Indizes Börse verschärft Regelwerk wegen VW

Nach der Kursexplosion der VW-Aktie hat die Deutsche Börse ihre Regeln für die wichtigsten deutschen Aktienindizes geändert. Ab kommender Woche können einzelne Aktien innerhalb weniger Tage aus einem Börsenindex genommen werden.

Frankfurt am Main - Die Deutsche Börse  hat auf die bisher nie gesehenen Kurskapriolen der Volkswagen-Aktie  in dieser Woche mit neuen Regeln reagiert. Künftig kann ein Wert bei zu hohen Kursausschlägen und einer zu hohen zu Gewichtung aus dem Dax , MDax  oder SDax  geworfen werden, wie die Deutsche Börse am Freitag in Frankfurt mitteilte.

Experten hatten diesen Schritt gefordert, da die Kursexplosion des VW-Papiers infolge der bevorstehenden Übernahme des größten europäischen Autobauers durch Porsche  zu Marktverwerfungen geführt hatte, die den Ruf des gesamten Aktienmarktes und des gesamten Finanzplatzes Deutschland stark angekratzt hätten. Kritiker des "Spielcasinos Börse" sahen sich bestätigt.

Der Kurs der VW-Aktie war am Dienstag zeitweise auf mehr als 1000 Euro gestiegen. Der Wert des Unternehmens, das damit zeitweise der an der Börse am höchsten bewertete Konzern der Welt war, hatte sich damit innerhalb von wenigen Stunden fast verfünffacht. Am Dienstagabend hatte das Gewicht der VW-Aktie im Dax zudem 27 Prozent betragen. Bis Donnerstagabend fiel der VW-Kurs wieder auf 500 Euro und damit das Gewicht im Dax auf 14,3 Prozent.

VW-Rauswurf aus Dax theoretisch nächste Woche möglich

Die Deutsche Börse hatte bereits am Dienstag mitgeteilt, die Gewichtung der VW-Stammaktie nach Handelsschluss vom Freitag auf 10 Prozent zu senken. Den neuen Regeln zufolge kann eine Aktie aus den genannten Indizes genommen werden, wenn die Gewichtung an einem Tag bei mehr als 10 Prozent liegt. Weitere Voraussetzung sei, dass die Wertschwankung einer Aktie innerhalb von 30 Handelstagen über 250 Prozent betrage.

Diese 30-Tages-Volatilität der VW-Aktie lag nach Angaben der Börse zuletzt bei 388 Prozent. VW sei von den neuen Regeln vorerst nicht betroffen, sagte eine Deutsche-Börse-Sprecherin, da die Gewichtung am Montag erst einmal bei 10 Prozent liegt. "Die neuen Regeln sind ist nach der Einkappung vom Dienstag präventiv", sagte sie.

"Die bereiten damit den Ausstieg der VW-Aktie vor"

Sollte die Gewichtung am Montag mit einem anziehenden Kurs wieder steigen, könnte die VW-Aktie gemäß den neuen Regeln noch in der kommenden Woche aus dem Dax genommen werden.

"Die Entscheidung über eine vorzeitige Herausnahme trifft der Vorstand der Deutsche Börse AG in Abstimmung mit dem Arbeitskreis Aktienindizes", hieß es in der Mitteilung. "Die Herausnahme erfolgt am Ende des zweiten Handelstages nach dem Tag der Entscheidung." Nach Einschätzung eines Experten, der nicht genannt werden wollte, ist die Regel alles andere als "präventiv": "Ich denke, die bereiten damit den Ausstieg der VW-Aktie aus dem Dax vor."

"Börse will Image für Dax zurückgewinnen"

"Börse will Image für Dax zurückgewinnen"

Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank sagte, dass die Deutsche Börse mit den neuen Regeln getrieben von den Umständen eine Scharte auswetzen wolle. Die Börse wolle die Peinlichkeit dieser Woche in den Griff bekommen und ändere nun die Regelungen, um so im Fall der Fälle Ausnahmen schaffen zu können. "Der Dax sei bislang ein gutes Abbild der deutschen Wirtschaft gewesen. Dieses Musterschüler-Image will man wieder zurückerlangen", sagte Halver.

Der durch Fundamentaldaten wie Gewinn oder Umsatz nicht gerechtfertigte Höhenflug der VW-Aktie geht vor allem auf das immer knapper werdende Angebot von Volkswagen-Stammaktien zurück. So gehören 42,6 Prozent der Anteile Porsche, für weitere 31,5 Prozent der Aktien hat der Stuttgarter Sportwagenhersteller Kaufoptionen. Gut 20 Prozent liegen beim Land Niedersachsen. Übrig für den Handel bleiben damit theoretisch nur noch weniger als 6 Prozent.

Da zudem vor allem Hedgefonds und andere aggressive Investoren auf fallende Kurs gesetzt hatten, kamen diese unter Zugzwang. Verschiedenen Zeitungberichten zufolge haben Hedgefonds wegen der VW-Kursausschläge Verluste in zweistelliger Milliardenhöhe erlitten, während Porsche Milliarden verdient haben soll.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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