Hypo Real Estate Kein Land in Sicht

Im dritten Quartal hat die Hypo Real Estate drei Milliarden Euro verloren. Neben den hauseigenen Problemen belasteten die Lehman-Pleite, der Island-Kollaps und weitere Beteiligungen das Ergebnis. Selbst die staatliche Rettungsaktion bringt laut dem Vorstand weitere Verlusten. 2009 soll das Institut radikal umgebaut werden.

München - Der schwer angeschlagene Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE)  muss sich nach Aussage von Vorstandschef Axel Wieandt auf schwere Einschnitte beim bevorstehenden Umbau vorbereiten. Das Management der Bank überarbeite derzeit mit höchster Priorität das Geschäftsmodell, um es an die nachhaltig veränderten Rahmenbedingungen anzupassen, sagte der seit kurzem amtierende Vorstandsvorsitzende am Montag anlässlich der Vorlage des Quartalsberichts. "Eine daraus resultierende Umstrukturierung und Neuausrichtung wird allen an der Hypo Real Estate Group Beteiligten schwierige Entscheidungen abverlangen."

Die Kosten für die staatlichen Rettungshilfen werden das Ergebnis nach Aussage der HRE auch im nächsten Jahr stark beeinträchtigen. "Die notwendige Umstrukturierung der HRE und die Kosten der vereinbarten oder geplanten Liquiditätslinien und Kapitalhilfen werden auch 2009 für erhebliche Belastungen im Konzernergebnis sorgen", erklärte Finanzvorstand Markus Fell.

Vor Steuern stand, wie bereits in der Vorwoche bekanntgegeben, ein Verlust von 3,105 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 237 Millionen Euro im Vorjahr. Schuld an dem dicken Minus war vor allem der irische Staatsfinanzierer Depfa - die Abschreibungen auf die Tochter summierten sich zwischen Juli und September auf 2,482 Milliarden Euro. Hinzu kamen Belastungen aus dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers, dem Engagement in Island und der Beteiligung an der australischen Babcock & Brown.

"Es sieht so aus, als seien die in so ziemlich allem investiert gewesen, was bankrott gegangen ist", lautete das geschockte Urteil eines Aktienhändlers.

Auch unterm Strich blieb ein Verlust von 3,052 Milliarden Euro. Weitere Belastungen schlugen sich in der Neubewertungsrücklage nieder: Sie lag 3,28 Milliarden Euro im Minus, Anfang des Jahres hatte sie noch bei minus 1,86 Milliarden Euro gelegen.

Die operativen Erträge lagen im dritten Quartal mit 345 Millionen Euro im Minus nach einem Plus von 412 Millionen Euro im Vorjahr. Sowohl Handelsergebnis als auch Finanzanlageergebnis waren wegen der Belastungen negativ - beide lagen über 300 Millionen Euro im Minus. Der Zinsüberschuss inklusive "ähnlicher Erträge" erreichte mit einem Plus von 354 Millionen in etwa das Vorjahresniveau. Für faule Kredite legte die HRE mit 177 Millionen Euro überraschend viel zurück - im Vorjahr waren es noch 17 Millionen Euro. Der Provisionsüberschuss halbierte sich auf 35 Millionen Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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