Weltfinanzgipfel Bretton Woods 2.0?

Die Welt zu Gast in Washington - dort wollen die Vertreter der G20-Länder die Weltwirtschaft vor Schlimmerem bewahren. Stehen wir vor einem neuen Bretton Woods, fragt Gastautorin Virginie Maisonneuve, Aktienchefin der Fondsgesellschaft Schroders, exklusiv für manager-magazin.de.
Von Virginie Maisonneuve

London - Am Wochenende treffen sich die Führer der Welt in Washington, genauer die Lenker der G20-Gruppe. Sie wollen die Finanzkrise in allen Facetten diskutieren. Sie werden sich die Ursachen ansehen und auch das, was bereits auf den Weg gebracht wurde, um der Probleme Herr zu werden. Und es wird erwartet, dass sie überlegen, wie sich so etwas künftig verhindern lässt.

Darüber hinaus werden die Auswirkungen der Krise auf die Emerging Markets analysiert werden. Die sind schwerwiegend - und könnten zumindest theoretisch zu sozialer Instabilität und mehr Armut führen.

Dieses G20-Treffen sähe sich dabei gern als Erbe einer echten Größe, als Neuauflage von Bretton Woods. Jener Konferenz aus dem Jahr 1944, welche unter anderem die Wechselkurse festlegte und den Internationalen Währungsfonds (IMF) schuf.

Ein interessanter Aspekt - denn genau dieser IWF läuft Gefahr, dass ihm das Geld ausgeht. Darum besteht auch die Notwendigkeit für deutliche Signale der heutigen Weltenlenker. Wie auch immer, ganz anders als noch 1944, wird der Gipfel dieses Mal weitaus mehr Schwellenländer willkommen heißen. China, Russland, Südafrika, Südkorea und Indien zum Beispiel.

Viel ist getan, vieles muss getan werden

Die Regierungen und die Zentralbanken haben bereits eine Reihe außergewöhnlicher Maßnahmen ergriffen. Sie haben Fannie Mae, Freddie Mac und AIG aus der Patsche geholfen. Dann schien die US-Regierung zu durchschlagenderen Mitteln greifen zu wollen. Früh im Oktober enthüllte sie einen Rekapitalisierungsplan, der 250 Milliarden Dollar beinhaltete, um Vorzugsaktien von US-Banken zu kaufen. Das war sehr billiges Kapital und ein starker Anreiz für die Banken, Geld wieder zu verleihen. Sei es an Privatpersonen, Unternehmen oder andre Banken. Und den Widerwillen dazu zu brechen, ist wichtig - er ist eines der größten Hindernisse auf dem Weg zur wirtschaftlichen Genesung.

Es gab ähnliche Rettungspakete in Großbritanien und Europa. Es war den Banken überlassen, ob sie die Hilfe der Regierungen haben wollten oder nicht. Die US-Fed hat eigens dazu eine Sondergesellschaft gegründet, ein "special purpose vehicle", um kurzfristige Anleihen von bestimmten Ausstellern aufzusaugen. Wir haben auch koordinierte Zinssenkungen in Nordamerika, Europa und Asien gesehen. In den USA sanken die Zinsen inzwischen auf 1 Prozent.

Es geht nicht nur um Banken

Es geht nicht nur um Banken

Die Probleme begannen zwar bei den Banken. Und sie leiden auch noch - aber es gibt auch Probleme für die breite Wirtschaft. Die Rezession ist am Horizont zu erkennen. Und wenn die Regierungen nicht handeln - vor allem, wenn sie das Finanzsystem tiefgefroren und die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession abgleiten lassen - dann werden auch gute Unternehmen Konkurs gehen. Und das wird zu einer höheren Arbeitslosigkeit führen sowie zu noch geringerem Wachstum.

Glücklicherweise senden die Regierungen deutliche Signale, dass sie nicht gewillt sind, genau das passieren zu lassen - und das trotz der hohen Schwerkraft, die das "Deleveragen" entfaltet.

Neben den bereits genannten Maßnahmen hat Japan ein 51 Milliarden-Dollar-Paket verkündet, dass den Konsument und die Industrie zum Geldausgeben bewegen soll. Diesen Monat zog China nach und plant Stimuli für die Zeit bis 2010.

Peking will Geld in die nationale Infrastruktur und in Wohlfahrtprojekte stecken. Dazu zählen Wohnungen, Krankenhäuser, Gleise, Straßen und Flughäfen. Wir glauben, dass das allein der chinesischen Wirtschaft nützt, der drittgrößten der Welt, sondern auch anderen asiatischen Ländern ebenso wie dem Westen. China war ein starker Motor für wirtschaftliches Wachstum und wir glauben, dass solche Maßnahmen helfen, diesen Trend voranzutreiben.

Kein "quick fix"...

Kein "quick fix" …

Auch wenn die Absichten der Teilnehmer einhellig sind - es ist zu erwarten, dass die Lösungen Zeit brauchen und sich nichts Drastisches aus diesem Wochenende ergibt. Aber das Treffen wird wahrscheinlich die Grundlage für weitere Konferenzen legen. Wir erwarten von den Politikern eher eine grundsätzliche Diskussion als die Lösung konkreter Probleme. Aber auf diesem Treffen werden die Weichen für künftige Treffen gestellt - wer tut was und wie.

Obwohl der scheidende US-Präsident George W. Bush Gastgeber ist, ist es interessant zu sehen, dass der gewählte Nachfolger Barack Obama schon jetzt seine Unterstützung zugesagt hat. Er hat gesagt, dass er weiterhin Geld ausgeben wolle für kritische Projekte wie jene, die den langfristigen Klimawandel betreffen.

… aber es könnte die Stimmung ändern

Die Lösung wird eine konzertiere Aktion von entwickelten wie weniger entwickelten Ländern erfordern. Und glücklicherweise scheinen alle bereits zu sein, diese Schritte zu machen. Das könnte die Stimmung an den globalen Märkten ändern.

Die Krise zeigt, wie Globalisierung auf die grenzüberschreitenden Kapitalsysteme wirkt und dass ein angemessener regulatorischer Rahmen gefunden und angewandt werden muss - was bislang fehlte. Es gilt also, nationales Verhalten beiseite zu lassen, was ein echter Gesinnungstest ist.

Aber es ist auch eine Chance. Denn Länder wie China mit ihren Währungsreserven, die an die 2 "Billionen Dollar grenzen, ebenso wie die ölexportierenden Länder, haben die Fähigkeit, Kredite an die sogenannte Entwickelte Welt zu geben oder an Organisationen wie den IWF. (…) Eine Gelegenheit, zu diesem geschlossen Zirkel aufzuschließen und de facto für sie ein echter politischer Machtzuwachs.

Es mag noch etwas früh sein - aber wir sind dabei, uns wirtschaftlich und politisch neu zu erfinden. Wir spüren den "wind of change".

Teilnehmer, Interessen, Ziele: Der Finanzgipfel in Bildern

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