AOL Time Warner Fusion findet gemischtes Echo

Die Megafusion zwischen dem größten Internetdienst und dem größten Medienmulti zeigt, wie das Cyber-Business künftig aussehen könnte. Analysten bewerten den Zusammenschluss aber auch skeptisch.

Frankfurt am Main - Die "Merger-Mania" im Internetgeschäft hat einen neuen Höhepunkt gefunden. Während es 1999 nur relativ kleine Zusammenschlüsse wie beispielsweise zwischen AtHome und Exite oder Yahoo und Geocities gab, erreicht der am Montag bestätigte Zusammenschluss zwischden dem Internetprovider America Online (AOL) und dem Medienkonzern Time Warner ein neue Dimension. Mit dieser Fusion, die durch einen milliardenschweren Aktientausch vollzogen wird, entsteht der nach Marktkapitalisierung größte Medienkonzern der Welt.

Andre Köttner, Fondsmanager von Union Investment geht diesen Zusammenschluss ritisch an. Nach seiner Einschätzung zahlt AOL eine stolze Prämie für Time Warner. Die Fusion könnte ferner signalisieren, dass AOL mittelfristig mit einer Wachstumsverlangsamung rechnet und daher seinen hohen Aktienkurs zur Finanzierung dieses Deals nutzen wolle. Außerdem deute sich an, dass AOL verstärkt mit Unternehmen wie NetZero konkurriere, die einen kostenlosen Internetzugang anböten.

"AOL ist damit aber auch kein reines Internetplay mehr", heißt es bei Köttner. Obwohl das Papier derzeit nicht mehr kaufenswert erscheine, könnte die Aktie zukünftig für "konservative Investoren interessant" werden, die sich mit hoch bewerteten reinen Internetunternehmen nicht mehr wohl fühlen. Anderseits schließt Köttner aber auch einen kurzfristigen Druck auf die Aktie nicht aus.

Wie Köttner weiter ausführte, werde der neu fusionierte Konzern die siebtgrößte Komponente im S& P 500-Index werden. Im Hinblick auf die Auswirkung dieser Fusion auf die Branche erwartet er, dass Internetunternehmen wie AOL ihre Bewertung nützen konnten um sich entsprechenden Content einzukaufen. Hier habe der Internetanbieter mit der Übernahme von Time Warner wohl eine Vorreiterrolle eingenommen.

Demgegenüber steht Matthias Frasch, Analyst der DG Bank der Übernahme optimistisch gegenüber. Mit Blick auf die verhaltenene Kursbewegung von AOL begreife der Markt gegenwärtig noch nicht die strategische Bedeutung dieses Deals, so der Experte. Mit den Markennamen wie CNN, Netscape oder Warner Miusic im Rücken sollte es dem neuen Konzern gelingen, zum führender Medienkonzern des nächsten Jahrtausends aufzusteigen. Vor diesem Hintergrund belässt der Analyst auch sein "Outperform"-Rating für die Aktie. Da AOL am Abend eine Telefonkonferenz abhalte, behielt sich Frasch eine genauere Einschätzung zunächst vor.

In den Stunden nach Bekanntgabe der Mega-Fusion im amerikanischen Mediensektor kletterten Time Warner am Montag von 28 auf rund 92 Dollar. AOL konnten lediglich um einen auf rund 74 Dollar anziehen.