Siemens Krise als Chance

Die Krise als Chance, so scheint Siemens-Chef Peter Löscher die Lage einzuschätzen. Zumindest will er in eben jener Krise zukaufen. Dennoch werde das laufende Geschäftsjahr das Industriegeschäft des Unternehmens treffen, so die firmeneigene Einschätzung.

München - Siemens  will die Wirtschaftskrise für weitere Zukäufe nutzen. Vorstandschef Peter Löscher sagte am Donnerstag im Verein der ausländischen Presse in Deutschland, der Münchener Konzern werde im Abschwung Akquisitionen tätigen. Siemens habe mit sieben Milliarden Euro Barreserven eine solide Finanzausstattung und könne investieren. Zukäufe werde es in den drei Hauptsparten des Konzerns geben - Industrie, Energie und Medizintechnik. Einen möglichen Übernahmeangriff auf Siemens fürchtet Löscher nicht. Er habe deswegen keine Sekunde weniger geschlafen. Der Aktienkurs des Dax-Konzerns hat sich seit Jahresbeginn halbiert.

Für das laufende Geschäftsjahr 2008/2009 erwartet das Unternehmen daher merkliche Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftsflaute auf sein Industriegeschäft. Der Chef des Bereichs, Heinrich Hiesinger, rechnet mit einem Rückgang des Auftragseingangs, wie aus einer Präsentation vom Donnerstag hervorgeht. Der Umsatz dürfte demnach voraussichtlich stagnieren, während der Gesamtkonzern zulegen soll. Am Ziel einer operativen Gewinnmarge zwischen 9 bis 13 Prozent hält Hiesinger hingegen fest und begründet dies unter anderem mit den laufenden Sparprogrammen. "Wir kämpfen um unsere Marge." Die Investitionen will er auf das Niveau der Abschreibungen beschränken.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte Siemens die Auftragseingänge im Industriegeschäft um 9 Prozent auf 42,8 Milliarden Euro hochgeschraubt, den Umsatz um 6 Prozent auf 38,1 Milliarden Euro verbessert und das operative Ergebnis um 10 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro erhöht. Die Marge stieg entsprechend von 9,8 auf 10,1 Prozent. Hiesinger geht nun aber davon aus, dass der Gesamtmarkt schrumpft. Besonders das Geschäft in Amerika sieht er unter Druck, während er in Asien von einem weiteren Wachstum ausgeht. In den Schwellenländern wie China und Indien erwirtschaftet der Industrie- Sektor rund 30 Prozent seiner Umsätze.

Der Chef des Industriesektors hofft, die Flaute durch die bestehenden Aufträge besser zu überstehen als die Konkurrenz. Ein Volumen von 17 Milliarden Euro haben alleine die Bestellungen, die in diesem Geschäftsjahr abgearbeitet werden sollen.

Konzernweit will Siemens in dem bis Ende September 2009 laufenden Geschäftsjahr aus eigener Kraft doppelt so stark wachsen wie die Weltwirtschaft. Das Ergebnis der drei Sektoren Industrie, Energie und Medizintechnik will Vorstandschef Löscher auf 8,0 bis 8,5 Milliarden Euro hochschrauben. Dabei sind Sonderlasten aus dem Konzernumbau sowie aus Schmiergeld-Themen ausgeklammert. Diese hatte Siemens aber bereits ohnehin zu überwiegenden Teilen im abgelaufenen Geschäftsjahr verbucht.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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