Bündnis für Arbeit Neues Hickhack um Kompromiss-Auslegung

Nur einen Tag nach dem als Durchbruch gefeierten Treffen zum Bündnis für Arbeit befinden sich die Tarifpartner wieder im Dauerzwist. Die Auslegung der gestern getroffenen Vereinbarung klafft deutlich auseinander.

Berlin - Die Metall-Arbeitgeber warnten die IG Metall davor, die Forderung nach einer Rente mit 60 in den anstehenden Tarifverhandlungen durchsetzen zu wollen. Gesamtmetall-Präsident Werner Stumpfe sagte, es könnten Regelungen zur Arbeitsumverteilung, nicht aber zur Rente mit 60 getroffen werden. Die Arbeitgeber hätten immer wieder darauf hingewiesen, dass die Rente mit 60 mit ihnen nicht zu vereinbaren sei, sagte Stumpfe dem ZDF-Wirtschaftsmagazin "WISO".

Für IG-Metall-Chef Klaus Zwickel ist die Rente mit 60 dagegen nicht vom Tisch. Er geht davon aus, dass seine Gewerkschaft den Arbeitgebern folgendes Modell vorschlagen wird: Arbeitnehmer in der Metallbranche sollen mit 60 Jahren in Rente gehen können, wenn sie mindestens 35 Versicherungsjahre vorweisen können. Die Finanzierung der Rentenabschläge sollten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zur Hälfte teilen. Die Verabredung vom Sonntag eröffne die Chance für eine qualitative Tarifpolitik, sagte er im ZDF-"Morgenmagazin". Davon verspricht er sich 100.000 Arbeitslose weniger.

DGB-Chef Dieter Schulte sagte im InfoRadio Berlin-Brandenburg, die Vereinbarungen im Bündnis für Arbeit vom Sonntag bedeuteten nicht automatisch mehrjährige Tarifverträge. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sieht die Probleme zwar noch nicht ganz gelöst, äußerte sich im Deutschlandfunk aber zuversichtlich, dass nun die nächsten Tarifrunden eine positive Auswirkung auf den Arbeitsmarkt haben könnten.

Im WDR sagte Stumpfe, die Arbeitgeber strebten nun deutlich längere Tarifvertragslaufzeiten an. Abschlüsse sollten nicht kürzer als drei Jahre gelten. Schon jetzt gebe es Tarifverträge mit Laufzeiten von drei Jahren. Zwickel habe auch schon fünfjährige Tarifverträge als möglich angekündigt, erinnerte Stumpfe. Außerdem hofft er, dass sich beide Seiten an die Absprachen im Rahmen des Bündnisses für Arbeit halten und die Löhne nur in Höhe der Produktivitätsentwicklung steigen lassen.

Aus der IG-Metall heißt es allerdings am Montag, die Forderung der Gewerkschaft werde bei deutlich über vier Prozent liegen.