Geldanlage Anleger flüchten aus Geldmarktfonds

Die Investmentfondsbranche hat einen katastrophalen Monat hinter sich. Im Oktober wurde aus den Fonds von DWS, Union Investment und Co. so viel Geld abgezogen, wie nie zuvor. Auch der Ausblick sieht nicht rosig aus: Der Branchenverband BVI rechnet bei anhaltenden Abflüssen mit Fondsfusionen, Gewinneinbußen und Jobabbau.

Hamburg - Der Oktober 2008 war der Monat mit den höchsten Mittelabflüssen bei offenen Investmentfonds in Deutschland seit Erhebung der Zahlen durch den Bundesverband Investment und Asset Management (BVI). Das sagte BVI-Hauptgeschäftsführer Stefan Seip bei einem Pressetermin in Hamburg. Laut Seip sollen konkrete Zahlen morgen veröffentlicht werden, das historische Ausmaß der Abflüsse sei aber schon erkennbar.

Klar sei zudem bereits: Die Geldmarktfonds gehören zu den größten Verlierern des abgelaufenen Monats. Als Hauptgrund nannte Seip die Garantie, die die Bundesregierung für Bankeinlagen ausgesprochen habe. Dadurch seien die bis dato ebenfalls als "sicherer Hafen" genutzten Geldmarktfonds ins Hintertreffen geraten, Gelder seien massiv abgezogen worden. Zudem habe die Steuerdiskussion im Sommer dieses Jahres eine Rolle gespielt, nach der klar sei, dass steueroptimierte Geldmarktfonds künftig einen Teil ihres Renditevorteils verlören, so Seip.

Die vorrübergehende Schließung einiger Geldmarktfonds habe dagegen bei der Entscheidung der Anleger gegen die Produkte vermutlich weniger eine Rolle gespielt, sagte der BVI-Mann. Hintergrund: Gleich zu Beginn der aufkommenden Finanzkrise waren schon im Jahr 2007 eine Reihe von ABS-Fonds vorübergehend geschlossen worden. Die Fonds hatten sich unter anderem am Markt für verbriefte Kredite engagiert. Diese Papiere erwiesen sich unmittelbar nach Beginn der Vertrauenskrise auf den Finanzmärkten als schwer handelbar.

Auch durch die ab dem kommenden Jahr gültige Abgeltungssteuer, die Investments noch in diesem Jahr unter bestimmten Umständen attraktiv erscheinen lässt, hat die Branche laut Seip bislang keinen Rückenwind erhalten. "Der Abgeltungssteuerboom ist ausgeblieben und er wird auch nicht mehr kommen", sagte er. Der BVI blickt nicht sehr optimistisch auf die kommenden Monate. "Die Branche ist von der aktuellen Krise hart getroffen", so Seip. "2009 wird ein schweres Jahr."

Setzt sich der Trend fort, so kann es nach Ansicht des BVI-Hauptgeschäftsführers im kommenden Jahr verstärkt zu Fondsschließungen oder -zusammenlegungen kommen. Ebenso könnten die Fondsanbieter bei anhaltenden Mittelabflüssen selbst in Schwierigkeiten geraten, da sie umfangreiche Kostenblöcke aufgebaut hätten. "Das betrifft auch große Gesellschaften", so Seip. Allerdings habe die Branche generell "viel Speck auf den Rippen", in den meisten Fällen werde es daher lediglich zu einem Rückgang der zuletzt hohen Gewinne kommen.

Laut Seip ist in der Investmentfondsbranche im kommenden Jahr auch mit einem Arbeitsplatzabbau zu rechnen. "Es wird keine Entlassungswellen geben", sagte der BVI-Mann. Es sei aber zu erwarten, dass Stellen beispielsweise nicht neu besetzt würden.

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