Vodafone "Mannesmann führt Aktionäre in die Irre"

"Irreführung" und "Falschinformation" der Aktionäre warf Vodafone am Montag dem Mannesmann-Vorstand vor. Die Düsseldorfer locken ihre Anteilseigner unterdessen mit der Aussicht auf ein Gewinnsprung von 1,2 Milliarden Euro jährlich durch den Orange-Zukauf - allerdings nur wenn Mannesmann unabhängig bleibe.

Düsseldorf - Bei dem derzeit per Pressemitteilungen und Zeitungsinterviews ausgetragenen Gefecht dreht es sich vor allem um regulatorische und steuerrechtliche Fragen. So betonte der britisch-amerikanische Mobilfunkbetreiber Vodafone AirTouch, keine Barzahlung an die Minderheitsaktionäre des deutschen Konzerns leisten zu müssen. Denn dass zur Übernahme von Mannesmann ein Beherrschungsvertrag nötig sei, der eine 75-prozentige Hauptversammlungsmehrheit vorausetzen würde, sei schlichtweg falsch, so Vodafone.

Vodafone brauche lediglich mehr als 50 Prozent der Aktionärsstimmen, um die britische Mobilfunkfirma Orange wieder von Mannesmann abzutrennen. Denn mit der einfachen Mehrheit würde Vodafone die Leitungsmacht erlangen. Der Vorstandsvorsitzende der Düsseldorfer, Klaus Esser, hatte Anfang Januar erklärt, für die vollständige Kontrolle über Mannesmann könnte Vodafone gezwungen sein, 60 Milliarden Euro an Barmitteln aufzuwenden.

Vodafone erklärte weiter, man gehe nach eingehender Prüfung von einer schnellen Trennung von Orange aus. Das Unternehmen will den britischen Mobilfunkbetreiber von der Mannesmann-Gruppe abtrennen und ihn an die Aktionäre des gemeinsamen Unternehmens übertragen. Die fortbestehende Mannesmann-Gruppe werde dafür "angemessen und gerecht abgefunden", so dass keiner der verbleibenden Minderheitaktionäre einen Wertverlust erleiden werde. Die geplante schnelle Trennung von Orange setze aber die Kooperation des Mannesmann-Managements voraus, das diese zugesagt habe, falls mehr als 50 Prozent der Aktionäre das Umtauschangebot annähmen.

Ferner rechnet Vodafone damit, dass nur ein geringer Teil der Mannesmann-Aktionäre in Deutschland bei Annahme des Umtauschangebots ihren Veräußerungsgewinn versteuern müssen. Mit der Annahme der Tauschofferte fielen die Mannesmann-Anteilseigner unter die Regelung zur einjährigen Spekulationsfrist.

Auch ein beträchtlicher Teil der US-Anteilseigner muss nach Darstellung von Vodafone voraussichtlich keine Steuern zahlen. Man gehe davon aus, dass ein großer Teil steuerbefreit sei. Außerdem betonte Vodafone, die Aktionäre des geplanten gemeinsamen Unternehmens unterlägen nicht der britischen Stempelsteuer beziehungsweise Stempelersatzabgabe. Für deutsche Aktionäre seien Vorkehrungen für den Handel an der Londoner Börse getroffen worden, so dass sie ihre Anteilscheine ohne Beschränkungen verkaufen könnten, da der Erwerber die Stempelsteuer zahlen müsse. Sollten die Aktionäre die Papiere jedoch zum Handel nach Deutschland übertragen lassen - ein weniger liquider Markt für Vodafone-Aktien - so fiele eine Stempelersatzabgebe von 1,5 Prozent an.

Die wettbewerbsrechtliche Fragen sehen die Berater von Vodafone den Angaben zufolge als unproblematisch an. Die EU-Kommission in Brüssel habe keinen Grund, den geplanten Zusammenschluss in die Prüfphase zwei zu geben. Alle wettbewerbsrechtlichen Fragen ließen sich innerhalb der Phase eins klären, die maximal zwei Monate dauern sollte. Mit Orange wolle Vodafone so wie seinerzeit bei der Trennung von seinen E-Plus-Anteilen verfahren.

Mannesmann veröffentlichte derweil Daten zu den erwarteten Synergieeffekten durch den Zusammenschluss mit Orange. Der Konzern erwartet, dass der Gewinn vor Steuern des Düsseldorfer Telekommunikationsunternehmens ab 2003 um jährlich über 1,2 Milliarden Euro steigt. Voraussetzung sei allerdings, dass das Unternehmen unabhängig bleibe, erklärte Mannesmann am späten Montagnachmittag. Eine Milliarde Euro der Synergien resultierten aus Umsatzzuwächsen, 200 Millionen Euro stammten aus Einsparungen bei betrieblichen Aufwendungen und Investitionen. Detailliert will Mannesmann die Synergien in der Stellungnahme zum Übernahmeangebot von Vodafone am 14. Januar 2000 erläutern.