende sei es um den Aufbau einer Produktionsanlage für leichte Panzerfahrzeuge für Friedenseinsätze in Kanada gegangen. Schäuble hatte erklärt, Schreiber sei ihm als ein Unternehmer vorgestellt worden, "der mit Fahrbahnmarkierungen" tätig sei.

Von Schäuble keine Quittung verlangt

Die frühere CDU-Schatzmeisterin Brigitte Baumeister sagte der "Welt" (Freitagausgabe), Schreiber habe für seine 100.000-Mark-Spende an Wolfgang Schäuble keine Quittung verlangt. Auf die Frage, warum sie das Geld dann angenommen habe, sagte Baumeister: "Da habe ich einen Fehler gemacht, für den ich die Verantwortung trage. Die Partei war damals in einer schwierigen finanziellen Lage."

Wegen des hohen Betrages habe sie ihren Vorgänger Walther Leisler Kiep auf die Spende angesprochen. Wie sich mittlerweile geklärt habe, sei die Summe dann "im Frühjahr 1995 in Bonn von meinem Büroleiter nicht an Herrn Kiep", sondern an CDU-Steuerberater Horst Weyrauch übergeben worden, sagte Baumeister. Schäuble hatte erklärt, Baumeister habe das Geld an Kiep übergeben, der diesen Vorgang bestritt. Ob das Geld an Schäuble von einem - wie Schreiber behauptet - Geldboten überbracht worden sei, "entzieht sich jedoch meiner Kenntnis", sagte Baumeister.