Montag, 24. Februar 2020

Banken "Es war ein Befreiungsschlag"

Wochenlang verschmähten deutsche Banken das 500 Milliarden Euro schwere Hilfspaket des Bundes. Nach dem schwer angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate griffen am Montag nun mit der Commerzbank, der HSH Nordbank und der WestLB gleich drei Institute nach dem Rettungsanker des Staates.

Frankfurt am Main - Kurz nachdem die Commerzbank Börsen-Chart zeigen eine staatliche Finanzspritze und Garantien annahm, beantragte am Montag auch die angeschlagene HSH Nordbank Staatsbürgschaften von 30 Milliarden Euro. Am Abend dann erklärte die WestLB, sie wolle sich helfen lassen. Zusammen mit der BayernLB sind damit bislang insgesamt fünf deutsche Banken unter den Rettungsschirm des Staates geflüchtet. Börsen und Bundesregierung hoffen jetzt auf mehr Ruhe und neues Vertrauen.

Eisbrecher Commerzbank: "Zu solchen Konditionen könnte jede Bank Hilfe akzeptieren"
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Eisbrecher Commerzbank: "Zu solchen Konditionen könnte jede Bank Hilfe akzeptieren"
"Die Hürden sind sehr niedrig", sagt Bankenprofessor Hans-Peter Burghof. "Zu solchen Konditionen könnte jede Bank Hilfe akzeptieren." Von der Horrorvorstellung einer Verstaatlichung blieb die Commerzbank weit entfernt. "Eine staatliche Einflussnahme auf unser operatives Geschäft wird es nicht geben", unterstrich Commerzbank-Chef Martin Blessing am Montag. Für die stille Einlage des Staates in Höhe von 8,2 Milliarden Euro wird der Bund nicht - wie in den ursprünglichen Plänen vorgesehen - Aktionär. Auf diese Weise verhindert die Commerzbank die Verwässerung der Stimmrechte ihrer Investoren. Zudem entsendet der Staat kein Mitglied in den Aufsichtsrat, und das Institut darf die Steuergelder auch in den Kauf der Allianz-Tochter Dresdner Bank stecken, dessen Übernahme für 9,8 Milliarden Euro Ende August beschlossen wurde.

Doch ganz ohne Staat geht es nicht: Bei Managergehältern, Zulagen und Gewinnausschüttung darf der Bund ein gehöriges Wörtchen mitreden. "Keine Leistung ohne Gegenleistung", hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als Motto ausgegeben. Das tut den erfolgsverwöhnten Bankern bei Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus durchaus weh. Die Vorstände bekommen bis 2009 keine Bonuszahlungen, die den weitaus größten Teil ihrer Millionengehälter ausmachen.

Statt 3,5 Millionen Euro wie sein Vorgänger muss sich Vorstandschef Blessing, der seit Mai im Amt ist, mit 500.000 Euro Jahresgehalt begnügen. Der Manager nahm es locker: "Als wir den Beipackzettel mit Nebenwirkungen des Paketes besprochen haben, stand dieser Punkt ganz am Ende." Statt eines Gehalts bekomme er im November und Dezember Geld abgebucht. Die Großzügigkeit erklärt sich leicht: Da Bonuszahlungen an den Geschäftserfolg gekoppelt sind, fallen sie in Zeiten der Finanzkrise viel kleiner aus. "Das Opfer ist nicht hoch", sagt Bankenexperte Wolfgang Gerke.

Die Schlange der bedürftigen Banken nach staatlicher Hilfe könnte jetzt durchaus noch wachsen. "Aus dem Landesbanken-Sektor werden noch Einige die Karten auf den Tisch legen", erwartet Bankenprofessor Martin Faust von der Frankfurt School of Finance and Management.

Die WestLB hatte dies bereits vor Tagen signalisiert. Am Montagabend dann beschloss der Aufsichtsrat, dass auch die Düsseldorfer Landesbank unter den Rettungschirm rücken wird. Planmäßige Kredite für 2008 und 2009 sollen nach Angaben der Bank über Garantien des Sonderfonds (SoFFin) abgesichert werden. Außerdem wolle das Institut einen Antrag auf Rekapitalisierung stellen. "Der Vorstand wird hierzu kurzfristig Gespräche mit der SoFFin aufnehmen", hieß es in einer Erklärung der Landesbank. Zu den Summen, die die WestLB in Anspruch nehmen möchte, machte sie keine Angaben. Die BayernLB hatte als erste Landesbank Staatshilfen schon zuvor beantragt.

Deutsche Bank verzichtet auf Hilfe - vorerst

Nur ein Institut lehnt weiterhin jede staatliche Unterstützung ab: Der Branchenprimus Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen. Ihr Chef Josef Ackermann hatte vor rund zwei Wochen mit dem kolportierten Zitat: "Ich würde mich schämen, wenn wir in der Krise Staatsgeld annehmen würden" für Aufregung gesorgt. In Branche und Politik wurde Ackermann zum Buhmann gemacht, der anderen Banken den Weg an den Staatstropf versperrt habe. Der Deutsche-Bank-Chef bekräftigte am Sonntag im ZDF: "Wir werden aus heutiger Sicht nicht mitmachen, weil wir ja stark sind." Zugleich machte er aber den Weg für andere frei und sagte, schwache Banken sollten "so schnell wie möglich" unter den Rettungsschirm.

Die Commerzbank hat nach Expertenmeinung schlau gehandelt und steht nun besser da als zuvor. Mit einer Kernkapitalquote von 7,3 Prozent galt sie bislang international als vergleichsweise schwach ausgestattet. Das ändert sich: Mit der staatlichen Hilfe überholt die Nummer zwei in Sachen Kapitaldecke sogar Ackermann und seine Deutsche Bank.

Der Druck der Politik und auch der internationalen Konkurrenz, die bereits Geld genommen hat, wurde zuletzt immer größer. "Es war ein Befreiungsschlag", sagt Experte Gerke dazu, dass sich die Commerzbank nun aus der Deckung gewagt hat. "Die Fusion mit der Dresdner Bank wird dadurch erleichtert, weil die Bonität der Commerzbank steigt und sie mehr Kapitalkraft und Anerkennung erhält." Wenn die Krise überwunden wird und alles gut läuft, kann Bankenchef Blessing nach 2009 dann auch wieder kräftig Geld verdienen.

von Marion Trimborn, dpa und Kathrin Schulte-Bunert, dpa-afx

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