AOL Time Warner Verschmelzung der Giganten

Steve Case spürte den Hauch der Geschichte. "Das ist ein historischer Moment, in dem die neuen Medien wirklich erwachsen werden", bemerkte der Chef von America Online (AOL), nachdem sein Unternehmen die Fusion mit dem US-Medienriesen Time Warner verkündet hatte.

Los Angeles/Dulles - Der Zusammenschluss des weltgrößten Onlinedienstes mit dem weltgrößten Medienkonzern soll AOL Time Warner heißen, vereinbarten die Unternehmen. Branchenkenner erwarten, dass die Fusion weit reichende Auswirkungen auf die gesamte Medien- und Internet-Welt haben wird.

Mit der bislang größten Fusion im Bereich Online und Medien werden bekannte Medien- und Internet-Marken in einer Firmengruppe verschmelzen. In den USA betreibt Time Warner das zweitgrößte TV-Kabelnetz, das künftig von AOL auch für breitbandige Onlinedienste genutzt werden könnte. Außerdem erhält AOL durch die Fusion Zugriff auf die zahlreichen Inhalte aus der Time-Warner-Gruppe. Auf der anderen Seite würden die Time-Warner-Unternehmen mit der Hilfe von AOL ihre Internet- und E-Commerce-Angebote ausbauen können, die im Vergleich zu anderen großen Medienkonzernen noch unterentwickelt sind.

Die Aktionäre erhalten für jedes Papier von Time Warner 1,5 Aktien des neuen Unternehmens. Damit wurde die Time-Warner-Aktie mit 110,6 Dollar bewertet, 71 Prozent höher als der Schlusskurs am Freitag in New York. Die Inhaber von AOL-Aktien tauschen ihr Papier in eine Aktie der neuen Firma und halten zusammen 55 Prozent des Gemeinschaftsunternehmens. Gleichzeitig übernimmt AOL knapp 18 Milliarden Dollar Schulden von Time Warner.

Steve Case soll Verwaltungsratschef des neuen Online- und Medienkonzerns werden. Time-Warner-Boss Gerald Levin übernimmt den Vorstandsvorsitz.

AOL hat gegenwärtig bei einem Bruchteil des Umsatzes eine rund doppelt so hohe Marktkapitalisierung wie Time Warner. Beide Unternehmen zusammen sind, gemessen an der Marktkapitalisierung, rund 247 Milliarden Dollar (knapp 470 Milliarden Mark) wert. Davon entfallen 164 Milliarden Dollar auf den Onlinedienst und 83 Milliarden Dollar auf Time Warner.