Sonntag, 25. August 2019

MLP Retourkutsche gegen Swiss Life

Der Schweizer Lebensversicherer Swiss Life löst Optionen auf 24 Prozent der MLP-Aktien ein - und verliert den Finanzdienstleister prompt als Vertriebskanal. MLP will keine Swiss-Life-Produkte mehr verkaufen. Anstelle einer Partnerschaft herrscht zwischen den Unternehmen Schweigen.

Wiesloch - Der Finanzmakler MLP Börsen-Chart zeigen macht seinem ungeliebten Großaktionär Swiss Life Börsen-Chart zeigen weiter das Leben schwer und will keine Produkte des Versicherers mehr verkaufen. MLP setze die Produktpartnerschaft mit Swiss Life mit sofortiger Wirkung aus, teilte der Finanz- und Vermögensberater am Freitag in Wiesloch bei Heidelberg mit.

MLP-Zentrale in Wiesloch: "Jeglichen Anschein von Interessenkonflikten vermeiden"
"Um jeglichen Anschein von Interessenkonflikten in unserer Beratung zu vermeiden, setzen wir die Produktpartnerschaft für das Neugeschäft mit der Swiss Life bis auf weiteres aus", begründete MLP-Chef Uwe Schroeder-Wildberg den Schritt. Die Produkte der Swiss Life-Gruppe würden den Kunden nicht mehr aktiv empfohlen.

Zuvor hatte die Swiss Life bekannt gegeben, dass der Kauf von 24,30 Prozent der MLP-Aktien abgeschlossen wurde. So seien, wie im August angekündigt, 26,2 Millionen MLP-Aktien zu einem Durchschnittspreis von 11,72 Euro je Aktie erworben worden, was einem Kaufpreis von 307 Millionen Euro (rund 470 Millionen Schweizer Franken) zuzüglich Kosten und Gebühren entspreche, teilte der Versicherer am Freitag mit.

Der Schweizer Versicherer, zu dem bereits der MLP-Konkurrent AWD Börsen-Chart zeigen gehört, wollte im Sommer den Finanzvertrieb gegen dessen Willen übernehmen, scheiterte jedoch am Widerstand der Unternehmensspitze sowie des Großaktionärs und Aufsichtsratschefs Manfred Lautenschläger. "Wir begrüßen, dass die Swiss Life wie angekündigt ihren Anteil nicht weiter ausgebaut hat", sagte Schroeder-Wildberg. Beteiligungen über 10 Prozent muss MLP seinen Neukunden mitteilen, um auf Interessenkonflikte der Berater hinzuweisen.

Mit der Einstellung der Produktpartnerschaft habe Swiss Life keine Möglichkeit mehr, über MLP Geschäfte zu machen, hieß es bei dem Finanzmakler. Schon in den vergangenen Monaten hätten die MLP-Berater Swiss-Life-Produkte mit spitzen Fingern angefasst.

Eine Sprecherin von Swiss Life sagte, der Schritt sei keine Überraschung. MLP habe dies bereits im August angedeutet. "Wir bedauern das und wir sind der Meinung, dass unsere Beteiligung die Unabhängigkeit der Beratung nicht beeinträchtigt", sagte sie.

2007 setzte Swiss Life in Deutschland Versicherungspolicen mit einem Prämienvolumen von 2,1 Milliarden Franken (rund 1,4 Milliarden Euro) ab. Davon kamen den Angaben zufolge rund 20 Millionen Euro aus dem Vertrieb über MLP. Im ersten Halbjahr 2008 seien über MLP Prämien von 14 Millionen Euro abgerechnet worden. Swiss Life sei angesichts dessen von untergeordneter Bedeutung für MLP, sagte ein Sprecher in Wiesloch. An der Schweizer Börse gaben die Swiss-Life-Aktien 1,4 Prozent nach. Seit Jahresanfang liegt die Aktie damit 76 Prozent im Minus. Händler sagten, der Markt sei immer noch nicht von der MLP-Beteiligung überzeugt. "Die taktischen Überlegungen hinter dieser Teilakquisition sind sehr unklar", urteilte die Bank ZKB.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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