Anlegerstreik MLP-Gewinn schrumpft Richtung null

Der Überschuss von MLP ist im dritten Quartal um 95 Prozent eingebrochen. Der Finanzvertrieb, der wie die gesamte Branche unter der Zurückhaltung der Anleger leidet, kassiert daher seine Prognose für 2008. Und es könnte noch schlimmer kommen: Nach wie vor kehren viele Vertriebsleute MLP den Rücken.

Stuttgart - Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten und die Verunsicherung der Verbraucher setzen dem Finanzmakler MLP  schwer zu. Im dritten Quartal brach der Überschuss des Finanzvertriebs um 95 Prozent ein und lag mit 0,8 Millionen Euro nur noch knapp über der Nulllinie. MLP zog daher seine zu optimistische Geschäftsprognose für dieses Jahr zurück.

Das Unternehmen schickte seine Aktien damit am Mittwoch erneut auf Talfahrt. Die im Nebenwerteindex MDax gelisteten Papiere gaben 6 Prozent auf 10,20 Euro nach. Bei den Gesamterlösen sei in diesem Jahr entgegen den bisherigen Annahmen kein Wachstum zu erwarten, räumte MLP am Dienstagabend mit Sitz in Wiesloch ein. In den Monaten Juli bis September brach das Geschäft mit Versicherungspolicen, Bankdiensten und Vermögensverwaltung ein.

Aus Provisionen kassierte MLP daher nur 126,4 Millionen Euro, fast 9 Prozent weniger als im Vorjahr. Private wie institutionelle Kunden übten sich wegen der Vertrauenskrise an den Kapitalmärkten in Zurückhaltung. Auch die neu erworbene Tochter TPC lieferte einen Verlust ab, da viele Unternehmen mit dem Abschluss von betrieblichen Altersvorsorgeplänen zögerten.

Vor Steuern und Zinsen (Ebit) verdiente MLP in den Sommermonaten mit 2,8 Millionen Euro nur noch einen Bruchteil der vor Jahresfrist erwirtschafteten 18,2 Millionen Euro. Nach neun Monaten summiert sich das Ebit damit lediglich auf 35,5 Millionen Euro nach 56,4 Millionen Euro vor Jahresfrist. Angesichts der schwachen Geschäfte waren die bisher gehegten Renditeerwartungen für dieses Jahr nicht mehr zu halten. "Anders als prognostiziert wird die Ebit-Marge unter das hohe Niveau des Geschäftsjahres 2006 sinken", stellte der Vorstand in Aussicht. 2006 hatte MLP eine operative Rendite von 16,2 Prozent erwirtschaftet, 2007 waren es 17,3 Prozent.

Zahlreiche Kundenberater warfen bei MLP das Handtuch. Die Zahl der Kundenbetreuer sank bis Ende September abermals und verringerte sich auf 2491 von 2534 Ende Juni. Finanzmakler werden derzeit von vielen Unternehmen umworben. Zudem dürfte der Einstieg des Schweizer Versicherungskonzerns Swiss Life für Verunsicherung bei den selbstständigen MLP-Beratern gesorgt haben. Die Schweizer verlangen zusammen mit ihrer Finanzdienstleistungstochter AWD aus Hannover bei MLP künftig mehr Mitsprache und wollen mehr eigene Produkte an die MLP-Kundschaft losschlagen.

MLP reagiert bisher frostig auf den Einstieg von Swiss Life und brachte sich zuletzt gemeinsam mit den Versicherungskonzernen Axa und Allianz sowie dem britischen Finanzkonzern HBOS gegen die Schweizer in Stellung.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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