Stützungsaktion Fed pumpt 800 Milliarden in Kreditmarkt

Die US-Notenbank will mit zwei weiteren, milliardenschweren Hilfspaketen erreichen, dass der derzeit eingefrorene Kreditmarkt für Hausbaudarlehen sowie für Verbraucher- und Unternehmenskredite wieder in Gang kommt. Die Aktion zeigt, wie groß die Probleme in diesem Sektor inzwischen sind.

Washington - Die US-Regierung und die Notenbank Fed wollen in den kommenden Wochen bis zu 800 Milliarden Dollar (625 Milliarden Euro) in die Finanzmärkte fließen lassen, um die stockende Vergabe von Krediten in Schwung zu bringen. Wie die Federal Reserve am Dienstag mitteilte, will sie dafür zwei weitere Programme zum Aufkauf bestimmter forderungsbesicherter Wertpapiere auflegen.

Auf dem krisengeschüttelten Häusermarkt zielt das Programm darauf ab, Anleihen der größten US-Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac sowie der "Federal Home Loan Banks" anzukaufen. Darüber hinaus will die Fed Anleihen kaufen, die durch Forderungen der drei öffentlichen Hypothekenbanken gedeckt sind. Die Maßnahmen sollen die Kosten der Kreditvergabe reduzieren, die Verfügbarkeit von Hausbaudarlehen sicherstellen und damit den Häusermarkt stützen. Das geplante Ankaufsvolumen beziffert die Fed auf insgesamt 600 Milliarden Dollar.

Unter dem zweiten Programm "Term Asset-Backed Securities Loan Facility" (TALF) will die Notenbank Wertpapiere aufkaufen, die mit Verbraucher- und Unternehmenskrediten besichert sind. Das Programm hat einen Umfang von bis zu 200 Milliarden Dollar. Damit soll die Verfügbarkeit von Krediten für Verbraucher und kleine Unternehmen gestützt werden. Von der Stärkung dieses Marktes sollten Verbraucher und kleine Unternehmen profitieren, indem etwa die Vergabe von Auto- und Studienkrediten oder Kreditkartendarlehen wieder in Gang kommt.

Autokreditmarkt "zum Stillstand gekommen"

Dieser Markt sei im Oktober "praktisch zum Stillstand gekommen", hieß es in einer Erklärung. Die Schwierigkeiten der Verbraucher bei der Kreditvergabe behindere die Erholung der Konjunktur.

Die jüngsten Konjunkturdaten geben einen Hinweis darauf, warum die Fed mit aller Kraft versucht, den eingefrorenen US-Kreditmarkt wieder in Gang zu bringen.

Die amerikanische Wirtschaft ist im dritten Quartal so stark geschrumpft wie seit sieben Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei im dritten Quartal mit einer hochgerechneten Jahresrate von 0,5 Prozent geschrumpft, teilte das US-Handelsministerium am Dienstag in Washington mit. Noch vor einem Monat hatte die Behörde auf dieser Basis von einem Minus von 0,3 Prozent gesprochen.

Wachstumseinbruch im dritten Quartal

Im zweiten Quartal war die US-Wirtschaft mit einer hochgerechneten Jahresrate von 2,8 Prozent gewachsen. Der Wachstumseinbruch im dritten Quartal ist den Angaben zufolge vor allem auf schwache Konsumausgaben zurückzuführen. Dabei sanken Ausgaben der privaten Haushalte auf Quartalssicht mit 3,7 Prozent stärker als ursprünglich mit 3,1 Prozent angegeben. Besonders ausgeprägt war der Einbruch bei langlebigen Gütern. Hier wurde ein Einbruch um 15,2 (bisher 14,1) Prozent verzeichnet. Die Konsumausgaben machen etwa zwei Drittel der amerikanischen Wirtschaftsleistung aus.

Zur Ankurbelung der Wirtschaft hatte der gewählte US-Präsident Barack Obama bereits am Montag ein massives Konjunkturprogramm angekündigt, dass nach Medienberichten ein Volumen von 500 bis 700 Milliarden Dollar haben könnte. Innerhalb der nächsten zwei Jahre sollen 2,5 Millionen Jobs geschaffen oder bedrohte Arbeitsplätze gesichert werden. Geplant seien Investitionen in die Infrastruktur, in Schulen sowie in alternative Energieprojekte.

manager-magazin.de mit Material von dpa und afp