Commerzbank "Gut für die Bank, ihre Mitarbeiter und Kunden"

Keine Boni für die Mitarbeiter, keine Dividende für die Anleger. Die Commerzbank zahlt einen hohen Preis für den Einstieg des Rettungsfonds. Unternehmenschef Martin Blessing, dessen Gehalt begrenzt wird, verteidigt die Aktion. Investoren gefällt der Schritt. Sie greifen bei der Aktie zu.

Frankfurt am Main - Als erste große Privatbank in Deutschland nimmt die Commerzbank  nach roten Zahlen im dritten Quartal das staatliche Rettungspaket in Anspruch. Aus dem Sonderfonds (SoFFin) der Regierung erhält die zweitgrößte deutsche Bank 8,2 Milliarden Euro in Form einer stillen Einlage und bessert damit ihr Kapital auf, wie das Institut am Montag in Frankfurt mitteilte. Daneben greift die Bank auf eine Garantie für Schuldverschreibungen der Bank von bis zu 15 Milliarden Euro zu.

Manager und Aktionäre zahlen für diese Hilfe einen hohen Preis: Die Commerzbank muss für 2008 und 2009 die Dividende streichen, in den beiden Jahren sind Bonuszahlungen an die Mitarbeiter verboten und die Vorstandsgehälter werden auf eine halbe Million begrenzt - davon ist in erster Linie Vorstandschef Martin Blessing betroffen.

Die Aktien der Commerzbank haben am Montag deutlich zugelegt. Zeitweise führten die Papiere die Reihe der Gewinner im Dax  an. "Das beseitigt die letzten Unklarheiten - aber so deutliche Kursgewinne hätte ich auch nicht erwartet", sagte ein Händler. Analysten zeigten sich über die Höhe der beantragten Hilfe überrascht. Über acht Milliarden Euro seien außergewöhnlich viel, hieß es bei Merck Finck & Co.

Bislang hat das 500 Milliarden Euro schwere Paket des Bundes nur wenig Zuspruch gefunden. Grund dafür war die Angst der Banken vor einer Abstrafung an der Börse und den harten Auflagen des Bundes. Lediglich Landesbanken und die krisengeschüttelte Hypo Real Estate  hatten die Hilfe in Anspruch genommen.

Die Bundesregierung begrüßte den "verantwortungsvollen Schritt" der Commerzbank. "Das stärkt die Bank und schützt Anteilseigner sowie Arbeitnehmer genauso wie die Kreditversorgung der deutschen Wirtschaft", sagte der Sprecher des Finanzministeriums, Torsten Albig.

Blessing: "Gut für Bank, Mitarbeiter und Kunden

Blessing: "Gut für Bank, Mitarbeiter und Kunden"

Die vom SoFFin garantierten Verbindlichkeiten dürfen eine Laufzeit von maximal 36 Monate haben, hieß es in der Commerzbank- Mitteilung. Sie sollen mittelfristig zurückgezahlt werden. Die Garantien laufen längstens bis Ende 2012. Mit Hilfe der stillen Einlage des Bundes steige die Kernkapitalquote auf 11,2 Prozent. Die Commerzbank  muss für die stille Kapitaleinlage des Bundes 400 bis 500 Millionen Euro pro Jahr bezahlen.

"Die internationalen Kapitalstandards haben sich geändert und wir wollen dieser Situation Rechnung tragen", sagte Vorstandschef Blessing in einer Telefonkonferenz. Der neue mittelfristige Zielkorridor für diese Kenngröße liege bei sieben bis neun statt zuvor sieben bis acht Prozent.

Blessing begründete die Entscheidung mit den Worten: "Wir machen von den Instrumenten des Pakets Gebrauch, weil dies gut für die Bank, ihre Mitarbeiter und Kunden ist. Die Commerzbank sichert damit ihre Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich ab."

Das Geschäftsmodell mit einem starken Privatkundengeschäft als Kern und dem Mittelstandsgeschäft solle auch nach der Übernahme der Dresdner Bank konsequent fortgeführt werden, betonte der Vorstandschef. Die Integration der Dresdner Bank, die von der Commerzbank Ende August für 9,8 Milliarden Euro übernommen worden war, laufe nach Plan.

Dreistelliger Millionenverlust im dritten Quartal

Im dritten Quartal stürzte die Finanzkrise die Commerzbank in die roten Zahlen. Zwischen Juli und Ende September sei ein Verlust von 285 Millionen Euro angefallen nach einem Gewinn von 339 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Die Finanzmarktkrise schlug mit über einer Milliarde Euro zu Buche.

Allein der Zusammenbruch der US- Investmentbank Lehman Brothers  brachte Belastungen von 357 Millionen Euro. Das Engagement in Island, das nur knapp an einer Staatspleite vorbeigeschrammt ist, belastete mit 232 Millionen Euro. Auf US- Immobilienkredite musste die Bank 144 Millionen Euro abschreiben.

Wie die Deutsche Bank  nutzte auch die Commerzbank die seit kurzem eingeführten Lockerungen in der Bilanzierung. Ohne diese Maßnahme wären noch höhere Belastungen angefallen: Die Neubewertungsrücklage, in der das Institut einen Teil der Belastungen verbucht, lag bei minus 1,2 Milliarden Euro im Minus - ohne die Änderungen hätte sie aber laut Angaben über zwei Milliarden Euro im Minus gelegen.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.