Rezession Ölpreis rutscht unter 36 Dollar

Der Ölpreis fällt und fällt. Obwohl die Opec jüngst drastisch die Fördermenge gesenkt hat, rutscht die Notierung für den Rohstoff auf ein Vier-Jahres-Tief. Die Nachfrage nach dem schwarzen Gold sinkt weiter, Sprit bleibt billig. Die US-Börsen nehmen die Entwicklung allerdings geschockt auf.

New York - Der US-Ölpreis ist am Donnerstag erstmals seit Juli 2004 unter 36 US-Dollar gefallen. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Januar fiel am Abend zeitweise bis auf 35,98 US-Dollar. Zuletzt kostete ein Barrel 36,44 Dollar. Das sind 3,49 Dollar weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent  zur Auslieferung im Februar fiel um 1,70 Dollar auf 43,83 Dollar.

Die US-Börsen reagieren verunsichert auf die Entwicklung, die Kurse geben am Abend deutlich nach. Investoren interpretieren die Entwicklung offenbar als weiteres Indiz für eine sich weiter abschwächende Weltwirtschaft. Der Dow Jones-Index verlor zeitweise 3,3 Prozent und lag um 21.40 Uhr bei 8601 Punkten (minus 2,5 Prozent). Besonders Aktien der Ölgiganten wie Exxon  kommen unter die Räder.

Die am Mittwoch beschlossene Kürzung der Rohölfördermenge durch die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) um weitere 2,2 Millionen Barrel pro Tag habe den Ölmarkt nicht stabilisieren können, sagten Händler. Bei der Opec handelt es sich laut Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank, um eine "Schönwetter-Weltmacht". In Krisenzeiten hätten die Opec-Handlungen nur einen geringen Einfluss und es mangele an Kooperation der Mitglieder.

Mit der Bekanntgabe einer Rekord-Kürzung habe man eine "katastrophale Lage am Ölmarkt" offen eingestanden. Andererseits habe die Opec damit gezeigt, dass sie nicht in der Lage ist, den Ölmarkt zu kontrollieren, und musste daher zu drastischen Maßnahmen greifen. Die wichtigste Frage lautet laut Weinberg: "Wer ist denn bereit diese Kürzungen zeitnah umzusetzen?"

Obgleich Marktbeobachter schon seit längerem auf Untertreibungen am Rohölmarkt hinweisen, rechnen sie nicht mit einer kurzfristigen Stabilisierung der Ölpreise durch die jüngsten Förderkürzungen, so dass Sprit weiter billig bleiben dürfte.

"Die globale Rohölnachfrage dürfte in den Jahren 2008 und 2009 rückläufig sein", sagt Rohstoffexpertin Dora Borbély von der DekaBank. Demgegenüber werde das Ölangebot zumindest im Durchschnitt des laufenden Jahres weiter ansteigen.

Kurzfristig sei daher trotz Produktionseinschränkung nicht mit einer Normalisierung der Ölpreise zu rechnen. "Mittelfristig wird vor allem die Disziplin der Opec-Mitglieder bei der Umsetzung der beschlossenen Drosselung für die Preiswirkungen entscheidend sein", so Borbély.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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