Börsenschluss Letzte Hoffnung Bush

Die New Yorker Börse kriegt am Freitag noch einmal die Kurve. Beherrschendes Thema ist die Autokrise. Die Anleger schwanken zwischen Sorge um die Insolvenzgefahr von US-Konzernen und Hoffnung, dass Präsident Bush notfalls den Bankenrettungsfonds zur Stützung der "Big Three" anzapfen will.

New York/Frankfurt am Main - Die Hoffnung auf ein Eingreifen von US-Präsident George W. Bush im Ringen um die Rettung der angeschlagenen Autoindustrie hat die Wall Street zum Handelsschluss am Freitag noch ins Plus gehievt. Zur Eröffnung waren die Aktien noch auf Talfahrt gegangen, weil Angst um die Zukunft der "Big Three" General Motors (GM) , Chrysler und Ford . Auf Nachfrage stießen auch Technologiewerte.

Der Dow-Jones-Index  legte um 0,75 Prozent auf 8629,68 Punkte zu, nachdem er im frühen Handel auf bis zu 8374 Zähler eingebrochen war. Auf Wochenbasis bedeutete dies gleichwohl ein Minus von 0,35 Prozent. Der marktbreite S&P-500-Index  stieg um 0,7 Prozent auf 879,73 Zähler. Der Nasdaq Composite  rückte gar um 2,2 Prozent auf 1540,72 Punkte vor.

Aktien der US-Autobauer verringerten ihre deutlichen Kursverluste, die sie noch zu Handelsbeginn hinnehmen mussten, oder drehten gar in positives Terrain. Die Papiere profitierten Händlern zufolge von der Bereitschaft des US-Präsidenten George W. Bush, die von der Branche dringend benötigten Überbrückungsgelder aus dem 700 Milliarden Dollar schweren Rettungspaket für die Finanzbranche zur Verfügung zu stellen. Am Donnerstagabend noch war im Kongress der Rettungsplan für die Autounternehmen gescheitert, woraufhin die Auto-Titel eingebrochen waren.

GM-Aktien verloren nur noch 4,4 Prozent auf 3,94 Dollar, nachdem sie in den ersten Handelsminuten auf bis zu 2,61 Dollar abgesackt waren. Ford-Papiere schafften den Sprung in die Gewinnzone und verteuerten sich um 4,8 Prozent auf 3,04 Dollar.

Technologiewerte legten teilweise deutlich zu. Händler begründeten dies mit Wetten der Anleger darauf, dass Industrieunternehmen in Zukunft verstärkt mit Hilfe neuer Technologien ihre Effizienz verbessern dürften. "Wir erwarten, dass der Technologiesektor sich als einer der ersten und nicht als letzter erholt", sagte Michael James von Wedbush Morgan. Apple-Aktien  etwa gewannen 3,4 Prozent auf 98,27 Dollar, Papiere von Intel  verteuerten sich um 5,3 Prozent auf 14,75 Dollar. Vor diesem Hintergrund legten auch Titel von United Technologies  zu und gewannen als zweitbester Wert im Dow hinter Intel 3,7 Prozent auf 48,82 Dollar.

Betrugsfall von 50 Milliarden Dollar an Wall Street vermutet

Ein Betrugsfall an der Wall Street dreht sich um ein "Schneeballsystem" im Volumen von 50 Milliarden Dollar. Die Behörden nahmen in der Nacht zum Freitag den 70-Jährigen Bernard Madoff fest, der einst Chef der Technologiebörse Nasdaq war und seit Jahrzehnten zu den einflussreichen Figuren der Wall Street zählt. Er gab nach Angaben der Behörden zu, jahrelang Investoren mit einem Schneeballsystem betrogen zu haben: Versprochene hohe Gewinne wurden einfach mit dem Geld neuer Kunden bezahlt.

Auch deutsche Autoaktien im Minus

Belastet von Verlusten bei Bank- und Autoaktien hat der Deutsche Aktienindex Dax  am Freitag schwach geschlossen. Der Leitindex ging trotz einer leichten Erholung im späten Handel mit minus 2,2 Prozent auf 4663,37 Punkten aus dem Handel. Im Wochenvergleich standen damit Verluste von fast 6,5 Prozent zu Buche. Der MDax  mittelgroßer Werte büßte 1,2 Prozent auf 5240,18 Zähler ein. Der TecDax  gab um 1,6 Prozent auf 454,83 Punkte nach.

Aktien der deutschen Autobauer dämmten ihre Verluste bis zum Abend etwas ein. Aktien von Daimler  gingen mit minus 4,2 Prozent auf 24,06 Euro aus dem Handel. Zuvor waren sie im Tagesverlauf bis auf 22,92 Euro gefallen. Die Papiere von BMW  standen mit 2,0 Prozent auf 22,00 Euro im Minus, Aktien von Volkswagen  verloren mit 0,2 Prozent auf 305,58 Euro am wenigsten.

Die Börsianer seien erleichtert, dass Präsident George W. Bush die Notbremse zog, als die US-Autobranche auf den Abgrund zuschoss, hieß es auf dem Parkett. Die knappe Andeutung, dass die ums Überleben kämpfenden Konzerne doch noch mit Milliarden aus dem Rettungsfonds für die Finanzbranche gestützt werden könnten, reichte für das allgemeine Aufatmen schon aus.

Offener Machtkampf zwischen Continental und Schaeffler

Von Entspannung kann bei Continental  unterdessen keine Rede sein: Dort werden die Töne im Zusammenhang mit der Übernahme durch Schaeffler immer schärfer. Die Schaeffler-Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler wies Spekulationen zurück, wonach die von ihrem Unternehmen geplante Milliardenübernahme des Autozulieferers am Widerstand der kreditgebenden Banken scheitern könnte: "Die Kredite haben wir. Die Banken stehen weiter zu der Idee und zu uns", sagte Schaeffler in einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstagausgabe).

Continental hatte zuvor schwere Vorwürfe gegen das fränkische Familienunternehmen erhoben und kritisiert, Schaeffler mische sich in Geschäftsverhandlungen ein. Die Conti-Aktien gingen mit minus 8,8 Prozent auf 34,10 Euro als schwächster Dax-Wert ins Wochenende.

Bankaktien unter Druck

Auch die Aktien der Deutschen Bank  kamen deutlich unter Druck und verloren 4,9 Prozent auf 26,52 Euro. Zwischenzeitlich waren die Titel bis auf 25,10 Euro gefallen. Händler verwiesen auf Spekulationen über einen Verlust im Eigenhandel in Höhe von einer Milliarde Euro. Ein Sprecher der Bank wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren.

Auch die übrigen Bankenwerte gaben nach. Aktien der Commerzbank  fielen um 6,9 Prozent auf 6,66 Euro, Papiere der Postbank schlossen 2,9 Prozent im Minus auf 13,29 Euro. Die Finanzkrise scheint in den USA kein Ende zu nehmen und auch der Chef der US-Bank J. P. Morgan Chase, Jamie Dimon, sieht im laufenden vierten Quartal keine Entspannung. Der November sei ein "schrecklicher" Monat im Handelsgeschäft gewesen und auch der Dezember laufe schlecht, sagte Dimon. "Es wird ein hartes Quartal." Ein Händler sagte: "Das ist klar negativ und drückt erneut auf die Stimmung für Bankaktien." Zudem plant die Bank of America  nach der Integration von Merrill Lynch einen Stellenabbau von 30.000 bis 35.000 Arbeitsplätzen in den kommenden drei Jahren.

ThyssenKrupp bereitet Kurzarbeit in der Stahlsparte vor

Der Industriekonzern ThyssenKrupp  bereitet sich auf Kurzarbeit in seiner Stahlsparte vor. "Es hat dazu bereits erste Gespräche zwischen Konzern und Betriebsrat gegeben", sagte ein Arbeitnehmervertreter dem "Handelsblatt". Voraussichtlich zum Februar, spätestens aber zum März müsse in einigen Bereichen Kurzarbeit eingeführt werden. Die Aktien verloren 2,9 Prozent auf 16,59 Euro. "Die Aktien von ThyssenKrupp fallen im Einklang mit den übrigen Titeln der Branche", sagte Analyst Christian Obst von der Unicredit. Die Ankündigung der Kurzarbeit komme nicht überraschend.

Analystenkommentar belastet Bechtle-Aktie

Bechtle-Aktien  gaben nach einer negativen Studie 7,6 Prozent auf 11,04 Euro ab. Der IT-Dienstleister wurde von den Merrill-Lynch-Analysten von "Buy" auf "Underperform" heruntergestuft. Analyst Jan Ramsperger verwies auf die Unsicherheit, die den Ausblick für das vierte Quartal 2008 und das kommende Jahr belaste.

Euro steigt auf höchsten Stand seit zwei Monaten

Der Euro  hat seinen Aufwärtskurs auch am Freitag fortgesetzt und ist auf den höchsten Stand seit fast zwei Monaten gestiegen. In der Spitze stieg die europäische Gemeinschaftswährung auf 1,3415 Dollar. Mehr hatte der Euro zuletzt Mitte Oktober gekostet. Am späten Nachmittag wurden für den Euro dann noch 1,3375 Dollar bezahlt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,3340 (Donnerstag: 1,3215) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete 0,7496 (0,7567) Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa, ap, ddp und reuters

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