Microsoft Bill Gates gibt Chefposten ab

Bill Gates, ist überraschend von seinem Posten als Vorstands-Chef zurückgetreten. Er will künftig Windows weiterentwickeln. Nachfolger wird der bisherige zweite Mann im Unternehmen, Steve Ballmer.

New York - Bill Gates, der reichste Mann der Welt, hat am Donnerstag den Vorstandsvorsitz von Microsoft an den Präsidenten des Software Konzerns, Steve Ballmer, abgetreten. Künftig will Gates die Rolle des Chef-Software-Architekten bei Microsoft übernehmen. Er wolle dabei helfen, "die nächste Generation der Windows-Plattform und Dienstleistungen" voranzutreiben, erklärte der 44-Jährige.

Gates bleibt außerdem Vorsitzender des Verwaltungsrates des von ihm vor 25 Jahren mitbegründeten Unternehmens und dürfte in dieser Funktion bei der Kartellklage der Regierung gegen Microsoft eine Rolle spielen. Im November hatte das Bundesdistriktgericht in Washington Microsoft als Monopolisten bezeichnet. Medienberichten zufolge will das Justiziministerium Microsoft in mehrere Teile aufspalten.

Nach der Pressekonferenz sagte Gates in einem Interview mit dem Finanzsender CNBC, die Management-Umbildung habe mit der Kartellklage absolut nichts zu tun. "Worum es hier geht, ist die Bildung einer neuen Management-Struktur, die es uns erlaubt, Windows von Grund auf umzugestalten ("to revolutionize Windows')", sagte Gates.

Mit der Entscheidung gibt Gates die Verantwortung für das Tagesgeschäft an den 43 Jahre alten Ballmer ab, der seit 1980 bei Microsoft ist und 1988 zum Präsidenten des Unternehmens berufen wurde. Ballmer wird mit Wirkung zum 27. Januar auch Mitglied des Verwaltungsrates werden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Ballmer, der fünf Prozent des Microsoft-Aktienkapitals besitzt, ist nach einer Aufstellung des Wirtschaftsmagazins "Forbes" der viertreichste Mann Amerikas. Gates ist mit 15 Prozent Anteilen der reichste Mann.

Vor der Presse sprach sich Ballmer erneut gegen einen von der Regierung angestrebten Vergleich aus, der auf eine Aufspaltung des Unternehmens hinauslaufen würde. Entsprechende Bestrebungen bezeichnete er als "rücksichtslos und unverantwortlich".

Gates, dessen Unternehmen die Wirtschaft wie kein anderes verändert hat, brach 1973 sein Universitätsstudium ohne Abschluss ab. Ballmer lernte er als Student an der Harvard University kennen. Während seiner Studienzeit entwickelte Gates zusammen mit Paul Allen eine Programmiersprache für den MITS Altair, einen Vorläufer des PCs. Er verließ Harvard eine Jahr vor dem Abschluss, um mit Allen Microsoft zu gründen.

Microsoft machte 1975, dem ersten Jahr nach der Gründung, 16.005 Dollar Umsatz. Die einzigen drei Angestellten waren Gates, Allen und Ric Weiland. Ballmer kam 1980 von Procter & Gamble zu Microsoft. Als Microsoft 1986 an die Börse ging, hatte die Firma 197,5 Millionen Dollar Umsatz. Im Geschäftsjahr 1999 waren es 19,7 Milliarden Dollar.