Kommentar Microsoft wird besser

Mit seinem Rückzug macht Bill Gates den Weg frei, damit Microsoft sich endlich stärker auf das Internet fokussieren kann. Und er besetzt eine wichtige Personal-Lücke.
Von Dieter Degler

Auch wenn das Zimmer diesmal etwas größer ausfallen wird als damals und die Hardware etwas fortgeschrittener: Bill Gates kehrt dorthin zurück, wo er 1975 zusammen mit Paul Allen die Grundsteine zur Microsoft-Saga legte: In eine Programmierstube. Hat der Mann, der es in einem Vierteljahrhundert aus dem Nichts von Seattle zum größten Privatvermögen der Welt gebracht hat, keine Lust mehr?

Im Gegenteil, Gates ist geschickt wie eh und je: Mit dem Verzicht auf den Vorstandsvorsitz und der Übergabe an seinen Kronprinzen Steve Ballmer versucht der Softwaremogul Druck aus der Debatte um die Methoden zu nehmen, mit der Microsoft sich von einer Garagenfirma zu einem Quasi-Weltmonopolisten gekämpft hat.

Der Company droht die Zerschlagung von Staats wegen, und Microsoft muss und wird im gerade beginnenden Jahrhundert eine neue Firma werden, ganz gleich, ob sie nun von der US-Justiz in Einzelteile zerlegt wird oder nicht.

Und diese Firmengruppe wird womöglich noch erfolgreicher sein als das gute alte Microsoft: Ballmers strategische Fähigkeiten können es mit denen seines Vorgängers locker aufnehmen, und sein Aggressionspotenzial, das Wettbewerber schon in den letzten Jahres zu spüren bekamen, ist sogar deutlich höher als das seines Förderers.

Ballmer wird nun dafür sorgen, dass sein Unternehmen noch stärker auf das Internet fokussiert wird. Er weiß, nicht erst seit der Übernehme von Time-Warner durch AOL, daß technische Plattformen in Zukunft nicht mehr reichen werden, um im Internet vorne zu liegen. Ob Service-Provider oder Software-Schmiede: Ohne Inhalte ist alle Technik nichts. Es wäre kein Wunder, wenn Ballmer bald bei Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff oder Disney-Boss Michael Eisner anruft, um mal darüber zu reden, ob man es gemeinsam nicht noch besser hinbekommt als die Kollegen Steve Case und Gerald Levin.

Ein schwerwiegendes Microsoft-Problem löst der Wechsel von Gates zudem: Vor einigen Monaten hat die Firma ihren drittwichtigsten Mann, das Forschungs- und Entwicklungsgenie Nathan Myhrvold verloren, für den es nun endlich Ersatz gibt: Neben seiner Tätigkeit im Aufsichtsrat von Microsoft wird Gates einen Job ausüben, auf den er schon lange scharf war: Er wird Chefarchitekt für Software.