Quartalsverlust erwartet Krise lässt Deutsche Bank nicht los

Die Deutsche Bank wird am morgigen Donnerstag wegen der Finanzkrise wohl zum zweiten Mal in diesem Jahr einen Quartalsverlust ausweisen. Analysten sagen im Schnitt einen Fehlbetrag von gut 200 Millionen Euro vor Steuern voraus. Wegen neuer Bilanzierungsregeln ist die Prognose allerdings unsicher.

Frankfurt am Main - Hauptgrund für die schwache Einschätzung der befragten Analysten sind erwartete neue Milliardenabschreibungen im Kerngeschäft Investmentbanking. Allerdings ist die Unsicherheit der Experten über die genauen Auswirkungen der jüngsten Krisenverschärfung hoch: Noch ist unbekannt, wie stark die größte deutsche Bank die jetzt gelockerten Bilanzvorschriften bereits anwendet. Die Deutsche Bank will am Donnerstag ihre Quartalsbilanz vorlegen.

Die meisten Analysten setzen bei ihren Schätzungen voraus, dass die Deutsche Bank  das Quartal noch vollständig nach den alten Regeln bilanziert hat. "Alles andere wäre Stochern im Nebel", sagt Konrad Becker, Bankenexperte bei Merck Finck. Niemand wisse, ob die Zeit ausgereicht habe, um die neuen Regeln schon zu nutzen.

Die Regierungen in Europa hatten sich vor Kurzem darauf verständigt, die Bilanzierungsvorschriften für Banken in der Krise rückwirkend zum dritten Quartal zu lockern. Demnach müssen die Institute Wertpapiere, die derzeit unverkäuflich sind, nicht mehr zum Marktwert in ihre Bücher nehmen. Diese Praxis führt in der Krise regelmäßig zu hohen Abschreibungen.

Künftig müssen diese Papiere nur wertberichtigt werden, wenn tatsächlich kein Mittelrückfluss mehr zu erwarten ist. Die Finanzaufsicht BaFin erwartet dadurch für die Banken Entlastungen in Milliardenhöhe bereits im abgelaufenen dritten Quartal. Investmentbanken wie die Deutsche Bank können von dieser Änderung besonders profitieren, da sie viele Wertpapiere im Handelsbestand halten - und damit bisher zu Marktpreisen bewerten mussten.

Auf Basis der alten Bilanzierung erwarten die Experten der Commerzbank im Quartal Belastungen für die Deutsche Bank von knapp zwei Milliarden Euro. Insgesamt musste das Geldhaus bislang gut sieben Milliarden Euro an Abschreibungen verkraften - vor allem auf große Übernahmekredite, die sich seit einem Jahr nicht mehr an Investoren weiterverkaufen lassen. Im ersten Quartal mussten die Frankfurter erstmals seit Jahren einen Verlust verbuchen. Grundsätzlich hat sich die Deutsche Bank aber im Vergleich zu anderen Investmentbanken durchaus gut geschlagen: Die Schweizer UBS etwa verbuchte bisher Belastungen von fast 30 Milliarden Euro.

Bank kann sich der Vertrauenskrise nicht entziehen

Dennoch kann sich auch die Deutsche Bank der allgemeinen Vertrauenskrise in der Branche nicht entziehen. Die Aktie büßte in den vergangenen Wochen mehr als die Hälfte an Wert ein, sie kostet mittlerweile nur noch 25 Euro nach mehr als 60 Euro im August. Ein besonderes Augenmerk der Analysten richtet sich auf die Kapitalausstattung der Bank, die viele als zu gering kritisieren. "Die Märkte und die Aufseher dürften ein deutlich höheres Eigenkapitalniveau von Banken in der Zeit nach der Krise verlangen als früher", schrieben jüngst die Experten des Beratungshauses Fox-Pitt, Kelton in einer Studie. Darauf habe die Deutsche Bank noch keine passende Antwort gefunden.

Das Geldhaus hat seine Kernkapitalquote per Ende September mit rund 10 Prozent beziffert und betont, eine Kapitalerhöhung sei nicht nötig. Mit dieser Ausstattung kann sich die Bank im europäischen Vergleich zwar durchaus sehen lassen, aber nach Einschätzung der Fox-Pitt-Analysten wird künftig ein Niveau von 12 bis 15 Prozent bei Investmentbanken nötig sein.

Auch Finanzexperte Becker von Merck Finck erwartet, dass die Deutsche Bank auf mittlere Sicht die Quote weiter erhöhen muss - etwa durch den Abbau von Risikopositionen in der Bilanz. "Die Märkte wollen einfach sehen, ob es einen ausreichend großen Puffer für weitere drohende Verluste gibt, falls sich die Krise nochmals verschärft", sagt er.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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