Montag, 19. August 2019

Kolumne Immobilienaktien unter Feuer

Nichts außer roten Zahlen haben sich Anleger auf Jahressicht mit ihren Aktieninvestments eingebrockt. Wer auf Immobilientitel setzte, musste teilweise fast 90 Prozent Kursverluste hinnehmen. Genau der richtige Zeitpunkt für antizyklische Investments, meint Börsenexperte Thomas Grüner.

Kaum ein Bereich bleibt derzeit von Verlusten in historischen Dimensionen verschont. Die Kurse der Bauwerte Bilfinger Berger Börsen-Chart zeigen, Hochtief Börsen-Chart zeigen oder Wienerberger Börsen-Chart zeigen beispielsweise sind binnen Jahresfrist zwischen 65 Prozent und 80 Prozent gefallen – mehr als der Durchschnitt der großen Indizes. Und sie stehen exemplarisch für das gesamte Immobiliensegment an der Börse: Die Aktien der Immobilienspezialisten von Estavis Börsen-Chart zeigen, Colonia Real Estate Börsen-Chart zeigen und der IVG Immobilien Börsen-Chart zeigen haben auf Jahressicht gar zwischen 87 und 85 Prozent ihres vorherigen Wertes eingebüßt.

Schlussverkauf im Immobiliensektor: Die Preise für Eigenheime sinken
Sogar der durchschnittliche Kursverlust der 20 Immobilienaktien im deutschen Prime Standard beträgt mit etwa 65 Prozent nahezu 25 Prozent mehr als das Minus des Frankfurter Vorzeigeindexes Dax Börsen-Chart zeigen. Und die Talfahrt der Immobilienaktien ging ohne Rücksicht auf die Börsengröße der Unternehmen voran, ihrer so genannten Marktkapitalisierung. Branchengrößen wie die Gagfah Börsen-Chart zeigen mussten seit Januar ebenso überdurchschnittliche Kursverluste von mehr als 64 Prozent hinnehmen, wie kleinere Branchenvertreter, etwa Alstria Office Börsen-Chart zeigen.

Die globale Finanzkrise sorgt aber nicht nur an den Börsen für chaotische Zustände. Auch die realen Immobilienmärkte sind betroffen. In den USA spitzt sich die Lage am Hypothekenmarkt zu. Eine Abwärtsspirale ist im Gang. Obwohl sich die Kreditkonditionen in den vergangenen Monaten deutlich verbessert haben, geraten immer mehr US-Bürger in Zahlungsschwierigkeiten. Der rasante Anstieg der Arbeitslosigkeit verschärft die Lage zusätzlich. Die Anzahl der Zwangsversteigerungen steigt beständig. Dies wiederum verstärkt das ohnehin schon große Angebot an Wohnimmobilien – der Preisverfall wird dadurch zusätzlich angeheizt.

Kursverluste im hohen zweistelligen Bereich: Immobilienaktien gehören zu den besonders betroffenen Anteilsscheinen in der Finanzkrise
manager-magazin.de
Kursverluste im hohen zweistelligen Bereich: Immobilienaktien gehören zu den besonders betroffenen Anteilsscheinen in der Finanzkrise

Die Krise schwappt zunehmend auf Europa und auch Deutschland über. Hypotheken mit fünf Jahren Laufzeit und solche mit 10-jähriger Bindungsfrist sind derzeit mit nominal 3,75 Prozent sowie 3,95 Prozent extrem günstig und notieren nahe ihrer historischen Tiefstände. Während sich bei Kreditvermittlern die Hypothekenzinsen im freien Fall befinden, fehlt Investoren der Mut, diese Krise zu nutzen. Ein Käuferstreik ist zu beobachten, ähnlich wie an den Aktienmärkten.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung