Vorschlag "Macht den Dezember mehrwertsteuerfrei"

Wie schön wäre es, wenn man rechtzeitig zum Weihnachtseinkauf keine Mehrwertsteuer zahlen müsste - und zwar einen Monat lang. Eine abwegige Idee? Keinesfalls - diese Radikalmaßnahme würde sofort und massiv auf den Konsum durchschlagen.

Der Vorschlag: Die Mehrwertsteuer wird für den Dezember ausgesetzt.

Wirkung: Sofort und massiv. Ich habe am Wochenende einige Verbraucher befragt. Diese Radikalmaßnahme würde vom ersten Tag an voll durchschlagen.

Kosten: Mehrwertsteuer-Einnahmen pro Jahr etwa 160 Milliarden Euro, ein Zwölftel davon wären 13,3 Milliarden Euro. Wegen Vorzieheffekten etc. wäre der Ausfall höher als ein Zwölftel, maximale Schätzung 20 Milliarden Euro. Das ist nicht viel unter den gegebenen Umständen.

Unwirksamkeit marginaler Steuersenkungen: Die von England ins Auge gefasste Mehrwertsteuersenkung von 2,5 Prozent beziehungsweise der ähnliche heute vom Wirtschaftsweisen Bofinger gemachte Vorschlag bleiben meines Erachtens wirkungslos. Aus zwei Gründen: 1. Die Preissenkung ist zu gering. 2. Die Sofortwirkung fehlt. Abschätzung: 2,5 Prozent von 119 (= 100 + 19 Mehrwertsteuer) ergeben eine Preissenkung von 2,1 Prozent Annahme: Preiselastizität 0,3 (viel höher ist sie nicht bei diesen Daten), dann wäre die Absatzwirkung +0,7 Prozent, und das aufs Jahr verteilt. Das ist lächerlich gering. Bei Wegfall der Mehrwertsteuer rechne ich mit einem massiven und sofortigen Anspringen der Nachfrage, verstärkt durch das Weihnachtsgeschäft. Die Preiselastizität dürfte bei dieser massiven Preissenkung etwa 1,5 betragen, d.h. die Nachfrage würde im Dezember um 19/119x1,5 = 23,9 Prozent anspringen – alles in einem Monat und nicht über das Jahr verteilt. Der Konjunkturmotor käme sofort wieder ans Laufen.

Vorteile: Größter Vorteil ist die Sofortwirkung. Die Nachfrage ist derzeit gelähmt, diese Lähmung muss durch einen "Schuss" durchbrochen werden. Die Maßnahme würde alle Branchen treffen, also keine Branche würde bevorzugt (besser als bei meinem Autovorschlag). Der Vorteil liegt allerdings nur beim Verbraucher. Der Nachfrageeffekt dürfte aber schnell auch auf die Industriegüterbranchen durchschlagen. Zudem würde die Maßnahme alle Produkte proportional treffen, was im Hinblick auf die Auslastung der vorhandenen Kapazitäten erwünscht ist.

Risiken: Natürlich ist auch diese Radikalmaßnahme nicht ohne Risiken. Es wird Vorzieheffekte geben, also das Risiko, dass die Nachfrage anschließend wieder einbricht. Ob das schlimmer ist als die jetzige Situation, bezweifle ich. Es wird auch Betrügereien geben. Das muss man bei der konkreten Ausgestaltung antizipieren, aber ich halte das für eine Randerscheinung. Unser Problem ist nicht, was in einem halben Jahr sein wird, sondern dass die Nachfrage morgen anspringt. Ein weiteres Risiko besteht darin, dass die Anbieter den MWSt-Entfall nicht weiter geben. Doch der Wettbewerb und die Preiskenntnisse der Verbraucher dürften dafür sorgen, dass sich dieses Risiko in Grenzen hält.

Wünschenswert: Es wäre wünschenswert, wenn es zu einer international konzertierten Aktion käme. Das würde die positiven Effekte wesentlich verstärken.

Konkrete Ausgestaltung: Hier sind noch einige Hausaufgaben zu machen. Von der Logik sollte man die Bestellungen im Geltungszeitraum nehmen.

Absatzflaute: Eine radikale Lösung für die Autoindustrie

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