Mannesmann Vivendi als Retter in der Not?

Naht mit dem französischen Konzern Vivendi ein "Weisser Ritter" für Mannesmann? Unternehmenschef Klaus Esser reiste Berichten zufolge zu einem Geheimtreffen nach Paris.

Paris - Spekulationen über neue Verbündete der Mannesmann AG bei ihrer Abwehr der geplanten Übernahme des Konzerns durch Vodafone Airtouch haben der Mannesmann-Aktie am Montag erneut Auftrieb beschert. Mannesmann stiegen am Montag kräftig auf 237 Euro, das sind 5,3 Prozent mehr.

Französische Zeitungen hatten berichtet, der Mischkonzern Vivendi wolle Mannesmann im Kampf gegen Vodafone beistehen. Mannesmann und Vivendi lehnten eine Stellungnahme zu diesen Spekulationen ab. Als solcher sogenannter "Weisser Ritter" kam vor knapp einem Jahr auch Telekom-Chef Ron Sommer der bedrängten Telecom Italia zur Hilfe. Allerdings entschieden sich die Grossaktionäre in letzter Minute doch noch für die Annahme des Olivetti-Angebots.

Mannesmann-Sprecher Manfred Söhnlein erklärte, an der Absicht des Konzerns, den unerwünschten Übernahmeversuch der britisch-amerikanischen Mobilfunkgesellschaft Vodafone ohne fremde Hilfe abzuwehren, habe sich nichts geändert.

Die zu Wochenbeginn insgesamt recht kauflustige Börse ließ sich dadurch indes nicht überzeugen. Der Bericht der französischen Zeitung "Le Figaro" über Vivendi als Retter in der Not sei die Geschichte am Markt gewesen, sagten Aktienhändler. Marktteilnehmer spekulierten, dass Mannesmann entweder die Vivendi-Mobilfunksparte Cegetel übernehmen könnte oder dass die beiden Konzerne eine Allianz zur Abwehr des feindlichen Übernahmeangebots von Vodafone AirTouch bilden könnten.

Mannesmann: Mit Vivendi finden immer mal wieder Gespräche statt

Mit Vivendi als langjährigem Partner fänden immer wieder mal Gespräche über die Zukunft statt, kommentierte der Mannesmann-Sprecher weiter. Mehr gebe es dazu nicht zu sagen. Mannesmann ist mit 15 Prozent an der Telekommunikationsholding Cegetel beteiligt. Eine Aufstockung dieses Anteils war von keiner Seite ausgeschlossen worden.

Als Spekulation bezeichnete der Mannesmann-Sprecher auch einen Pressebericht, wonach der Konzern die Kölner Telefongesellschaft NetCologne übernehmen will. Dort hieß es lediglich, man suche schon seit geraumer Zeit nach einem strategischen Partner. Noch sei aber nicht klar, ob die Gesellschafter (Mehrheitseigner ist noch der regionale Versorger GEW) die Mehrheit abgeben wollten. Mannesmann hatte erst zum Jahresende 1999 die Düsseldorfer Festnetzgesellschaft Isis gekauft.

Als nächster Zug im schon seit Wochen laufenden Poker um die Gunst der Mannesmann-Aktionäre steht am Dienstag eine Präsentation von Vodafone in London an. Dort will das Unternehmen eine Technik vorstellen, die die Nutzung des Internets über das Mobiltelefon ermöglicht. Am Freitag ist Mannesmann wieder am Zug. Dann wird ihre öffentliche und formelle Entgegnung auf das Umtauschangebot von Vodafone erwartet. Vodafone bietet 53,7 eigene Aktien gegen eine Mannesmann-Aktie. Das Angebot läuft noch bis zum 7. Februar.