Japan Erste Zinssenkung seit sieben Jahren

Japans Notenbank hat ihre Leitzinsen gesenkt. Die Währungshüter in Tokio drückten den Schlüsselzins des Landes von 0,5 auf 0,3 Prozent, um die eigene Yen-Währung zu schwächen. Die Zentralbank will so die exportabhängige Industrie Japans stützen. Doch die Entscheidung ist selbst unter den Zentralbankern umstritten.

Hamburg - Die Währungshüter in Tokio haben ihren Schlüsselzins von 0,50 auf 0,30 Prozent gesenkt. "Damit sollen die Folgen der globalen Finanzkrise für Japan gemildert werden", sagte Notenbankchef Masaaki Shirakawa betonte. Allerdings konnte sich die Zentralbank nur mit knapper Mehrheit zu diesem Zinsschritt durchringen.

Die Investoren an den Aktienmärkten reagierten mit Enttäuschung, da sie mit einer etwas kräftigeren Senkung um einen Viertelprozentpunkt gerechnet hatten. Der Tokioer Leitindex Nikkei 225  ging mit Abschlägen von mehr als 5 Prozent aus dem Handel. "In Zeiten extremer finanzieller Unsicherheit und Schwankungen gibt eine gespaltene Notenbankführung kaum ein Signal der Sicherheit", sagte Glenn Maguire, Asien-Chefvolkswirt der französischen Großbank Société Générale in Hongkong.

Die Landeswährung Yen profitierte dennoch von der wieder steigenden Risikoaversion der Investoren und legte zu Dollar und Euro zu. Finanzminister Shoichi Nakagawa nannte die Zinssenkung eine gute Entscheidung.

Japans Wirtschaft ist ähnlich wie die deutsche vergleichsweise abhängig von den Exporterfolgen ihrer Unternehmen. Die sanken zuletzt allerdings, weil Japans Yen-Währung sowohl gegenüber dem Dollar als auch dem Euro kräftig an Wert gewann. Entsprechend sanken die Gewinne japanischer Unternehmen - und drohten den Konjunkturabschwung in dem asiatischen Land deutlich zu beschleunigen. Selbst die Finanzminister der sieben wirtschaftlich bedeutendsten Staaten der Welt hatten sich deshalb zuletzt darauf verständigt, die Yen-Währung zu stützen, und damit auch die Ökonomie der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde zu stabilisieren.

Der Schritt der G 7 sei verständlich, weil die Stärke des Yen den japanischen Herstellern immer mehr zu schaffen mache, sagte der Währungsexperte Dmyfor Evans von State Street Global Markets in Hongkong.

Viele Anleger, so raunen Devisenhändler, stoppten derzeit ihre bisherige Investmentstrategie und versuchten sich so auf die aufziehende Wirtschaftskrise einzustellen. Kredite bei japanischen Banken, die dort zu den japanischen Niedrigzinsen aufgenommen und dann zu höheren Zinsen im Ausland angelegt worden seien, würden jetzt zurückgezahlt. "Diese sogenannten Carry-Trades werden jetzt abgewickelt, und das katapultiert den Yen nach oben", sagt Hellmeyer.

Erst am Donnerstag hatte die japanische Regierung ein Konjunkturprogramm in Höhe von 40 Milliarden Euro aufgelegt, um die lahmende Wirtschaft anzukurbeln. Ministerpräsident Taro Aso hatte die Finanzkrise jüngst als Jahrhundertsturm bezeichnet.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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