Q-Cells Schatten über der Solarbranche

Eine Gewinnwarnung des Solarzellenherstellers Q-Cells schockiert die Anleger. Nach nur einem Monat hat der Weltmarktführer seine optimistische Prognose kassiert und die geplante Expansion verschoben. Der Aktienkurs bricht um 20 Prozent ein, auch andere Titel der Branche geraten unter Druck.

Bitterfeld - Die Wachstumskrise der Sonnenenergiebranche hat den weltgrößten Solarzellenhersteller Q-Cells erreicht. Das Unternehmen kassierte am Dienstag seine erst vor einem Monat angehobenen Erwartungen und schickte damit die Aktien der gesamten Branche auf Talfahrt. Eine Reihe von Kunden habe die Abnahme vereinbarter Mengen in den vergangenen Tagen auf das nächste Jahr verschoben, teilte die im Technologie-Index TecDax gelistete Q-Cells in Bitterfeld mit.

Grund seien Unsicherheiten sowie eine schwächere Marktnachfrage im Zusammenhang mit der Finanzkrise. Q-Cells habe kurzfristig keine anderen Abnehmer gefunden. Das Produktionsvolumen im Kerngeschäft werde daher 2008 nur noch um 46 Prozent auf eine Spitzennennleistung von 570 statt auf 585 Megawattpeak (MWp) wachsen.

Beim Umsatz erwartet das Unternehmen nun ein Wachstum um 43 Prozent auf 1,225 Milliarden Euro statt der bisher anvisierten auf 1,35 Milliarden Euro. Der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde nur auf 205 Millionen Euro steigen statt auf 260 Millionen Euro. Unter dem Strich soll der Überschuss auf 185 Millionen Euro zulegen, bisher waren 215 Millionen Euro angepeilt.

Auch das neue Jahr werde schlechter beginnen als erwartet und daher insgesamt nicht mehr ganz so gut verlaufen wie gedacht. Die Produktion werde zwischen 800 Megawatt und einem Gigawatt Spitzenleistung betragen - bisher hatte Q-Cells mindestens ein Gigawatt in Aussicht gestellt. Der Umsatz werde zwischen 1,75 und den ursprünglich angepeilten 2,25 Milliarden Euro liegen.

Für eine "gewisse Zeit" werde Q-Cells auf Neueinstellungen verzichten, sagte Finanzvorstand Hartmut Schüning. Im ersten Halbjahr 2009 erwartet Q-Cells lediglich ein Umsatzwachstum von 10 Prozent, im Gesamtjahr von 40 Prozent. Die Erlöse in den ersten sechs Monaten sollen lediglich ein Drittel vom Gesamtumsatz 2009 ausmachen, ehe im zweiten Halbjahr die Geschäfte wieder besser laufen sollen. Q-Cells will die Weihnachtstage und den Jahreswechsel für Wartungsarbeiten und den Abbau von Überstunden nutzen.

Erst im November hatte Q-Cells seine Prognosen angehoben und sie noch vor einer Woche bestätigt. Vorstandschef Anton Milner hatte allerdings schon gewarnt, der Markt für Photovoltaik werde wegen der Finanzkrise langsamer wachsen als erwartet. Da niemand im Solarsektor seine Pläne mit Eigenmitteln verwirklichen könne, die Banken aber bei der Kreditvergabe deutlich zurückhaltender seien, gebe es einen Stopp beim Bau von Fertigungsanlagen.

Die Q-Cells-Aktie brach um mehr als 20 Prozent ein und war damit größter Verlierer im TecDax, der 3 Prozent ins Minus rutschte. Mit ebenfalls zweistelligen Abschlägen gerieten die Papiere der Solartechnikfirmen SMA Solar, Manz Automation und Solarworld in den Sog von Q-Cells. Die im Nebenwerte-Index MDax gelisteten Papiere des Silizium-Herstellers Wacker Chemie fielen um 8 Prozent und waren damit größter Verlierer in dem Index. Silizium ist der wichtigste Rohstoff für Solarzellen. Wacker betonte allerdings, von der Schwäche in der Solarbranche nicht beeinträchtigt zu sein. Stornierungen gebe es nicht.

"Die Prognosesenkung war sehr stark", sagte Marktanalyst Heino Ruland von FrankfurtFinanz. "Wenn schon der Marktführer solche Probleme bekommt, wie sieht es dann erst bei den anderen aus?"

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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