Mittwoch, 18. September 2019

Gewinnwarnung Conti nimmt alles zurück

Umsatz, Gewinn, Dividende - der Autozulieferer Continental senkt ein Geschäftsziel nach dem anderen. Für 2008 könnte die Ausschüttung an Aktionäre ganz ausfallen. Eine Milliardenabschreibung auf den eigenen Unternehmenswert wird bereits einkalkuliert. Die Kürzung der Dividende trifft zunächst den neuen Eigentümer Schaeffler.

Hannover - Der vor der Übernahme durch das Familienunternehmen Schaeffler stehende Automobilzulieferer Continental Börsen-Chart zeigen hat die Gewinnprognose gesenkt und will die Dividende streichen. Es werde erwogen, von der Auszahlung einer Dividende für das Geschäftsjahr 2008 abzusehen, um den konsequenten Abbau der Finanzverbindlichkeiten zu unterstützen, teilte das Unternehmen am Mittwoch nach einer Aufsichtsratssitzung in Hannover mit. Zudem beschloss das Kontrollgremium, den Vertrag des Vorstandsvorsitzenden Karl-Thomas Neumann um fünf Jahre zu verlängern.

Continental: Das Kerngeschäft mit Reifen steht zum Verkauf
Zugleich verschärfen die Niedersachsen ihren Sparkurs. Ausgaben in Forschung und Entwicklung werden auf die lange Bank geschoben. "Wir hauen die Bremse rein", sagte ein Unternehmenssprecher. "Die Produktionskürzungen unserer Kunden im vierten Quartal waren stärker als erwartet", sagte Neumann mit Blick auf die wochenlang stillstehenden Bänder bei Daimler Börsen-Chart zeigen, BMW Börsen-Chart zeigen, Volkswagen Börsen-Chart zeigen, Opel und Co.

Um trotz der auch für das kommende Jahr trüben Aussichten den Milliarden-Schuldenberg durch die Übernahme von Siemens VDO abzubauen, würden die Hannoveraner gerne auch den Aktionärsbonus für 2009 streichen, erklärte Finanzvorstand Alan Hippe. Ein möglicher Verzicht auf Dividendenzahlungen würde den Schuldenabbau "zusätzlich beschleunigen".

Für 2007 hatte Conti noch eine Dividende von zwei Euro pro Aktie gezahlt. Treffen dürfte der Ausfall der Dividende vor allem den neuen Großaktionär Schaeffler. Der fränkische Familienkonzern besitzt direkt knapp ein Fünftel an dem weltweit fünftgrößten Automobilzulieferer. Inklusive der im Rahmen des gut 12 Milliarden Euro schweren Übernahmeangebots bereits angedienten Aktien hat Schaeffler jedoch Zugriff auf mehr als 82 Prozent der Conti-Papiere. Eine üppige Dividendenzahlung hätte die Finanzierung der Übernahme erleichtert.

Wegen der "deutlichen Negativentwicklung der vergangenen sechs Wochen in der Automobilindustrie" wurde die Erwartung bei der operativen Marge erneut gesenkt. "Auf Basis der jetzt vorliegenden Daten wird für das aktuelle Geschäftsjahr 2008 eine Ebit-Marge von 7,5 bis 8,0 Prozent als erreichbar angesehen", hieß es. Die Ebit-Marge sei dabei um Abschreibungen auf den Wert von übernommenen Unternehmen sowie um Restrukturierungs- und Integrationsaufwendungen zu bereinigen.

Continental hatte erst im September das Ziel für die Ebit-Marge auf rund 8,5 Prozent zurückgenommen. Ursprünglich wollte Conti 9,3 Prozent erreichen, 2007 hatte die Marge 10,5 Prozent betragen. Zudem senkte das Unternehmen im Oktober die Umsatzprognose.

Continental rechnet wegen der weltweiten Branchenkrise zudem im laufenden Jahr bereits mit Abschreibungen auf den Unternehmenswert von bis zu einer Milliarde Euro in der Sparte Automotive. Aufgrund der nach wie vor robusten Entwicklung in der Reifensparte rechnet Conti jedoch mit einem "substanziellen Free Cashflow" im laufenden Jahr. Dies trage neben den Zuflüssen aus den bislang vorgenommenen Verkäufen von Unternehmensteilen (unter anderem das EMD-Geschäft an Brose) und der nahezu vollständigen Wandlung der ursprünglich bis Mai 2011 laufenden Wandelanleihe dazu bei, trotz der widrigen Marktlage die Nettofinanzverschuldung spürbar zu verringern.

Übernahme erleichtert

Aktienhändler werteten dies positiv. "Die Gewinnwarnung ist keine Überraschung mehr, Conti schreibt alles ab, was geht, das ist gut für den Übernahme-Deal. Die Steuerbelastung sinkt und die Verbindlichkeiten werden reduziert." Zudem laufe die Reifensparte sehr gut und das erhöhe die Chance, diese Sparte zu verkaufen. Nach einem kurzen Einbruch stiegen die Aktien am Mittwochnachmittag wieder deutlich ins Plus.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, ddp, dow jones und reuters

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