Arcandor Rote Zahlen, aber Hoffnung

Der KarstadtQuelle-Nachfolgekonzern Arcandor hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 745 Millionen Euro verloren, operativ nach eigener Rechnung aber 820 Millionen verdient. Der scheidende Chef Thomas Middelhoff räumt Fehler ein, verbreitet zugleich aber Zuversicht.

Essen - Der Handels- und Tourismuskonzern Arcandor  hat im abgelaufenen Geschäftsjahr unter anderem wegen kräftiger Einbußen bei der Warenhaustochter Karstadt und hoher Kosten beim Umbau des Konzerns einen dreistelligen Millionenverlust hinnehmen müssen. Unterm Strich stand für das Geschäftsjahr 2007/2008 (30. September) ein Verlust von 745,7 Millionen Euro, wie die Essener Arcandor AG am Montag in Frankfurt mitteilte.

Arcandor erklärte dies vor allem mit Restrukturierungskosten, dem Verkauf von Geschäftsteilen, der Integration von MyTravel  sowie außerordentlichen Steuerbelastungen. Nur dank eines bilanziellen Sondereffekts von rund 63 Millionen Euro bei der Versandhandelstochter Primondo konnte Arcandor sein Ziel eines bereinigten operativen Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von mindestens 800 Millionen Euro erreichen.

Diese Zahl bezifferte der MDax-Konzern, der 2007 nur ein Rumpfgeschäftsjahr von neun Monaten bis Ende September hatte, auf Pro-forma-Basis auf 820,2 Millionen Euro nach pro forma 687 Millionen Euro im Jahr zuvor. Der Umsatz blieb mit 19,9 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant (pro forma: 20,1 Milliarden Euro). Zum Bilanzstichtag wuchs der Schuldenberg von Arcandor auf 944 Millionen Euro - wobei diese Nettofinanzschulden Verbindlichkeiten wie Kredite und Anleihen umfassen.

Hauptstütze des Geschäfts blieb der Tourismuskonzern Thomas Cook, deren Haupteigentümer Arcandor ist. Europas zweitgrößter Tourismuskonzern trägt rund 60 Prozent des Umsatzes und rund 90 Prozent des operativen Konzernergebnisses bei.

"Das operative Ergebnis zeigt, dass die strategische Neuausrichtung der vergangenen vier Jahre Früchte trägt", sagte der scheidende Arcandor-Chef Thomas Middelhoff, der Anfang März von Telekom-Finanzchef Karl-Gerhard Eick abgelöst wird. Die Entscheidung, dem Konzern mit dem massiven Ausbau des Tourismus zum Stammgeschäft eine neue Wachstumsperspektive zu geben zahle sich aus.

Die Versandhandelstochter Primondo (Quelle und Spezialversender) wies ein bereinigtes Ebitda von 90 (Vorjahr 85) Millionen Euro aus, ihr Umsatz erhöhte sich um 6,7 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro. Dagegen habe es bei Karstadt ein "eindeutiges Missmanagement bei den Kosten" und eine "verfehlte Rabattpolitik" gegeben, sagte Finanzvorstand Peter Diesch. Dies führte in den Warenhäusern zu einem Einbruch des bereinigten Ebitda binnen Jahresfrist von plus 147,7 Millionen Euro auf minus 4,2 Millionen Euro.

Inzwischen wurde das Karstadt-Management fast komplett ausgetauscht - und Arcandor sieht die Warenhaustochter auf dem Weg zur Trendwende. Das Weihnachtsgeschäft laufe "relativ normal und zufriedenstellend". Für das Geschäftsjahr 2008/2009 bekräftigte Middelhoff für den Konzern die Prognose, im operativen Geschäft mehr als 1,1 Milliarden Euro Gewinn zu erzielen. Sie hänge aber davon ab, dass sich das Ausmaß der Finanzmarktkrise nicht "signifikant verstärkt und die Rezession nicht über das prognostizierte Maß hinausgeht".

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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