Goldman Sachs Erster Quartalsverlust seit zehn Jahren

Die Finanzkrise hat nun auch Goldman Sachs voll erwischt: Die ehemalige Investmentbank ist erstmals seit ihrem Börsengang tief in die roten Zahlen gerutscht. Im Herbst verlor die New Yorker Bank wegen Abschreibungen mehr als zwei Milliarden Dollar.

New York - Wegen Abschreibungen verbuchte Goldman Sachs  im vierten Quartal nach Angaben vom Dienstag einen Verlust von 2,12 Milliarden Dollar - vor einem Jahr stand noch ein Rekordgewinn von 3,2 Milliarden in den Büchern. Einige Anleger hatten jedoch mit noch schlechteren Zahlen gerechnet: Die Aktie kletterte deshalb vorbörslich um 4 Prozent.

Goldman Sachs kam lange Zeit vergleichsweise unbeschadet durch die Finanzkrise und schlug durch Spekulation auf fallende Kurse und Immobilienpreise zeitweise sogar Profit daraus. Bislang hatte die Bank knapp fünf Milliarden Dollar auf Wertpapiere und Beteiligungen abgeschrieben, wenig im Vergleich mit den Wettbewerbern. Bereits im dritten Quartal war der Gewinn jedoch um 70 Prozent eingebrochen. Zuletzt hatte Goldman Ende 1998 im Zuge der Asienkrise und des Zusammenbruchs von Long-Term Capital Management (LTCM) einen Verlust verbucht.

Goldman Sachs verbuchte bei den Einnahmen netto ein Minus von 1,58 Milliarden Dollar, weil die Abschreibungen höher ausfielen als die Einnahmen im laufenden Geschäft. Vor einem Jahr beliefen sich die Einnahmen noch auf 10,7 Milliarden Dollar. Analysten zeigten sich dennoch erleichtert, dass das Minus nicht noch höher ausfiel. Sie hatten befürchtet, dass Goldman Sachs die Gelegenheit zum Reinemachen seiner Bilanz noch ausgiebiger nutzt, um dann ohne Ballast ins neue Jahr zu starten.

Auch im gesamten Geschäftsjahr 2007/2008 hinterließ die Krise deutliche Spuren. Nach einem Rekordergebnis im Vorjahr brach der Gewinn nun um 80 Prozent auf 2,32 Milliarden Dollar ein. Die Nettoerträge sanken um etwa die Hälfte auf 22,22 Milliarden Dollar.

Das 139 Jahre alte Geldhaus war 1999 an die Börse gegangen. Die stockende Refinanzierung am Finanzmarkt im Sog der Lehman-Pleite zwang Mitte September zu einem radikalen Kurswechsel: Goldman gab ebenso wie der verbliebene Wettbewerber Morgan Stanley  den Status als reine Investmentbank auf und wandelte sich in eine gewöhnliche Geschäftsbank. Das verschärft die Regulierung und mindert den Spielraum für Verschuldung und schnelle Profite, erlaubt aber zugleich den Zugriff auf stabile Kundeneinlagen und Notenbankkredite. Morgan Stanley legt seine Quartalszahlen an diesem Mittwoch vor.

Zur Aufstockung seines Kapitals erhielt Goldman bereits eine staatliche Geldspritze aus dem US-Bankenrettungspaket von zehn Milliarden Dollar und holte sich zudem Investorenlegende Warren Buffett mit einer zu 10 Prozent verzinsten Wandelanleihe ins Boot.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx