Zinsniveau nahe null Fed nimmt Abschied vom Leitzins

Die US-Notenbank Federal Reserve dürfte in dieser Woche Geschichte schreiben: Wegen der wohl schwersten Rezession seit den 30er Jahren wird erwartet, dass Fed-Chef Ben Bernanke am Dienstag den Leitzins auf 0,5 Prozent oder gar darunter senkt. Ein Zinssatz nahe null dürfte nicht der einzige Schritt der Notenbanker sein.

Washington - Die Finanzmärkte versprechen sich auch Signale, mit welchen konkreten Maßnahmen die Währungshüter bei einem Leitzins von nahe 0 Prozent die schwer schlingernde US-Wirtschaft stabilisieren wollen. Die große Mehrheit der von Reuters befragten Ökonomen geht davon aus, dass Bernanke einen Schwenk zu einer alternativen Geldpolitik jenseits des Leitzinses ankündigen wird. Bereits in einer Rede Anfang Dezember hatte er dies angedeutet.

Sollte es so kommen, wird die Fed anfangen, Anleihen von Unternehmen und dem Staat in großem Stil aufzukaufen, um die Marktzinsen niedrig zu halten. Ob der Leitzins auf 0,5 Prozent, den niedrigsten Stand seit Mitte der 50er Jahre, fällt oder sogar noch weiter - als Werkzeug der Fed hat er erst einmal ausgedient.

"Von diesem Punkt an muss die Geldpolitik vor allem auf nicht-traditionelle Maßnahmen vertrauen", sagt der ehemalige Fed-Notenbanker Lyle Gramley.

Vorbild japanische Notenbank

Dass es einer Notenbank gelingen kann, eine schlingernde Volkswirtschaft mit anderen Maßnahmen als Leitzinssenkungen zu stabilisieren, haben zuletzt die Japaner vorgemacht. Sie überwanden die Depression der 90er Jahre dadurch, dass die Zentralbank riesige Summen in das Bankensystem pumpte. Der Umschwung kam zögerlich, aber er kam.

Der Leitzins liegt in Japan dagegen bis heute nahe null Prozent. Unangenehme Folge: In der derzeitigen Wirtschaftskrise hat die Bank von Japan nahezu keine Munition mehr und die eigentlich wirkungsvollste Waffe einer Notenbank im Kampf gegen die Rezession fällt aus.

Auch die Fed hat schon fast alle Pfeile verschossen und den Leitzins seit August vergangenen Jahres - als die inzwischen globale Krise auf dem US-Immobilienmarkt begann - von 5,25 auf ein Prozent gekappt.

Anleihen aufkaufen, um Zinsen dauerhaft niedrig zu halten

Zudem öffnete Bernanke die Schleusen und überschwemmte Bankensystem und Märkte mit Liquidität in einem bis dahin nicht gekannten Ausmaß. Genützt hat das alles bislang wenig - die Wirtschaft steckt bis zum Hals in der Rezession: Am Arbeitsmarkt jagt eine Schreckensmeldung die nächste und im Kern des Sturms, auf dem US-Häusermarkt, geht fast gar nichts mehr.

Welche Möglichkeiten hat nun Bernanke noch dagegen zu halten? Er kann zum Beispiel Anleihen der beiden mittlerweile verstaatlichen Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae kaufen, um die Hypothekenzinsen zu senken: Er kann Staatsanleihen kaufen und so Einfluss auf die Marktzinsen nehmen. Er kann lang laufende Unternehmensanleihen kaufen und auf diese Weise besonders von der Krise betroffene Firmen oder ganze Branchen stabilisieren.

Und er könnte eine Erklärung abgeben, dass er willens ist, den Zins eine längere Zeit auf einem niedrigen Niveau zu halten - und auf die psychologische Wirkung einer solchen Vorfestlegung hoffen. Wie auch immer sich die Fed entscheidet, sie betritt nahezu unbekanntes Terrain und vielleicht auch vermintes Gelände.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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